Konzert im Landesmuseum
Wo der Brummbär mit der Lerche tanzt

Münster -

Dass ein Brummbär mit einer Lerche tanzt, erlebt man nicht alle Tage. Im Landesmuseum hatte ein interessiertes, kleines Klassikpublikum die Gelegenheit dazu. Der „Brummbär“ war hier der Kontrabass von Frank Reinecke (Solobassist beim Bayerischen Rundfunk) – die „Lerche“ erhob ihren Gesang auf den Violinsaiten von Helge Slaatto, langjähriger Professor an der hiesigen Musikhochschule. Seit über 30 Jahren spielen diese Zwei bereits zusammen – preisgekrönt.

Dienstag, 18.06.2019, 17:02 Uhr
Helge Slaatto (l.) und Frank Reinecke gaben ein Konzert im Landesmuseum.
Helge Slaatto (l.) und Frank Reinecke gaben ein Konzert im Landesmuseum. Foto: Arndt Zinkant

Mittelalterliche Musik von Philippe de Vitry und Guillaume de Machaut stand neben Avantgarde von Wolfgang von Schweinitz (geboren 1953), dessen Stücke eigens für das Duo Slaatto – Reinecke geschrieben wurden („Plainsound Counter­point“). Streicherklänge, die sich über sieben Oktaven und acht Jahrhunderte erstreckten. Das war alles andere als ein bunter Cocktail. Denn der Zeitgenosse Schweinitz komponiert in der bis ins Barock gebräuchlichen reinen Stimmung (im Gegensatz zur gleichstufigen Stimmung moderner Tasteninstrumente). Und wenn er in „Plainsound Study No.1“ im dorischen Modus (einer mittelalterlichen Kirchentonart) Violine und Bass zusammenbringt, berühren sich Mittelalter und Gegenwart wie in einer mönchischen Meditation. Klänge, die das Ohr in die Aufmerksamkeit hineinzwingen.

Philippe de Vitry (1291 – 1361) war mit seinen Motetten nach der Textdichtung „Roman de Fauvel“ ein höchst einflussreicher Musiker des Mittelalters und überdies Bischof. Seine Schrift „Ars nova“ markiert die Entstehung einer neuen, mehrstimmigen Musik insbesondere in Frankreich. Und auch in der Bearbeitung von Slaatto und Reinecke war diese Aura zu spüren, zumal beide sehr sensibel und zurückhaltend intonierten, sogar bei den tänzerischen Teilen.

Die Balladen des Dichterkomponisten Giullaume de Machaut (ca. 1300 – 1377) wirkten noch eingängiger und volkstümlicher; besonders das letzte Stück „Amour doucement me tente“ war so raffiniert bearbeitet, dass man meinte, Flötentöne kämen aus den Saiten.

Die Solostücke, welche Wolfgang von Schweinitz jeweils für Violine und Bass geschrieben hatte (darunter eine Uraufführung für Slaatto), offerierten eine endlose Reihe langer Töne. Mit dissonanten Reibungen, Doppelgriffen oder Flageoletts, die fein wie Spinnweben verhauchten. Faszinierend.

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