Cirque Bouffon auf dem Schlossplatz
Poetisches Zirkus-Spektakel

Münster -

Wunderlich, verrückt, märchenhaft und klangvoll: Die neue Show „Lafolia“ des Cirque Bouffon auf dem Schlossplatz begeistert das Publikum und ist noch bis zum 13. Juli zu sehen.

Sonntag, 30.06.2019, 20:00 Uhr
Ariadna Gilabert Corominas nutzt die schwindelerregende Dynamik des Cyr-Rads – ein Akrobatikgerät ähnlich dem Rhönrad – und zieht damit das Publikum beim Cirque Bouffon auf dem Schlossplatz in ihren Bann.
Ariadna Gilabert Corominas nutzt die schwindelerregende Dynamik des Cyr-Rads – ein Akrobatikgerät ähnlich dem Rhönrad – und zieht damit das Publikum beim Cirque Bouffon auf dem Schlossplatz in ihren Bann. Foto: hpe

Direktor Frederic Zipperlin führt die Zuschauer einzeln zu ihren Plätzen, direkt um die nur sechs Meter breite Manage stehen kleine rote Polsterstühle. „Setzt euch ruhig ganz vorn hin. Keine Angst, wir haben keine gefährlichen Tiere“, meint der Franzose. Mit dem Cirque du Soleil tourte der Artist und Regisseur Zipperlin mehrere Jahre durch Nordamerika, holte sich dafür mehrfach den Preis des Pariser Zirkusfestivals ab. 2000 wagte Zipperlin mit einem eigenen Varieté-Programm im Kölner „Senftöpfchen“ den Sprung in die Selbstständigkeit, danach inszenierte er in Indien den „Karneval in Venedig“, spielte auf der GOP-Deutschlandtour und erfüllte sich 2005 schließlich den Traum vom „eigenen Zirkus“. „Artistik, Komik, Musik, Theater und Tanz hautnah dem Publikum präsentieren, und dabei alles mit künstlerischer Leichtigkeit zu einem ästhetischen Gesamtkunstwerk reifen zu lassen. Das ist die Philosophie des französischen Nouveau Cirque, mit der Compagnie Bouffon ist das mir ganz gut gelungen“, ist Zipperlin überzeugt.

Cirque Bouffon: Poetisches Zirkus-Spektakel

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  • Wunderlich, verrückt, märchenhaft und klangvoll: Die neue Show „Lafolia“ des Cirque Bouffon auf dem Schlossplatz begeistert das Publikum und ist noch bis zum 13. Juli zu sehen. Foto: hpe
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Buffon-Show „Lafolia“ startet ohne Conférencier

Freitagabend, es ist noch sehr warm auf dem Schlossplatz. Unter dem dunkelblauen Capteau, geschützt von den schattenspendenden Bäumen der Promenade und kühlendem Grasboden, ist es unerwartet angenehm auszuhalten. Die aktuelle Buffon-Show „Lafolia“ startet ohne Conférencier und auch Zipperlin als Strippenzieher im Hintergrund erscheint nicht im Scheinwerferlicht. Dafür steht ein ziemlich schräg lachender Theaterclown im Fokus. Der großgewachsene Joel Baker verteilt Popcorn und sitzt dann an einem Klavier. Sieht langweilig aus, aber das ändert sich Sekunden später schlagartig. Der Deckel des Flügels hebt sich und heraus springt Olivia Weinstein. Ein kleines Energiebündel mit viel Situationskomik, in Amerika seit Jahren gefeiert als Weltklasse-Clownin. Sie kann keinen Moment nichts tun, springt ins Publikum, wagt den Hula-Hoop mit einem Lkw-Reifen, wirbelt als gestresste Fitness-Verrückte über die Sportmatte und tobt hinter ihrem Joel her.

Dramaturgisch konzeptionierte Vorführung

Nach der Eingangsszene erscheinen alle Künstler des Abends im Rund der Manage, jeder spielt ein Instrument. Und spätestens jetzt begreift der Zuschauer die Idee, die hinter Bouffon steckt. „Es sind nicht aneinandergereihte Auftritte, es ist die Gesamtheit der Zirkusfamilie in einer dramaturgisch konzeptionierten Vorführung, die wir hier präsentieren“, sagt Zipperlin. Und tatsächlich prägt die nie aufdringlich wirkende Livemusik, perfekt in Szene gesetzt von Percussionistin Sarah El Shamy, Akkordeon-Konzertmusiker Oleg Nehls, Kontrabassist Sergej Sweschinskij und Geigerin Agnes Pele, den außergewöhnlich großen Abend unter der kleinen Zirkuskuppel. Vier studierte Konzertmusiker, die weltweit auf den großen Bühnen Karriere machten, leisten 110 Minuten lang hörbar Außergewöhnliches.

Zirkuskunst nur wenige Meter von den Augen der Zuschauer

Und die Verrücktheiten des Alltags, die Zipperlin in einer Melange aus Poesie, Magie, Körperkunst und Clownerie in Szene setzt, werden quasi spielerisch umgesetzt. Auf dem Klavier liegt Roxana Küwen, die Bälle auf ihren Fußrücken jongliert. Dazu Klaviermusik in einer abgedunkelten Manege. Jede Bewegung ist mit der Klangfolge abgestimmt, ehrlich-intime Zirkuskunst nur wenige Meter von den Augen der Zuschauer entfernt. Der Klavierdeckel ist auch die Performance-Bühne für Marie Le Corre, die in einem Balanceakt in Ballettschuhen über Gläser tanzt. Die knapp 200 Zuschauer sind mucksmäuschenstill, es sollen keine Blitzlichtaufnahmen gemacht werden. Le Corre konzentriert sich auf jeden Schritt, testet immer wieder behutsam das Druckgewicht aus. Am Ende bleiben alle Gläser heil und das Publikum ist begeistert.

Das Klavier hat jetzt ausgedient. Und weil die Showplattform ja sehr klein ist, verschwindet es, gesichert an vier dicken Hanfseilen, unter der Kuppel. Die Vertikalseile sind dann Spielfläche für Anna Abrams, die mit ihrer ganz eigenen Choreografie scheinbar schwerelos, senkrecht und in harmonischer Einheit „Höhenflüge“ unternimmt. Ähnlich aufsehenerregend nutzt Ariadna Gilabert Corominas die schwindelerregende Dynamik des Cyr-Rads aus. Und wieder sind es die passgenauen Töne der begleitenden Musiker, die den Auftritt zu eine poetisch-akrobatischen Einheit verschmelzen lassen.

Maßstäbe in moderner Zirkuskunst

Was machen, wenn beim abendlichen Lesen die flackernde Stehlampe die Buchstaben unsichtbar machen? Wer liest eigentlich noch und warum geht das noch besser, wenn das Buch auf dem Rücken des tanzenden Vordermanns liegt? Warum bekommen meine Kleider plötzlich ihr Eigenleben, und weshalb findet man nie die Klamotten, die man gerade eigentlich wirklich anziehen will? Fragen, die mit viel Humor, Charme, Verrücktheit und künstlerischer Qualität vom Buffon-Ensemble beantwortet werden. Und vor dem Finale brilliert dann noch Florent Lestage mit seiner Körpersprache. Der Bühnentanz mit Jonglage wirkt unbeholfen, ist es aber nicht. Spazierstöcke und Keulen fliegen durch die Luft, am Ende hat der Franzose aber alles Dank perfekter Koordination wieder im Griff. Kurz vor 23 Uhr ist die so sympathisch-entschleunigende Show vorbei und das Publikum feiert ein Buffon-Ensemble, das mit „Lafolia“ einmal mehr Maßstäbe setzt in moderner Zirkuskunst, die absolut erlebenswert ist.

Vorstellungen

Der Cirque Buffon gastiert noch bis zum 13. Juli auf dem Schlossplatz/ Promenade Gerichtsstraße. Vorstellungen mittwochs bis freitags um 20 Uhr, samstags 15 und 20 Uhr und sonntags 14 Uhr und 17 Uhr. Tickets für Erwachsene ab 29 Euro.

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