Blick unter die Oberfläche
Sicherheitsdialog im Rathaus

Münster -

Wie geht eine Gesellschaft mit Menschen um, die psychisch krank sind und Straftaten begehen? Um sich diesem Thema zu nähern, kamen im Rathausfestsaal jetzt Vertreter von Polizei, Verwaltung, Politik, Rechtspflege und Medizin zusammen.

Montag, 01.07.2019, 21:00 Uhr
Viele Gäste aus Behörden, Verwaltung, Politik und Medizin nahmen am Sicherheitsdialog zum Thema „psychisch Kranke“ im Rathausfestsaal teil, zu dem Polizeipräsident Hajo Kuhlisch (kleines Bild) eingeladen hatte.
Viele Gäste aus Behörden, Verwaltung, Politik und Medizin nahmen am Sicherheitsdialog zum Thema „Psychisch kranke Gewalttäter“ im Rathausfestsaal teil, zu dem Polizeipräsident Hajo Kuhlisch eingeladen hatte. Foto: Oliver Werner

Organisiert von der Polizei Münster und moderiert von Journalistin und UKM-Sprecherin Anja Wengenroth, hat am Montagvormittag im Rathausfestsaal ein Sicherheitsdialog zum Thema „Psychisch kranke Gewalttäter – eine neue Herausforderung“ stattgefunden. Polizeipräsident Hajo Kuhlisch erinnerte zur Einleitung an die schrecklichen Geschehnisse der Amokfahrt am 7. April 2018 , die Tat eines 48-Jährigen – „wahrscheinlich psychisch Erkrankten“, so Kuhlisch –, die mehrere Leben kostete und viele traumatisiert zurückließ.

Kuhlisch aber machte schnell deutlich, dass das keineswegs der einzige Anlass für die Veranstaltung im Rathaus gewesen sei. Immer wieder stehe die Polizei vor dem Problem, wie sie mit Menschen, die augenscheinlich psychisch zumindest beeinflusst seien, umzugehen habe.

Ein Problem, das wurde schon bald deutlich, das in unterschiedlichen Ausführungen nicht nur die Behörden, sondern auch die Fachleute aus der Medizin beschäftigt. Prof. Dr. Dieter Seifert, Leiter der forensischen Christophorus-Klinik in Amelsbüren, machte deutlich, dass eine psychische Erkrankung nicht unbedingt bedeute, eine höhere Neigung für Straftaten zu entwickeln. Depressive Menschen etwa gingen kaum noch raus, dadurch würden sie eher weniger Straftaten begehen als der bundesdeutsche Durchschnitt. Bei manischen Patienten sei die Quote dagegen doppelt so hoch wie im Durchschnitt, bei organischen psychischen Störungen sei sie statistisch fast um das Neunfache erhöht.

Seifert aber bezog sich auch auf die öffentliche Wahrnehmung. In den 50er-Jahren noch wären rund 40 Kinder jährlich aus sexuellen Motiven ermordet worden, heute seien es null bis zehn pro Jahr. Dennoch sei die Aufmerksamkeit bei dem Thema eine ganz andere.

Dr. Jutta Settelmayer, Chefärztin in der LWL-Klinik Münster, sprach über die Schwierigkeiten, zwischen Freiheitsberaubung und Verantwortung zu entscheiden. Häufig seien psychisch Kranke demnach viel länger in einer geschlossenen Heilanstalt untergebracht als voll zurechnungsfähige Straftäter in einer Justizvollzugsanstalt. In diesem Zusammenhang gaben nicht zuletzt Zahlen zu denken, die zeigten, dass die Rückfallquote in Deutschland bei zurechnungsfähigen Straftätern deutlich höher sei als bei psychisch Kranken.

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