Wirt der Hölt‘nen Schluse ist tot
Mit Franz Renfert ist ein Original gestorben

Münster -

Franz Renfert ist gestorben. 85 Jahre alt ist der Wirt der „Hölt‘nen Schluse“ am Max-Klemens-Kanal geworden. Er hatte viele Stammgäste, die immer wieder auf ein Schwätzchen und ein Schinkenschnittchen vorbeischauten.

Mittwoch, 03.07.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 03.07.2019, 21:44 Uhr
Franz Renfert an seinem Lieblingsplatz hinter der Theke
Franz Renfert an seinem Lieblingsplatz hinter der Theke Foto: Peter Sauer

Bei Franz Renfert in der Hölt‘nen Schlusse hing jahrelang der „Himmel“ voller Schinken. Wer den Wirt draußen am Max-Klemens-Kanal besuchen wollte, der fuhr nicht zur „Hölt‘nen Schluse“, der fuhr ganz einfach für ein Schinkenschnittchen mit Spiegelei zu „Franz“. Und der freute sich immer über ein Schwätzchen am Tresen. Viele seiner Gäste hatten sogar einen eigenen Bierhumpen im Regal stehen.

85 Jahre alt ist Franz Renfert geworden, der ganz plötzlich verstorben sei, wie drei Freunde mitteilen. Franz Renfert kannten viele Menschen in Münster. Umgekehrt aber kannte der Wirt viele seiner Gäste persönlich, die immer wieder auf ein Bierchen bei ihm reingeschaut haben.

An der Theke wurde auch Politik gemacht

Franz Renfert wusste immer etwas über Gott und die Welt zu erzählen. Abends an der Theke wurde bei ihm auch Politik gemacht. Vermischt mit seinem Mutterwitz und seinem westfälischen Platt unterhielt der eingefleischte Junggeselle seine Gäste.

Wenn dann noch im Winter in seiner Diele das Herdfeuer prasselte, dann war es so richtig gemütlich in dem westfälischen Bauernhaus von 1876, einer ehemaligen Zollverwaltung. Selbst Zoogründer Professor Landois war hier schon zu Gast und trank sein Bier.

Schinken, Rührei und Speckpfannekuchen

Die Gäste in der Schluse schwelgten mit Franz Renfert gerne in alten Zeiten, kürten über dütt und datt und genossen dazu den selbst geräucherten Schinken, das Rührei und den Speckpfannekuchen.

Und wenn Franz Renfert Feierabend haben wollte, dann widersprach ihm tatsächlich niemand. „So jetzt ist Feierabend“, rief er in die Runde und rechnete ab.

Drei Berufe gleichzeitig ausgeübt

Dabei gab es Zeiten, in denen Franz Renfert drei Berufe ausgeübt hat. Tagsüber war er beim Zollamt beschäftigt, früh morgens und nachmittags ging er in seinen Stall und aufs Feld und abends stand er am Zapfhahn in der Schluse.

Die Gaststätte führte er eine Zeit fast im Alleingang. Seine Schwestern halfen ihm viele Jahre in der Küche und im Service. Wünsche wurden per Hand auf einem Bierdeckel notiert, Tischreservierungen waren nicht möglich. Stolz war Franz Renfert auf seine Obstbäume im Garten, besonders auf einen Birnenbaum, von dem er immer behauptete, dass seine Vorfahren den im Botanischen Garten ausgebuddelt hätten.

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