Die Nachbarn im Haus hörten mit
Prozess wegen versuchten Mordes

Münster -

Im Prozess gegen einen 28-jährigen Münsteraner, der einen Nachbarn lebensgefährlich verletzt haben soll, kamen weitere Bewohner des Mehrfamilienhauses zu Wort. Sie sagten aus, dass es häufig üblen Krach in der Wohnung gab.

Freitag, 05.07.2019, 22:00 Uhr
 
  Foto: dpa

Mit der Vernehmung von sieben Zeugen wurde am Freitag vor der Zweiten Großen Strafkammer beim Landgericht der Prozess gegen einen 28-jährigen Münsteraner fortgesetzt. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor, in der letzten Silvesternacht einen Nachbarn durch einen Stich in den Rücken lebensgefährlich verletzt und den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen zu haben.

Zwei Polizeibeamte berichteten von ihren Ermittlungen noch in der Tatnacht und an den darauf folgenden Tagen. Danach stellte sich das Geschehen so dar, dass Mitbewohner in dem Mehrfamilienhaus in der Nacht Schreie aus der Wohnung der Freundin des Angeklagten vernahmen. „Hör auf“ und Hilferufe einer weiblichen Stimme seien deutlich vernehmbar gewesen, so die Nachbarn bei der polizeilichen Vernehmung.

Opfer als Beschuldigter

Das spätere Opfer habe dann in der Wohnung versucht, den Streit zu schlichten und der vermeintlich Geschädigten zu Hilfe zu kommen. Noch beim Verlassen der Wohnung habe er dann einen stechenden Schmerz im Rücken verspürt, der ihm vom Angeklagten mit einem Messer oder einer Klinge zugefügt worden sein müsse.

Das Opfer wurde von den Polizeibeamten anfangs als Beschuldigter vernommen, weil der Angeklagte ihn der Absicht bezichtigt hatte, seine Freundin vergewaltigen zu wollen. Der kleine Sohn der Freundin habe durch die Bedrohung Todesängste ausgestanden, was sein sofortiges Handeln erforderlich gemacht habe, so der Angeklagte bei der polizeilichen Vernehmung.

Eklat am Ende 

Die als Zeugen geladenen Nachbarn sagten übereinstimmend aus, dass aus besagter Wohnung häufig laute Musik und heftiger Streit zu hören gewesen sei. Vermutlich habe der Freund, ein verheirateter Familienvater, seine Partnerin geschlagen. Eine Nachbarin hatte nach ihrer Aussage sogar mehrfach die Polizei gerufen. Die Freundin betritt aber gegenüber den Beamten die erhobenen Vorwürfe.

Zu einem Eklat kam es zum Ende der Verhandlung. Eine aus dem Zeugenstand entlassene Mitbewohnerin soll beim Verlassen des Gerichtssaals die anwesende Freundin des Angeklagten mit den Worten „Du Schlampe“ beleidigt haben, was der Verteidiger als Straftat wertete. Über einen möglichen Antrag zur Verfolgung dieser mutmaßlichen Straftat wird das Gericht am nächsten Verhandlungstag befinden. Der Prozess wird am Montag (7. Juli) fortgesetzt.

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