„Gran Misa“ bei den AaSeerenaden
Die Rückkehr des Bandoneons

Münster -

Fast wie auf Kommando setzte beim „Kyrie“ der „Grand Misa“ auf der Aasee-­Bühne der Regen ein. Als habe der Himmel Erbarmen mit der trockenen Erde des Münsterlandes. 

Sonntag, 07.07.2019, 20:45 Uhr aktualisiert: 07.07.2019, 20:50 Uhr
Mathias Stauth leitete den Oratorienchor Münster, den Sinfonischen Chor Greven und das Kourion Orchester Münster bei der engagierten Erstaufführung der „Gran Misa“ von Martín Palmeri.
Mathias Stauth leitete den Oratorienchor Münster, den Sinfonischen Chor Greven und das Kourion Orchester Münster bei der engagierten Erstaufführung der „Gran Misa“ von Martín Palmeri. Foto: Wfried Gerharz

Diese ungewöhnliche Erstaufführung bildete nicht nur eine Klammer um den europäischen und amerikanischen Kontinent, indem sie den Text der lateinischen Messe mit Tango-Rhythmen Argentiniens verknüpfte. Sie war gewissermaßen auch die Heimkehr des Bandoneons: Der Krefelder Heinrich Band hatte das Instrument 1848 als Ableger des Akkordeons gebaut, der Siegeszug des Nostalgie weckenden Bandoneons führte in alle Welt und nun nach Deutschland zurück.

Auch für Martín Palmeri, den argentinischen Komponisten, bildete das Konzert in Münster eine europäische Heimkehr; denn seine Vorfahren stammen aus Dänemark und Italien. Erst im Juni hatten der Oratorienchor Münster und der Sinfonische Chor Greven an der Uraufführung der Gran Misa in der Carnegie-Hall New York mitgewirkt. Im Zusammenspiel mit dem Kourion Orchester gelang unter der Leitung von Mathias Stauth und mit den Solisten Henrike Jacob, Lisa Wedekind, Youn Seong Shim, Johannes Wedeking sowie Rocco Heins am Bandoneon im strömenden Regen eine engagierte und freundlich begrüßte Aufführung. 

Komponist Palmeri verknüpft geschlossene chorische Elemente und Solostimmen mit markanten Intermezzi von Bandoneon und Klavier. Wobei nicht zu überhören ist, dass sich das Überraschungsmoment des Bandoneon-Klangs doch recht schnell abnutzt und die moderat-modernen Harmonien der Gesamtkomposition wenig Überraschendes oder gar Nachhaltiges bieten. Die hier präsentierte lange Credo-Fassung dauert alleine über 30 Minuten, was die Konzentration auf Text und Sinngehalt des Apostolischen Glaubensbekenntnisses schnell schwinden lässt. Ob eine sakrale Komposition wie diese trotz der modernen Anmutung in einem doch eher der Unterhaltung dienenden Open-Air-Atmosphäre ihren richtigen Sitz im Leben findet, darf ebenfalls gefragt werden.

Am Sonntag hatte sich das regnerische Intermezzo verzogen. Die ungemein begeisterungsfähigen Ensembles der Westfälischen Schule für Musik von den frisch auf singenden Kindern der JEKISS-Klassen unter Inga Mareile Reuther bis zum Westfälischen Jugendsinfonieorchester überzeugten und unterhielten bei stabilem Wetter.

Ein besonders sommerliches Gefühlserlebnis hatte das WDR Funkhaus-Orchester unter Wayne Marshall mit Hits der 70er Jahre bereits am Freitagabend geliefert . Da kam im Abendsonnenschein echte „Woodstock“-Atmosphäre an den Aaseeterrassen auf.

Auftakt der AaSeerenanden 2019

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  • Auftakt der AaSeerenanden 2019 Foto: Wilfried Gerharz
  • Auftakt der AaSeerenanden 2019 Foto: Wilfried Gerharz
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  • Auftakt der AaSeerenanden 2019 Foto: Wilfried Gerharz
  • Auftakt der AaSeerenanden 2019 Foto: Wilfried Gerharz
  • Auftakt der AaSeerenanden 2019 Foto: Wilfried Gerharz
  • Auftakt der AaSeerenanden 2019 Foto: Wilfried Gerharz
  • Auftakt der AaSeerenanden 2019 Foto: Wilfried Gerharz
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  • Auftakt der AaSeerenanden 2019 Foto: Wilfried Gerharz
  • Auftakt der AaSeerenanden 2019 Foto: Wilfried Gerharz
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