Elektromobilität
Irrfahrten und Unfälle, aber keine großen E-Scooter-Probleme

Münster/Herne -

Praktisch, diese E-Scooter: Im Geschäft gibt es sie schon für wenige hundert Euro, auf der Straße kann man sie ausleihen und lossausen. Größere Probleme blieben aus, auch wenn es schon die ersten Unfälle gab. Gegen einen Münsteraner wurde sogar eine Strafanzeige erstattet.

Montag, 08.07.2019, 06:32 Uhr aktualisiert: 08.07.2019, 09:34 Uhr
Elektromobilität: Irrfahrten und Unfälle, aber keine großen E-Scooter-Probleme
Foto: Christoph Soeder

Ein E-Tretroller auf der Autobahn und ein betrunkener E-Scooter-Pilot mitten in Köln: Nach den ersten Verkehrsdelikten mit den kürzlich zugelassenen Gefährten sehen Kommunen und Anbieter in Nordrhein-Westfalen keine größeren Probleme mit den Elektrokleinstfahrzeugen.

Es habe keine Unfälle, Verletzten oder Beschwerden gegeben, erklärte eine Sprecherin der Stadt Herne, wo schon seid rund einem Monat die E-Tretroller fahren dürfen. Auch beispielsweise Münster und Düsseldorf verzeichneten nach Angaben der Städte und der dortigen Polizei keine größeren Probleme.

Strafanzeige gegen Münsteraner

Es gab aber auch schon einige Zwischenfälle, von denen die Polizei berichtete. Bei Erkelenz gelangte ein E-Scooter-Fahrer am vergangenen Montag auf die Autobahn . Der 28 Jahre alte Mann hatte sein Gefährt zudem nicht versichert - ein häufigeres Problem. Mit so einem Elektrokleinstfahrzeug ohne Versicherung zu fahren, ist laut Polizei eine Straftat und keine Ordnungswidrigkeit.

Dem Bußgeldkatalog zufolge werden 40 Euro Strafe fällig. In solchen Fällen kann auch Post von der Staatsanwaltschaft kommen. So auch in Münster : Ein 34-Jähriger fuhr mit einem nicht-zugelassenen Modell durch die Stadt. 35 Kilometer je Stunde schaffte der E-Scooter nach Angaben der Polizei. Auch die Versicherungsplakette fehlte. Die Beamten beendeten seine Fahrt.

E-Tretroller: Neue Mobilität oder Sicherheitsrisiko?

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  • E-TRETROLLER ALS ALTERNATIVE: Besonders staugeplagte Großstädter sollen mit «E-Scootern» eine neue Mobilitätsmöglichkeit bekommen. Per E-Roller könnte es zum Beispiel schneller von der U- und S-Bahn oder einer Bushaltestelle weiter nach Hause oder zur Arbeit gehen.

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  • UM DIESE FAHRZEUGE GEHT ES: Die Roller, die oft einige hundert Euro oder mehr kosten, dürfen bis zu 20 Kilometer pro Stunde (km/h) schnell sein. Sie dürfen höchstens 70 Zentimeter breit sein, 1,40 Meter hoch und zwei Meter lang. Maximalgewicht ohne Fahrer: 55 Kilogramm.

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  • WER E-TRETROLLER FAHREN DARF: E-Roller, die nur weniger als 12 km/h fahren können, sollen bereits für Jugendliche ab 12 Jahren erlaubt sein - schnellere Gefährte dann ab dem vollendeten 14. Lebensjahr. Eine Mofa-Prüfbescheinigung oder eine Helmpflicht sind nicht vorgesehen.

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  • WO SIE FAHREN DÜRFEN: Einfach überall herumbrausen dürfen die neuen E-Fahrzeuge, deren Akku nach Branchenangaben an Steckdosen geladen werden können, nicht. Bei weniger als 12 km/h dürfen die Gefährte innerorts nur auf Gehwegen und gemeinsamen Geh- und Radwegen fahren.

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  • WELCHE SICHERHEITS-ANFORDERUNGEN KOMMEN: Pflicht sind zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen und eine Beleuchtung, die auch abnehmbar sein darf. Ebenfalls vorgeschrieben werden seitliche Reflektoren und mindestens eine «helltönende Glocke».

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  • WIE SIE EINEN ZULASSUNGSFÄHIGEN ROLLER ERKENNEN: Nur Elektrokleinstfahrzeuge, die über eine Lenk- oder Haltestange verfügen, sowie E-Tretroller oder Segways ent­sprechen der Verordnung. Die gilt nur für Fahrzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 km/h. Elektrische Fahrzeuge ohne die Haltestange, etwa Hoverboards, Mono­wheels oder E-Skateboards dürfen nicht in den Straßen­verkehr. 

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  • WO GIBT ES DIE NEUEN ROLLER UND WAS KOSTEN SIE? Viele der bisher angebotenen oder verkauften Modelle für 200 bis 2400 Euro erfüllen nicht die Vorgaben und sind nicht im öffentlichen Verkehr zugelassen. Wer damit dort fährt, macht sich strafbar und hat keinen Versicherungsschutz. 

    Modelle wie etwa der Moover von Metz (circa 2000 Euro) und der X2City von Autohersteller BMW (circa 2400 Euro) waren mit Sondergenehmigung schon bisher zugelassen und sind im Fahrradfachhandel zu bekommen. Elektronikmärkte etwa bieten schon straßenzugelassene Modelle zu Preisen zwischen etwa 400 bis 600 Euro an.

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  • DARAUF SOLLTEN SIE VOR DER ERSTEN FAHRT ACHTEN: Bevor Sie sich ins Getümmel des Straßenverkehrs stürzen, raten Experten von ADAC und DVR, sich vorher mit dem neuen Gefährt vertraut zu machen und in ruhiger Umgebung zu üben. Die Kraft des Antriebes beim Anfahren als auch die der Bremsen werden leicht unterschätzt.

    Die Räder sind wesentlich kleiner als bei Fahrrädern. Je größer der Reifendurchmesser, desto sicherer lassen sich Unebenheiten überwinden. Ein Helm ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Doch die Experten raten dazu, nicht ohne einen Kopfschutz zu rollern. 

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  • SO FUNKTIONIERT DIE VERPFLICHTENDE KFZ-HAFTPFLICHTVERSICHERUNG: Die Roller benötigen jährlich ein neues Versicherungskennzeichen – einen Aufkleber. Er ist in den Geschäftsstellen der Versicherungen zu bekommen, lässt sich aber auch online bestellen. Kostenpunkt: circa 40 Euro.

    Benötigt werden die Daten der Fahrzeugpapiere. Den Versicherungsschein muss man beim Fahren nicht dabeihaben.

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  • SO SCHNELL DÜRFEN SIE FAHREN: Die Roller dürfen bauartbedingt nicht schneller als 20 km/h fahren können. Experten raten, das Tempo stets an die je­weilige Situation anzupassen und Rücksicht zu nehmen.

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  • DÜRFEN SIE DEN ROLLER IM ÖFFENTLICHEN NAHVERKEHR MITNEHMEN? Das kommt auf die Situation vor Ort an. Letztendlich ­müssten die Mitgliedsunternehmen und Verbünde entscheiden, ob und in welcher Form sie die Mitnahme gestatten.

    Der VDV hat seinen Mitgliedsunternehmen empfohlen, die Mitnahme von elektrischen Tretrollern in Bussen und Bahnen zuzulassen – unter der Bedingung, dass diese nicht zu schwer sind und im Fahrzeug zusammenklappt werden.

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  • DÜRFEN SIE DIE ROLLER IN ZÜGEN DER DEUTSCHEN BAHN MITNEHMEN? Ja, kostenfrei als Handgepäck. Aber das knüpft die Bahn an Voraussetzungen: Der E-Tretroller muss zusammengeklappt mitgenommen werden und über oder unter dem Sitz verstaut werden. Die Mitnahme von Ersatzakkus ist nicht möglich. Diese stuft die Bahn als Gefahrgut ein.

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  • SO KÖNNEN SIE IHREN ROLLER VOR DIEBSTAHL SCHÜTZEN? Je nach Modell bieten sich Schlösser wie bei Fahrrädern an – ausziehbare Stahlkabel mit Zahlenschloss, Bremsscheibenschlösser mit Stahldraht und Diebstahlsicherungen in O-Form, rät der DVR. Manche Roller lassen sich per App elektronisch sichern und per GPS orten.

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  • ZAHLT DIE HAUSRATSVERSICHERUNG EINEN DIEBSTAHL? Nein, E-Tretroller sind keine Fahrräder, sondern Fahrzeuge. Der GDV geht aber davon aus, dass einige Versicherungen entsprechende Kaskopolicen anbieten werden.

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  • EIN PAAR BIER UND DANN MIT DEM TRETROLLER HEIM - KEIN PROBLEM? Doch, die Promillegrenze liegt für Fahrer ab 21 Jahren bei 0,5 Promille. Wer mit 0,5 bis 1,09 Promille fährt und keine alkoholbedingte Auffälligkeit zeigt, bekommt einen Bußgeldbescheid. Das bedeutet regelmäßig 500 Euro sowie einen Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg. Wer mit mindestens 1,1 Promille unterwegs ist, begeht eine Straftat. Das kann aber auch schon ab 0,3 Promille bei alkoholbedingten Ausfallerscheinungen der Fall sein. Die Null-Promille-Grenze gilt bei jüngeren Fahrern bis einschließlich 20 Jahre.

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  • WELCHE BUßGELDER GELTEN FÜR E-TRETROLLER? Wer ohne Betriebserlaubnis fährt, muss mit einem Bußgeld von 70 Euro rechnen, berichtet der DVR. Wer damit auf dem Gehweg rollert, riskiert zwischen 15 und 30 Euro. Fehlen erforderliche technische Teile wie das Licht, können 20 Euro Bußgeld folgen. Wer ohne den nötigen Aufkleber der Ver­sicherung unterwegs ist, muss mit 40 Euro rechnen.

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  • WAS SCHEUER NOCH PLANT: Die Bundesregierung bereitet auch Regelungen für E-Gefährte ohne Lenkstange vor - das sind Hoverboards oder Skateboards mit Elektromotor. Hier plant Minister Scheuer eine Ausnahmeverordnung. An den Details dazu wird derzeit noch gearbeitet.

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Anbieter zufrieden mit dem Start

Wer die E-Scooter von Leihanbietern nutzt, muss sich darüber allerdings keine Sorgen machen. Die Anbieter sind laut eigenen Angaben bislang zufrieden mit dem Start in NRW. «Circ» hat sein Geschäftsgebiet in Herne erweitert und plant, in dieser Woche in Dortmund zu starten. Wo die Nachfrage hoch ist, steigt auch der Preis: «Tier» passt nach eigenen Angaben die Preise aktuell an. In Düsseldorf liegt der Minutenpreis nun bei 19 Cent statt wie zuvor 15 Cent. Die Elektro-Scooter von «Lime» in Köln sind nach Aussage der Firma immer in Bewegung. «Abends sind fast alle Akkus leer», sagte ein Lime-Sprecher.

Erste Unfälle

Erste Stürze und Zusammenstöße verzeichneten dagegen die Polizeidienststellen in Bonn, Düsseldorf und Münster . Die E-Tretroller-Fahrer wurden dabei verletzt. Der ADAC rät Anfängern, zuerst auf einem Parkplatz oder zu Hause das Fahren zu üben. Das Fahrgefühl solcher Roller sei anders als zum Beispiel bei einem Fahrrad. Der Automobilclub empfiehlt außerdem einen Helm.

Verbote missachtet

Manche fahren auch zu zweit auf den E-Tretrollern, obwohl diese nur für eine Person ausgelegt sind. Das bestätigt der Bundesverband der Elektrokleinstfahrzeuge. Im Falle eines Zusammenstoßes sei dann noch nicht klar, ob die Versicherung einspringe, erklärte Bundesvorstand Lars Zemke der Deutschen Presse-Agentur.

Auch wer zu tief ins Glas geschaut hat, darf nicht mit E-Scootern fahren. Es gelten dieselben Regeln wie für das Autofahren. Etwa in Köln erwischte die Polizei am vergangenen Donnerstag einen E-Tretroller-Fahrer mit einem Atemalkoholwert von 1,1 Promille und entzog ihm den Führerschein. Der 21-Jährigen fuhr Schlangenlinien auf dem Hohenzollernring - einer viel befahrenen Straße.

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