Versuchter Mord: Prozess
Keine Persönlichkeitsstörungen beim Angeklagten

Münster -

Wegen versuchten Mordes muss sich ein 28-jähriger Münsteraner vor Gericht verantworten. Am vierten Verhandlungstag stand seine Persönlichkeit im Mittelpunkt.

Montag, 08.07.2019, 22:00 Uhr aktualisiert: 08.07.2019, 22:20 Uhr
Versuchter Mord: Prozess: Keine Persönlichkeitsstörungen beim Angeklagten
Foto: dpa (Symbolbild)

Die Persönlichkeit des Angeklagten und das psychiatrische Gutachten standen im Mittelpunkt des vierten Verhandlungstages im Prozess gegen einen 28-jährigen Münsteraner, der sich wegen versuchten Mordes vor der Zweiten Großen Strafkammer beim Landgericht verantworten muss. Der Angeklagte hatte in der Neujahrsnacht in seiner eigenen Wohnung in Anwesenheit seiner Partnerin und deren Kleinkind einen anderen Mann durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt.

Im Lebenslauf wird geschildert, dass der Angeklagte als Kleinkind mit seinen Eltern aus Montenegro nach Deutschland gekommen sei. Die Familie erhielt jedoch ein vorläufiges Bleiberecht.

In der Schule fiel der Junge durch schlechte Leistungen und vor allem durch ein nicht angemessenes Sozialverhalten auf. Insbesondere verhielt er sich auffällig gegenüber seinen Mitschülerinnen. Später verbesserten sich seine Schulnoten, und sein Verhalten zeigte eine positive Entwicklung, so das Gutachten.

Strafrechtlich auffällig seit 2005

Strafrechtlich sei der Angeklagte seit 2005 in Erscheinung getreten. Wegen Diebstahls, Beleidigung, Ruhestörung, Körperverletzung und häuslicher Gewalt wurde er strafrechtlich belangt. Allerdings wurden während dieser Zeit auch mehrere Anzeigen zurückgezogen, weil die mutmaßlichen Opfer Angst vor dem Angeklagten hatten.

Abschließend konnte die Gutachterin keine Persönlichkeitsstörung beim Angeklagten feststellen. Auch der Alkoholkonsum zur Tatzeit habe seine Steuerungsfähigkeit nicht eingeschränkt. Nach ihrer Einschätzung habe der vermutliche Täter der Situation entsprechend reagiert, Hinweise auf Ausfallerscheinungen konnte sie nicht feststellen.

Noch nicht geklärt werden konnte, ob bei der Bewertung der Tat der Paragraf 33 des Strafgesetzbuches in Betracht komme, wie der Verteidiger ins Gespräch brachte. Danach wird ein Täter nicht bestraft, wenn er die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken überschreitet. Möglich sei auch, dass der Angeklagte die vorgefundene Situation in der Neujahrsnacht falsch eingeschätzt und daher eine Überreaktion zum Schutz seiner vermeintlich bedrohten Familie ausgelöst habe.

Der Prozess wird am morgigen Mittwoch fortgesetzt.

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