Nach Predigt-Eklat in Heilig-Geist
„Es kann nicht weitergehen wie bisher“

Münster -

Die umstrittene Predigt zum Thema Vergebung in der Heilig-Geist-Kirche wird die Gemeinde weiterhin beschäftigen. Im Herbst sei eine zweite Veranstaltung zu dem Thema geplant, heißt es.

Dienstag, 09.07.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 09.07.2019, 23:02 Uhr
Am Montagabend schilderten Gemeindemitglieder ihren Eindruck von der umstrittenen Predigt.
Am Montagabend schilderten Gemeindemitglieder ihren Eindruck von der umstrittenen Predigt. Foto: Matthias Ahlke

Der Eklat um die umstrittene Predigt in der Heilig-Geist-Kirche dürfte Folgen haben. „Es kann nicht weitergehen wie bisher“, sagt Pfarrer Dr. Stefan Rau, in dessen Gemeinde St. Joseph Münster-Süd der emeritierte Pfarrer Ulrich Zurkuhlen tätig ist. „Wir sind der Meinung, dass es nicht reicht mit der Bitte, nicht zu predigen.“ Der Pfarreirat werde noch in den nächsten Tagen darüber beschließen.

Beim öffentlichen Predigtnachgespräch am Montagabend in Heilig Geist war Zurkuhlens Forderung, auch Missbrauch-Tätern müsse vergeben werden, empört zurückgewiesen worden. Umso mehr, als der Geistliche seine Haltung öffentlich bekräftigt habe: „Es spricht gegen alles, was wir in der Pfarrei erreicht haben“, sagt Rau. „Da kann man Prävention in Zukunft knicken.“

Gesprächsrunde in Heilig Geist

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  • Frust, Empörung und Fassungslosigkeit: Nach einer umstrittenen Predigt in Münster zu sexuellem Missbrauch und Vergebung haben sich viele Gemeinde-Mitglieder gegen den kritisierten Pfarrer gestellt.

    Foto: Caroline Seidel
  • Stefan Rau, Leitender Pfarrer der Gemeinde, sprach am Montagabend in einer Diskussionsrunde in der Heilig-Geist-Kirche mit Gemeindemitgliedern.

    Foto: Caroline Seidel
  • Der emeritierte Pfarrer Ulrich Zurkuhlen (79), der an dem Gespräch nicht teilnahm, hatte in seiner Predigt rund eine Woche zuvor um Vergebung geworben für Priester, die sexuellen Missbrauch begangen haben.

    Foto: Caroline Seidel
  • Zurkuhlens Äußerung widerspreche den Bemühungen in der Gemeinde und des Pastoralteams, betonte der zuständige leitende Pfarrer Stefan Rau. Opfern müsse Gerechtigkeit widerfahren.

    Foto: Caroline Seidel
  • „Null sensibel“, „arrogant“, so wird in der Gemeinde das Auftreten des emeritierten Pfarrers bewertet. Der Bischof von Münster, Felix Genn, hatte Zurkuhlen bereits aufgefordert, bis „auf Weiteres“ nicht mehr zu predigen.

    Foto: Caroline Seidel
  • Ein anderer Redner, der an dem Eklat-Gottesdienst Ende Juni teilgenommen hatte, kritisierte, Zurkuhlen habe Parallelen gezogen zwischen gescheiterten Ehen und der von Seelsorgern ausgeübten sexuellen Gewalt.

    Foto: Caroline Seidel

Perspektive der Betroffenen in den Mittelpunkt

Anfang des Jahres hatte die Pfarrei ein institutionelles Schutzkonzept erarbeitet – mit dem Ziel, Übergriffen, Grenzverletzungen und sexualisierter Gewalt vorzubeugen und gegebenenfalls Beschwerdewege und Handlungsmuster aufzuzeigen. Dass etliche Gottesdienstbesucher am 30. Juni die Kirche während der Predigt unter Protest verließen, wurde in der Versammlung am Montagabend auch als Erfolg dieses Schutzkonzepts gedeutet. Im Umgang mit sexuellem Missbrauch müsse unbedingt die Perspektive der Betroffenen in den Mittelpunkt gestellt werden.

So sieht es auch das Bistum; der Fall habe deshalb eine sehr hohe Priorität, unterstreicht Pressesprecher Dr. Stephan Kronenburg: „Diesen Bemühungen laufen die Aussagen des Priesters in seiner Predigt und auch danach völlig entgegen.“ Die Bitte des Bischofs bis auf Weiteres nicht zu predigen, bleibe auf jeden Fall bestehen. Wie es in dem Fall weitergeht und „ob es gegebenenfalls weitere Konsequenzen gibt“, sei noch nicht entschieden, so Kronenburg. Ein Vertreter des Bistums habe an der Diskussion in der Heilig-Geist-Kirche nach Rücksprache mit dem Pfarrer nicht teilgenommen – es sollte eine Veranstaltung der Pfarrei und ihrer Mitglieder bleiben.

Das Thema der umstrittenen Predigt lautete „Vergebung“: Das Pastoralteam plane nun, zu einem weiteren Gesprächsabend im Herbst zum Thema „Schuld und Vergebung“ einzuladen, berichtet Pfarrer Rau: „Die Predigt ist dafür ein problematisches Format.“

Pfarrer Zurkuhlen war am Dienstag, 9. Juli, für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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