Französin erleidet in Münster Schiffbruch
Florence sucht nach 40 Jahren ihre Lebensretter

Münster -

Münster 1979. Die Französin Florence besucht Münster – und gerät in schlechte Gesellschaft. Zwei Studenten helfen ihr aus größter Not. Nun sucht Florence ihre Lebensretter von damals.

Donnerstag, 11.07.2019, 07:00 Uhr
Die 58-jährige Florence, die heute als Lehrerin an der französischen Westküste lebt, sucht die Menschen, die ihr als 18-Jährige (Foto) im Jahr 1979 in Münster das Leben gerettet haben.
Ein Bild der Französin Florence aus dem Jahr 1979, als sie in Münster Zuflucht suchte und in falsche Gesellschaft geriet. Foto: privat

Die Geschichte ist abenteuerlich und reicht bis ins Jahr 1979 zurück, als zwei Studenten einer 18-jährigen Französin aus Orléans in größter Not halfen. Jetzt sucht die heute 58-jährige Französin die beiden Studenten von einst und möchte sich endlich gebührend bedanken.

„All die Jahre habe ich immer wieder daran gedacht, und jedes Mal macht es mich sehr traurig, dass ich so undankbar mit diesen zwei liebevollen Menschen war, die mir das Leben selbstlos gerettet haben“, sagt ­Florence, deren Nachname sie nicht öffentlich machen möchte.

Jede Menge Beruhigungstabletten

„Als 18-Jährige bin ich aus Orléans nach Münster gefahren, weit weg von meinen autoritären Eltern“, erzählt sie. In Orléans Partnerstadt, die sie von mehreren Schüleraustauschen kannte. Doch in Münster kam die Abiturientin nicht bei Bekannten aus Schulzeiten unter, sondern geriet an die falschen Leute, wie sie sagt: „Mein Leben wurde dort zur Hölle.“

Eines Abends geht sie mit ihrem Koffer in eine Pizzeria im Kreuzviertel und schluckt jede Menge Beruhigungstabletten – „weil ich keinen anderen Weg wusste“, sagt sie rückblickend.

„Dabei haben mich zwei Studenten, ein Pärchen, gesehen und sich sofort um mich gekümmert und den Notruf ausgelöst.“

Nach einer Woche Krankenhausaufenthalt nahmen die beiden Studenten die 18-Jährige bei sich auf, gaben ihr eines ihrer WG-Zimmer und sagten ihr, sie könne so lange bleiben, wie sie wolle.

Seit fünf Jahren Deutschlehrerin in Frankreich

Florence: „Ich war damals so fertig, ich habe kaum etwas gesagt, bin kaum aus dem Bett gegangen, hörte die ganze Zeit nur Musik und weinte. Nach und nach ging es mir etwas besser. Und sie halfen mir, ein Zimmer und einen Job in einem Supermarkt zu finden. Einmal haben sie mich sogar in meinem neuen Zimmer besucht. Und dann habe ich sie nie mehr gesehen. Ich weiß nicht, wie sie hießen, kann mich aber daran erinnern, dass sie einen schönen großen Hund hatten. Ich habe nicht einmal Danke gesagt.“

Das möchte sie jetzt nach 40 Jahren endlich nachholen. Vielleicht erinnern sich ja auch noch Mitarbeiter der Diskotheken „Tenne“ und „Batavia“ an sie, in denen sie einige Monate gearbeitet hat, bevor eine karibische Kollegin namens Thelma sie mit dem Auto zurück zu ihren Eltern fuhr. „Wir haben uns damals wieder versöhnt“, erzählt Florence.

Ihr Lebenslauf gestaltet sich danach erfolgreich: Studium an der Sorbonne in Paris und in Tübingen. Sie lebt 30 Jahre in Deutschland, lange Zeit davon in Trier, unterrichtet als Lehrerin Französisch und Italienisch, heiratet und bekommt eine Tochter. Die ist längst erwachsen.

Zum Thema

Die Französin hofft, dass die beiden Studenten, die ihr 1979 geholfen haben, oder andere Menschen, die Hinweise geben können, mit ihr Kontakt aufnehmen unter ­E-Mail: florence1979@web.de .

...

Vor fünf Jahren zog es die Französin in ihre alte Heimat zurück. Sie ließ sich in einem Ort am Atlantik nieder und arbeitet dort als Deutschlehrerin. „Ich bin jetzt eine 58-jährige Frau, und es wäre so schön, wenn ich meine Retter von damals wiederfinden würde“, sagt sie.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6768327?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker