Unterricht mit Computer und Internet
Sechs Schulen rudern im digitalen Boot

Münster -

Es wird viel geklagt, dass der digitale Aufbruch im Schulunterricht auf sich warten lässt. In Münster haben sich jetzt sechs Gymnasien zusammengetan, um den digitalen Einsatz im Klassenzimmer gemeinsam zu entwickeln.

Freitag, 12.07.2019, 10:31 Uhr aktualisiert: 12.07.2019, 11:37 Uhr
Digitaler Unterricht mit Tablets ist im Hittorf-Gymnasium inzwischen Standard. Die Schule sammelt Erfahrungen mit der Digitalisierung.  Tablet-Einsatz im Unterricht einer Klasse am Hittorf-Gymnasium. Den Einsatz des Digitalen koordinieren jetzt sechs Gymnasien in Münster gemeinsam..
Digitaler Unterricht mit Tablets ist im Hittorf-Gymnasium inzwischen Standard. Die Schule sammelt Erfahrungen mit der Digitalisierung.  Tablet-Einsatz im Unterricht einer Klasse am Hittorf-Gymnasium. Den Einsatz des Digitalen koordinieren jetzt sechs Gymnasien in Münster gemeinsam.. Foto: Hittorf-Gymnasium

Fast jedes zehnjährige Kind daddelt mittlerweile am eigenen Smartphone – doch Digitalisierung im Unterricht findet nur selten statt. Und auch die mittlerweile vom Bund freigegebenen fünf Milliarden Euro, die die Digitalisierung der Schulen voranbringen sollen, kommen nicht von heute auf morgen an. In Münster haben sechs Gymnasien im vergangenen Schuljahr selbst die Initiative ergriffen.

Sie arbeiten bei der Entwicklung von Konzepten für den digitalen Unterricht und bei der Vermittlung von Medienkompetenz zusammen.

Bundesweites Projekt

Eine unkomplizierte Zusammenarbeit vor Ort, die die Sache schneller voranbringt als manches ambitionierte Förderprogramm. So lautet jedenfalls das Resümee von Christian Schrand, Schulleiter des Hittorf-Gymnasium, das das Netzwerk angeregt hat. Das Hittorf-Gymnasium gehörte zu den bundesweit ausgewählten ersten 25 Schulen, die in einem vom Bund initiierten Programm des renommierten Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts für „Digital Engineering“ Erfahrungen in der Entwicklung des digitalen Unterrichts sammeln und austauschen sollte.

Der Austausch mit den im ganzen Bundesgebiet verstreuten Schulen „war und ist spannend, aber praktisch auch ein wenig kompliziert“, so Schrand. Die Kooperation vor Ort ermögliche es, viel schneller und direkter Ideen und Projekte umzusetzen, praktische Probleme sofort und gemeinsam anzugehen.

Diese Schulen sitzen im Digital-Boot

Ins gemeinsame Digital-Boot sind mit dem Hittorf-Gymnasium das Paulinum sowie das Rats-, das Schiller-, das Geschwister-Scholl- und das Pascal-Gymnasium gestiegen. Dabei arbeiten die Schulen mit dem städtischen Tochterunternehmen Citeq zusammen, in deren Händen der IT-Ausbau liegt.

Die technische Voraussetzung, die Digitalisierung voranzutreiben, sei mittlerweile gegeben, sagt Schrand. Das Hittorf-Gymnasium verfüge seit rund eineinhalb Jahren über funktionierendes WLAN, das die Schüler nur für Unterrichtszwecke nutzen können. Mit dem Schuljahresende sollen an allen Schulen die notwendigen Breitbandanschlüsse zur Verfügung stehen.

Suche nach IT-Hausmeistern

Digitales Lernen in den Unterricht einbinden – das wollen alle, doch es gibt vieles zu klären, skizziert Schrand. Erstens: Mit welchen Endgeräten wird im Unterricht gearbeitet? Laptops oder Tablets? Beides werde ausprobiert. Denkbar wären auch die privaten Smartphones der Schüler – doch hier gibt es das ungeklärte Problem des Datenschutzes. Am Hittorf-Gymnasium haben die Schüler seit einem Jahr die App „iSurf“ auf ihren Handys installiert, über die schulische Programme und die interne Schul-Kommunikation laufe.

Klar sei mittlerweile auch: Die Schulen brauchen IT-Hausmeister als Systemadministratoren. Immerhin müssten im Fall des Hittorf-Gymnasiums über 1000 Mail-Adressen und Passwörter verwaltet werden.

Wir wollen digitale Lösungen für möglichst viele weiterführende Schulen entwickeln.

Christian Schrand, Schulleiter des Hittorf-Gymnasium

Das Ziel des Netzwerks der sechs Gymnasien: „Wir wollen digitale Lösungen für möglichst viele weiterführende Schulen entwickeln“, so Schrand. Im Austausch mit Lehrer-Kollegen stößt er auf große Offenheit: „Die Verweigerer, die meinen, der Computer mit all seinen Möglichkeiten gehöre nicht in die Schule, sterben aus“, sagt Schrand. Er fordert in den Kollegien die Ausbildung einer digitalen Haltung. Dazu gehöre auch die klare Beantwortung der Frage: „Wann macht der Digital-Einsatz Sinn, wann nicht?“

„Medienkompetenz“ ist übrigens am Hittorf-Gymnasium schon in der Eingangsklasse verpflichtendes Fach: Hier lernen Fünftklässler etwa die Rechtsgrenzen des Internets kennen, Vorschriften des Datenschutzes, lernen wie man Fake-News erkennt. Nach den im neuen Schuljahr wirksam werdenden neuen Lehrplänen für das G9-Gymnasium müssen alle Gymnasien das Fach unterrichten.

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