Ziel: Volkskrankheiten noch besser verstehen
Nako-Gesundheitsstudie begrüßt die 10 000. Probandin

Münster -

Die „Nako-Gesundheitsstudie“ erforscht die Entstehung von Volkskrankheiten. Es ist ein medizinisches Mammutprojekt. Allein in Münster gibt es nun 10 000 Probanden.

Dienstag, 16.07.2019, 16:00 Uhr
Das Nako-Team um Prof. Klaus Berger (hinten, 2.v.r.) konnte mit Kathleen Keuthage (vorn Mitte) nun die 10 000. Probandin in seinen Räumen am Pottkamp begrüßen.
Das Nako-Team um Prof. Klaus Berger (hinten, 2.v.r.) konnte mit Kathleen Keuthage (vorn Mitte) nun die 10 000. Probandin in seinen Räumen am Pottkamp begrüßen. Foto: UKM/Wibberg

Das Maß ist voll – und zwar im positiven Sinn: Ihren 10 000. Probanden konnte jetzt das münstersche Studienzentrum der „Nako-Gesundheitsstudie“ begrüßen. Damit hat die Einrichtung der Universität nach eigenen Angaben ihr Plansoll erfüllt – nämlich deutschlandweit jeden 20. Teilnehmer zu dem wissenschaftlichen Mammutprojekt beizusteuern, mit dem der gesundheitliche Zustand der Deutschen ermittelt sowie Daten zu den großen Volkskrankheiten gewonnen werden sollen.

In den Räumen der Nako am Pottkamp 17a gehen damit aber nicht die Lichter aus – im Gegenteil, das Studienzentrum macht laut Pressemitteilung nahtlos weiter: mit weiteren etwa 7000 Untersuchungen.

Die 10 000. Teilnehmerin heißt Kathleen Keuthage. Sie wurde ebenso wie ihre 9999 Vorgängerinnen und Vorgänger per Zufallsprinzip ausgewählt. „Die Ziehungen erfolgten über das Einwohnermeldeamt, wir hatten darauf bewusst keinen Einfluss“, erläutert Prof. Klaus Berger. Die einzigen Kriterien: Alle Probanden mussten in Münster wohnen und zwischen 18 und 69 Jahre alt sein, wie der Direktor des Institutes für Epidemiologie und Sozialmedizin betont. Berger ist verantwortlich für das münstersche Studienzentrum, leitete aber 2017 und 2018 auch das Gesamtprojekt und gehört zu dessen geistigen Vätern.

Das Ziel der Nako-Gesundheitsstudie: die Entstehung von Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Herzinfarkt besser zu verstehen, um Prävention, Früherkennung und Behandlung zu optimieren. Warum wird der eine krank, der andere aber bleibt gesund? Das ist die zentrale Frage, die mit Hilfe der anonymisierten Daten von insgesamt 200 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich auf bundesweit 18 Standorte verteilen, beantwortet werden soll.

In Münster begann die erste Projektphase 2014 mit der Einweihung der Nako-Räume durch NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze. Die heutige Bundesumweltministerin stellte sich als Testperson zur Verfügung. Zwischen 3,5 und sechs Stunden investierten die Probanden für ihre Untersuchung; der Rekord des 13-köpfigen Teams lag bei einem Tagesbesuch von 16 Personen.

Eine zweite Projektphase steht laut Pressemitteilung bevor. Die 10 000 Probanden werden ein zweites Mal eingeladen, und es wird angenommen, dass 70 Prozent erneut teilnehmen. Ginge es nach Berger, sollte die Studie auch danach weitergehen. Erste Daten aus der laufenden Studie werden noch in diesem Herbst vorliegen. „Die Aussagen für Münster sind hoch interessant, so viel kann ich schon verraten“, sagt Klaus Berger – und muss es vorerst bei dieser vagen Aussage belassen, denn bis zum kommenden Herbst haben sich alle Standorte ein generelles Schweigegebot auferlegt. Ab dann werden die ersten Auswertungen veröffentlicht; die Daten für alle 200 000 Teilnehmer sollen im Herbst 2020 vorliegen. „Mit diesem riesigen Datenpool wird die Wissenschaft mindestens in den nächsten 20 Jahren arbeiten“, ist sich Klaus Berger sicher.

Nako – „Nationale Kohorte“

Eine „Kohortenstudie“ ist eine in Medizinerkreisen geläufige Studienform; bei einer deutschlandweiten Studie spricht man von einer „Nationalen Kohorte“. Das klang den Projektleitern zu umständlich – sie machten kurzerhand „Nako-Gesundheitsstudie“ daraus.

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