Treffen der Pfarreien im Stadtdekanat
„Institutionelle Schutzkonzepte“: Vereint gegen Missbrauch

Münster -

Der Predigt-Eklat in der Heilig-Geist-Kirche und seine Folgen zeigen: Institutionelle Schutzkonzepte (ISK) gegen sexualisierte Gewalt sind effektiv. Die meisten Pfarreien im Stadtdekanat haben inzwischen eines; alle anderen arbeiten daran.

Mittwoch, 17.07.2019, 09:00 Uhr
Vertreter der Pfarreien im Stadtdekanat Münster vernetzen sich bei der Erstellung und Umsetzung von Institutionellen Schutzkonzepten gegen sexualisierte Gewalt.
Vertreter der Pfarreien im Stadtdekanat Münster vernetzen sich bei der Erstellung und Umsetzung von Institutionellen Schutzkonzepten gegen sexualisierte Gewalt. Foto: Felizitas Schulte

Dass Prävention von grenzverletzendem Verhalten und sexualisierter Gewalt ein zentrales Thema sei, steht für die Pfarreien im Stadtdekanat Münster nach Angaben des Bistums fest. Seit 2017 arbeiten sie laut Pressemitteilung vernetzt an der Erstellung von „Institutionellen Schutzkonzepten“ (ISK). Die ersten Pfarreien hätten ihr Konzept bereits veröffentlicht und setzten es in die Praxis um, andere seien kurz vor der Vollendung: „Es ist sinnvoll, dass wir in Münster nach standardisierten Verfahren vorgehen, uns vernetzen und voneinander lernen“, sagt Martin Grüner, Pastoralreferent in St. Marien und St. Josef.

Grüner ist einer von vielen haupt- und ehrenamtlich Tätigen, die dasselbe Ziel verfolgen: den Schutz vor Grenzverletzungen und sexualisierter Gewalt. Zur Erstellung eines ISK hat das Bistum nach eigener Darstellung alle Träger katholischer Einrichtungen, darunter auch die Pfarreien, verpflichtet. Seither hätten mehr als 50 000 Menschen an Präventionsschulungen teilgenommen – einer von sieben Bausteinen des ISK.

„Uns ist es wichtig, dass Prävention im Alltag unserer Pfarrei gelebt wird“, beschreibt Louisa Helmer, Pastoralreferentin in St. Clemens Hiltrup. Von Anfang an seien Haupt- und Ehrenamtliche aus den Pfarreien in die Erarbeitung der Schutzkonzepte einbezogen worden. „Der Bedarf an mehr Austausch ist sehr groß“, sagt Doris Eberhardt, die als Präventionsfachkraft des Bistums Pfarreien in den Regionen Münster und Warendorf bei der Erstellung der Konzepte berät. Die Schutzkonzepte bieten laut Pressemitteilung Leitfäden für den Umgang mit Verdachtsfällen, niedrigschwellige Hilfs- und Beratungsmöglichkeiten, verbindliche Standards für alle, die in der Pfarrei arbeiten, sowie eine klare Positionierung gegenüber Grenzverletzungen und Gewalt.

Konkret zeige sich dies in den für alle Haupt- und Ehrenamtlichen verbindlichen Leitlinien, dem sogenannten Verhaltenskodex. „Durch die gemeinsame Erarbeitung können sich die Menschen in unserer Pfarrei damit identifizieren, wodurch wir die Gefahr eines Papiertigers minimieren“, berichtet Louisa Helmer. Über diese und weitere Erfahrungen tauschten sich die Pfarreivertreter nun zum sechsten Mal aus, ein weiteres Treffen ist für April geplant.

Weitere Informationen zum ISK sowie eine Übersicht über erfahrene Einrichtungen und Dienste im kirchlichen wie außerkirchlichen Bereich zur professionellen Beratung in Fragen von sexueller Gewalt sind im Internet zu finden.

 

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