Zelttheater im Kulturquartier
Zwischen El Paso und El Passau

Münster -

Wie Integration funktioniert, demonstriert „The Best of Balkan Route 66“, untertitelt mit „eine unhöfliche Gegenwartsvision in Wort & Musik“. Und es swingt gründlich im Theaterzelt des Kulturquartiers an der Rudolf-Diesel-Straße. Vor dem Zelt werden bereits zwei Stunden vor der Vorstellung Getränke verkauft. Ein ganz gemütlicher, entspannter Ort, eine kleine Kulturoase, ein Ort für eine Kultur-Auszeit mit guter Stimmung, Spaß und Unterhaltung.

Freitag, 19.07.2019, 17:08 Uhr
Skurrile Requisiten, kuriose Instrumente: Angela Gülck und Jiri Sova haben in ihrem kleinen Zelttheater alles gleich griffbereit.
Skurrile Requisiten, kuriose Instrumente: Angela Gülck und Jiri Sova haben in ihrem kleinen Zelttheater alles gleich griffbereit. Foto: con

Angela Gülck als Flüchtlingsfrau Kalula und Jiri Sova als ihr Integrator bilden das Theater Divadlo. Als alte Zelttheaterhasen blicken sie auf über 40 Jahre Spielerfahrung zurück. Sie lassen die Säge erklingen und den Stockbass dröhnen, verzaubern mit der Weinglasorgel und begeistern mit der Slide Guitar. Ein paar Perücken, angeklebter Bart, auffälliger Hut – schon ist die Verkleidung perfekt und der Rahmen für den Bayern-Western geschaffen, der irgendwo zwischen El Paso und El Passau an der mexikanisch-bayerischen Grenze spielt. Statt Fake News werden alternative Fakten geboten und reichlich Wortwitz. Teilweise so schnell, dass die Lacher schon mal hinterherhinken. Die Bühnentechnik ist in einem alten Radio versteckt, und Lichteinsätze steuert Sova neben seinem Spiel auf der Slide Guitar.

Im Zelt schwappt unterdessen die Flüchtlingswelle nach Europa – und später zieht es die Deutschen nach Polynesien. Die schwarzhaarige Blondine wird inte-griert, und der typische Wirtschaftsflüchtling gibt Anweisungen, wie das aussehen soll.

In ihren Geschichtsrückblick auf Slide Guitar, Bibelverkauf auf Buddha-Fahrten und der idealen Jazzband fürs Paradies werden immer wieder Musikstücke eingeflochten, die mit viel Witz und Kreativität dargeboten werden. Mit Blues, Swing, Jazz, Jodeln und spontanem Stepptanz zwischendurch und viel bissigem Humor über Immigration und Umweltzerstörung.

Schön ist die Zeltatmosphäre, das Publikum sitzt nahe dran beim Geschehen. Das Ambiente ist bestens geeignet für einen lauen Sommerabend – und am Ende zahlen alle in den Hut. 40 Plätze bietet das Zelt, von denen am Mittwochabend kaum einer frei blieb.

Noch bis Samstag einschließlich können sich die Zuschauer ab 20 Uhr auf die Balkanroute begeben – die Krönung für eine kleine Radtour raus aus der City zum Kulturquartier.

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