Prozess vor dem Landgericht
Hohe Schulden und ein Haus mit Swimmingpool

Münster -

Er wohnt in einem Haus mit Swimmingpool, hat Bekannte in ein Vier-Sterne-Hotel eingeladen – und hat Schulden in hohem sechsstelligen Bereich. Jetzt hat ein Zeuge gegen den 68-jährigen Angeklagten ausgesagt.

Dienstag, 23.07.2019, 16:30 Uhr
Der Prozess vor dem Landgericht wird am Freitag (26. Juli) fortgesetzt.
Der Prozess vor dem Landgericht wird am Freitag (26. Juli) fortgesetzt. Foto: dpa

Richter und Anwälte müssen im Gerichtssaal einen kühlen Kopf bewahren. Bei Temperaturen, die schon am Vormittag weit über der 20-Grad-Marke liegen ist das nicht so einfach. Bei einem Prozess am Landgericht Münster fragte deshalb am Dienstag eine Verteidigerin, ob sie ihre Robe ablegen dürfe. „Natürlich“, sagte der Vorsitzende Richter. Und fügte in Richtung eines Justizbeamten hinzu: „Ist die Lüftung überhaupt an? Davon merkt man hier nichts.“

Der Richter selbst behielt seine Robe an – und wandte sich dem Prozess zu. Ein 68-jähriger Mann aus Ascheberg ist wegen Untreue, Betrugs und Bankrotts angeklagt. Obwohl es seiner Firma mit Sitz in Drensteinfurt wirtschaftlich schlecht gegangen sei, soll er laut Anklage viel Geld aus der Kasse für private Zwecke verwendet haben. Unter anderem soll er frühere Bundeswehr-Kameraden mehrmals in ein Vier-Sterne-Hotel in Iserlohn eingeladen haben – inklusive Übernachtung.

14 Millionen Euro verdient

Einer dieser Kameraden, ein 65-jähriger Mann aus Unna, sagte am Dienstag als Zeuge aus. „Wir kennen uns seit circa 40 Jahren“, sagte er und bestätigte, dass er von dem Angeklagten zu mehreren „Fallschirmjägertreffen“ eingeladen worden sei. Die Treffen habe der 68-Jährige bezahlt. Für ein Treffen habe er jedoch finanzielle Unterstützung bei dem Zeugen erbeten: „Ich habe ihm 4000 Euro gegeben.“

Wie der Zeuge aussagte, habe er kurz zuvor eher zufällig von den finanziellen Nöten des Angeklagten erfahren. Zuvor hatte er bei den „Fallschirmjägertreffen“ noch gehört, der 68-Jährige habe durch seine Geschäfte 14 Millionen Euro verdient. Als der Zeuge, der hauptberuflich Architekt ist, ein Gutachten für eine Immobilie in Drensteinfurt erstellen sollte, habe er von den enormen Schulden erfahren. Die liegen laut Richter im „hohen sechsstelligen Bereich“.

Geld aus Firmenkasse für private Zwecke

Laut dem Gutachten, dass der 68-Jährige für „seine“ Immobilie erstellen wollte, ist er selbst jedoch gar nicht der Eigentümer des Hauses. Das Haus gehört seinem Sohn (38), der Mitangeklagter in dem Prozess ist, weil er davon gewusst haben soll, dass sein Vater Geld aus der Firmenkasse für private Zwecke genutzt haben soll. Der 68-Jährige habe jedoch ein Wohnrecht in dem Haus, in dessen Garten es sogar einen Swimmingpool gebe.

Wie der 65-jährige Architekt dem Richter sagte, habe der Angeklagte ihm das Haus sogar zum Kauf angeboten: „50 000 bis 60 000 Euro wollte er in Bar haben. Da war das Thema für mich schon gelaufen.“ Der Angeklagte habe das Gutachten erstellen lassen und das Haus zum Verkauf angeboten, weil er angedacht habe, das Land zu verlassen. Wie der 65-Jährige aussagte, habe der Ascheberger eine Frau auf den Philippinen kennengelernt, die er heiraten wolle. „Doch dann kam die Justiz dazwischen“, sagte der Vorsitzende Richter – und entließ den Architekten aus dem Zeugenstand.

Neben dem 68-Jährigem und seinem Sohn gibt es in dem Prozess einen dritten Angeklagten. Ein 65-jähriger Mann aus Rumänien soll von dem Ascheberger einen fingierten Arbeitsvertrag erhalten haben und zu Unrecht sowohl Kranken- als auch Arbeitslosengeld bezogen haben. Ein Teil des Geldes soll dabei der Ascheberger bekommen haben.

Der Prozess wird am Freitag (26. Juli) fortgesetzt.

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