Arbeit unter Hochspannung
Stadtwerke erneuern zentrales Umspannwerk

Münster -

Bis Mitte 2020 wird das zentrale Innenstadt-Umspannwerk der Stadtwerke im Hafen komplett erneuert. Die Arbeiten am „offenen Stromherzen“ sind kompliziert, weil der zentrale Netzknotenpunkt, an dem 40 000 Haushalte hängen, nicht einfach für ein paar Monate abgeschaltet werden kann.

Donnerstag, 25.07.2019, 08:00 Uhr
Die Stadtwerke-Projektleiter Linda Horstick und Sebastian Christ vor einem der Kästen der alten Schaltanlage von 1976 im Umspannwerk Mittelhafen. Die Technik wird nun komplett erneuert.
Die Stadtwerke-Projektleiter Linda Horstick und Sebastian Christ vor einem der Kästen der alten Schaltanlage von 1976 im Umspannwerk Mittelhafen. Die Technik wird nun komplett erneuert. Foto: hpe

Armdicke Elektroleitungen, große Schaltkästen bis unter die Decke, Absperrbänder, Zutrittsverbote und überall Hinweistafeln, die vor einem elektrischen Schlag warnen: Die Stadtwerke modernisieren aktuell ihr wichtigstes City-Umspannwerk am Mittelhafen und müssen dabei den Spagat schaffen, die über 40 Jahre alte Technik auszutauschen und gleichzeitig das Stromnetz jederzeit stabil zu halten.

„Die rund 40.000 betroffenen Bürger in der Innenstadt und am Bahnhof sollen von den komplexen Umbauarbeiten nichts bemerken, deshalb können wir das Umspannwerk nicht so einfach für ein paar Monate vom Netz nehmen“, erklärt Bauleiter Sebastian Christ.

Unter Hochspannung

Und weil die Arbeiten im laufenden Betrieb stattfinden, müssen immer Teile der Anlage unter Hochspannung bleiben. „Eine Herausforderung für das ganze Team. So etwas funktioniert nur mit guten Absprachen, klaren Arbeitsplänen, guter Koordination und provisorischen Brückenlösungen“, so Christ.

Im ersten Schritt wurde der Großtransformator ausgetauscht, ein zweites Exemplar steht nun als Reserve bereit. Dann wurden sukzessive die „grünen Schränke“ abgeschaltet. „In den alten Schaltanlagen war vieles offen zugänglich, man konnte noch per Hand Stromkreise trennen. Elektronische Bauteile gab es nicht, wir hatten noch die inzwischen veralteten Drehzähler, und so langsam gibt es auch keine Ersatzteile mehr“, berichtet Co-Bauleiterin Linda Horstick.

Platz für erneuerbare Energien

Die neue Technik kommt mit viel weniger Raum aus, Fehlerdiagnose, Wartung und Datenerhebung sind deutlich einfacher, und in den geschlossenen Systemen ist auch das Risiko minimiert, bei Arbeiten in den lebensgefährlichen Direktkontakt mit stromführenden Elementen zu geraten. „Wir erhöhen gleichzeitig die Leistungsfähigkeit, haben ausreichend Ressourcen für eine Netz-Erweiterung und können künftig erneuerbare Energien einspeisen“, so Christ. Parallel zum Rückbau der alten Schaltanlage und zum Aufbau der neuen Energiezentrale sind provisorische Schaltanlagen aufgestellt worden, die Stromunterbrechungen vermeiden sollen.

Insgesamt haben die Stadtwerke zehn Umspannwerke, die als zentrale Netzknotenpunkte die ankommende Hochspannung von 110 000 Volt auf eine Mittelspannung von 10.000 Volt wandeln. Von dort aus geht es weiter in 1100 stadtweite Trafostationen. In den kleinen Häuschen, die überall in Münster stehen, wird dann auf die haushaltsübliche 230-Volt-Niederspannung umgestellt.

190.000 Strom-Kunden

Allein das unterirdische Kabelnetz für die Mittelspannung schlängelt sich auf 1400 Kilometern durch die Westfalenmetropole. Insgesamt versorgen die Stadtwerke knapp 190.000 Kunden mit Strom.

Mitte 2020 sollen die rund drei Millionen Euro teuren Arbeiten „am offenen Stromherzen“ beendet sein. Anschließend sind die anderen neun Umspannwerke dran.

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