Interview mit Sängerin Alexa Feser
Über Rastlosigkeit und Rammstein

Münster/Berlin -

Im Mai ist das vierte Album von Alexa Feser erschienen. Der Titel „A!“ deutet es an: Es ist ein sehr intimes Werk geworden – ehrlich und emotional. Mit dem Album ist Feser jetzt auf Tour und kommt im September damit nach Münster.

Donnerstag, 25.07.2019, 09:18 Uhr aktualisiert: 25.07.2019, 09:20 Uhr
Alexa Feser: Ihr erstes Album erschien vor elf Jahren unter dem Namen Alexa Phazer. Jetzt kommt die Wahl-Berlinerin mit ihrem neuen Werk nach Münster.
Alexa Feser: Ihr erstes Album erschien vor elf Jahren unter dem Namen Alexa Phazer. Jetzt kommt die Wahl-Berlinerin mit ihrem neuen Werk nach Münster. Foto: Lukasz Wolejko-Wolejszo

Dein neues Album „A!“ hat es auf Platz sieben in die deutschen Charts geschafft…

Alexa Feser: Überraschenderweise. Damit habe ich nicht gerechnet. Ist doch toll. Vor allem Streaming ist schwer einzuschätzen: Das ist ein eigener Markt für sich.

Vielleicht täuscht mein Eindruck, aber ich habe das Gefühl, dass es ein sehr persönliches und privates Album geworden ist.

Alexa: Super privat, ja. Es gibt eine Konstante in meinem Leben: Ich ziehe zu jedem Album um. Auch, wenn das gerade in Berlin nicht so leicht ist. Jetzt bin ich dicht an den Park des Tiergartens gezogen. Und in der Wohnung habe ich viel Zeit verbracht, mich sehr viel mit mir selbst beschäftigt und darüber geschrieben, was ich in den vergangenen Jahren privat und auch innerhalb der Musikbranche erlebt habe.

Ich habe gelesen, dass du dir auch vorstellen kannst, nach Lissabon zu ziehen. Warum genau dorthin?

Alexa: Lissabon ist eine unfassbar schöne Stadt. Ich kenne sie näher, weil ich mittlerweile mindestens 15 Mal da gewesen bin. Andere haben ein Lieblingsessen, ich habe eine Lieblingsstadt. Aber das wäre ein Riesenschritt, weil ich noch nie das Experiment gewagt habe, von Freunden entfernt zu sein. Ich weiß gar nicht, ob ich ein Eremit sein könnte und allein in einem anderen Land leben könnte. Aber mich würde es schon reizen, längerfristig dort zu sein und auch musikalisch etwas zu machen. Aber ich bräuchte eine Regelung, auch wieder eine Zeit lang in Berlin sein zu können.

Hypothetisch gefragt: Was glaubst du würde Lissabon mit deiner Musik machen? Saugst du fremde Einflüsse auf?

Alexa: Das weiß ich gar nicht. Es gibt Orte und Momente, die mich so gar nicht inspirieren. Es gibt Monate, in denen ich mich nicht kreativ fühle. Kreativität kann man leider nicht auf Kommando abrufen. Entweder sie ist da oder nicht. Ich habe auch keinen Modus Operandi, was ich tun muss, um komponieren oder schreiben zu können.

Faszinierend, weil ich einen völlig anderen Eindruck von dir vermittelt bekomme: den der Rastlosigkeit – immer unterwegs zwischen Albumaufnahme und Tour.

Alexa: Das mag von außen so aussehen, der Geist rattert auch immer, das Ergebnis ist nicht immer sichtbar. Solche Phasen, in denen ich wirklich keine Ideen habe, erzeugen bei mir Unzufriedenheit. Der Kopf arbeitet zwar, aber es kommt nichts Messbares in Form eines Songs dabei heraus. Das nervt mich, weil ich als Künstler gerne immer ein Ergebnis haben möchte.

Ich liebe gepflegte Langeweile. Das bedeutet für mich Musik hören, lesen, Serien schauen. Was machst du denn in solchen Phasen?

Alexa: Das brauche ich auch. Ich kann komplette Serien an einem oder zwei Tagen bingewatchen.

Was war deine letzte Serie?

Alexa: The OA. Eine sehr spannende Mystery-Serie.

Es fehlt nur die Zeit, alles zu sehen und hören zu können. Ich habe immer eine Planung, wann welche Alben und Serien erscheinen, damit ich Zeit dafür habe.

Alexa: Es gibt so viele gute Sachen, die ich noch konsumieren möchte. Und das geht nicht zwischen Tür und Angel. Ich fahre dann meistens am Wochenende raus zum See, setze meine Kopfhörer auf und höre Musik. Und nur das. Zwei Sachen gleichzeitig gehen ganz schlecht. Vielleicht ist das aber auch ein typisches Stadtding, immer mehrere Sachen auf einmal machen zu müssen. Beim Thema Konsum habe ich das Gefühl, dass sich da jetzt etwas ändert.

In welche Richtung?

Alexa: Heutzutage ist alles super billig und schnell zu konsumieren. Dass man für etwas gearbeitet haben muss, um es sich leisten zu können, dass man sich also Mühe gegeben hat, um sich etwas kaufen zu können - dieses Prinzip eines Belohnungssystems funktioniert auf eine gewisse Art und Weise nicht mehr. Das lässt alle abstumpfen und die Dinge verlieren dadurch ihren Wert. Und ich glaube, dass sich gerade eine neue Generation junger Menschen Nachhaltigkeit ersehnt. Das kann man auch beim Thema Klimawandel beobachten.

Du hast bereits mit Curse zusammengearbeitet, auf dem neuen Album mit dem Rapper Disarstar: Was reizt dich an der Kombination von Hip-Hop und Pop?

Alexa: Rapper können viel mehr Informationen durch ihre Reimform in kurzer Zeit auf den Punkt zu bringen. Ich bin auch sehr dankbar, dass die beiden Lust hatten, mit mir zusammenzuarbeiten. Mir gefällt, dass Rap ein guter Gegensatz aber auch eine tolle Ergänzung zu Pop ist. Auch stimmlich: Ein reines Gesangs-Duett wäre mir zu platt gewesen.

Hast du noch andere Wunschkandidaten?

Alexa: Ich könnte mir noch viele andere Rap-Features vorstellen. Als Spaß vielleicht mal was mit Till Lindemann. Es müsste auf jeden Fall etwas Kontroverses sein, etwas das man im ersten Augenblick nicht zusammenbringen würde.

Gefällt dir denn das neue Rammstein-Album?

Alexa: Ich finde das schon ziemlich gut. Die Videos sind grandios, das sind reine Symbolik-Gewitter. Es ist für jeden Künstler - für mich auch - eine große Herausforderung, nicht an den Punkt zu gelangen, an dem man eine Kopie seiner selbst wird. Es gibt bestimmte Themen, die einen ständig begleiten, und da kann es schnell passieren, dass Leute sich fragen, warum man jetzt wieder darüber schreibt. Weil es eben ein Lebensthema ist. Das muss ich auch Rammstein zugutehalten. Was sie machen, ist sehr zeitgeistig. Außerdem besitzen die Jungs einen krassen Selbsthumor. Alles, was sie machen, muss man mit einem lachenden Auge betrachten.

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Reagierst du darauf, wenn irgendjemand in deinem Umfeld mit Amazons Alexa spricht?

Alexa: Witzigerweise ist mir das noch nie passiert, weil niemand in meinem Bekanntenkreis diese Box besitzt. Eigentlich müssten unglaublich viele eine haben, weil die ja total beliebt zu sein scheint. Aber die Leute, die ich kenne, haben – glaube ich – Angst vor dieser Art des Ausspionierens.

Reden wir über deine Tour und dein Konzert in Münster. Du spielst wieder im Jovel.

Alexa: Das ist sogar der Tourstart am 27. September. Ich fühle mich im Jovel-Club total heimisch. Mir gefällt die Location mit ihrer Traverse. Der Backstage-Bereich ist riesig und das Catering absolut lecker. Es wird auf jeden Fall wieder sehr emotional und lang werden.

Du änderst deine Setlist offenbar häufiger. Den neuen Song „Lola rennt“ hast du sogar komplett gestrichen? Reagierst du damit auf die Reaktionen der Fans?

Alexa: Nicht mal so genau. Ich finde es im Gegenteil schade, wenn etwas gefällig wird. Bei mir ist es Überzeugung. Ich fühle dann im Moment, dass der Song jetzt in die Setlist gehört und ein anderer nicht. Wir spielen ja auch über zwei Stunden. „Lola rennt“ hatten wir – glaube ich – noch gar nicht im Programm. Das werden wir aber im Herbst definitiv nachholen.

Zum Thema

Freitag, 27. September, Jovel, Albersloher Weg 54, 20 Uhr, VVK 32 € (zzgl. Gebühren)

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