Dealer vor Gericht
Polizist kaufte zum Schein Kokain

Münster -

Ein junger Mann kaufte bei einem Dealer am Bremer Platz mehrmals Kokain, zum Schluss auch eine größere Menge. Dann wurde der Dealer festgenommen. Denn sein Kunde war nicht der, für den er ihn hielt.

Freitag, 26.07.2019, 17:45 Uhr aktualisiert: 26.07.2019, 17:47 Uhr
Der Angeklagte mit seiner Anwältin beim Prozessauftakt vor dem Landgericht.
Der Angeklagte mit seiner Anwältin beim Prozessauftakt vor dem Landgericht. Foto: kv

Die Polizei beobachtet bisweilen, wenn am Bremer Platz Drogenverkäufer am Werk sind. Dem 48 Jahre alten Münsteraner, gegen den am Freitagmittag die achte Strafklammer des Landgerichts den Prozess eröffnete, wurde sein Handel mit Kokain und Heroin zum Verhängnis.

Ein junger Polizist, am Freitag als Zeuge geladen, hatte sich als Student ausgegeben und wiederholt bei dem Mann eingekauft. Als er bei seinem letzten Einkauf im vergangenen Winter vorgab, eine größere Menge Kokain abnehmen zu wollen, fuhr der Angeklagte mit ihm zu seiner Wohnung nach Kinderhaus. nach diesem Deal wurde der Mann festgenommen.

Führerschein verloren

Sein Weg, so die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters, mündete verhältnismäßig spät in die Kokain konsumierende Drogenszene – nämlich erst vor rund zehn Jahren. In früheren Lebensphasen hatte der Mann, der nach einer schwierigen Schullaufbahn keine Berufsausbildung zu Ende führte, ein schweres Alkoholproblem, wie er auch selbst bekannte. Letzteres jedoch habe er selbst ohne Hilfe in den Griff bekommen. Weil er, seinerzeit als Schrotthändler tätig, jedoch alkoholisiert am Steuer erwischt wurde und seinen Führerschein verlor, habe er auch diese Tätigkeit nicht mehr ausüben können.

Auch mit der Droge Kokain könne er gut umgehen, betonte der Angeklagte. Nach seiner Festnahme habe er keine Drogen mehr genommen. Bevor er von der Polizei als Dealer überführt worden war, sei sein Eigenbedarf gestiegen. Er und seine damalige Partnerin hätten täglich drei bis fünf Gramm Kokain täglich konsumiert – eine hohe Dosis. Am Bremer Platz sei er ein bekanntes Gesicht gewesen – das bekräftigte der junge Polizist im Zeugenstand, der die Szene gemeinsam mit einem Kollegen beobachtet hatte. Eine Zwangstherapie zum Drogenentzug lehnt der Angeklagte ab. Er habe sich aber um eine Behandlung in einer anderen Einrichtung bemüht. Der Prozess wird fortgesetzt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6807339?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker