14-Jähriger baut eigene Presse
Saft aus eigener Herstellung

Münster-Gievenbeck -

Sie ist schon etwas Besonderes, weil handwerklich in gewisser Weise professionell hergestellt und in Größe und Ausstattung mehr als ein üblicher Haushaltsgegenstand. Gemeint ist eine Obstpresse, die der Waldorfschüler Henning Häder in den vergangenen Monaten gebaut hat.

Donnerstag, 01.08.2019, 18:28 Uhr aktualisiert: 02.08.2019, 11:06 Uhr
Erst werden die Früchte im Handhäcksler (Gerät mit Blechtrichter) zerkleinert, dann kommen sie in den hölzernen Pressbehälter, wie Henning Häder (M.) im Garten seiner Eltern vormacht. Mit im Bild sind seine Brüder Martin (r.) und Lutz.
Erst werden die Früchte im Handhäcksler (Gerät mit Blechtrichter) zerkleinert, dann kommen sie in den hölzernen Pressbehälter, wie Henning Häder (M.) im Garten seiner Eltern vormacht. Mit im Bild sind seine Brüder Martin (r.) und Lutz. Foto: klm

Das Gerät ist bereits – an den momentan heißen Tagen und schon vor der Hauptapfelernte im Herbst – im Einsatz. Literweise Apfelsaft haben Henning, seine Familie und Freunde aus Früchten gewonnen.

Ein Halbjahresprojekt an der Waldorfschule hatte den 14-Jährigen auf die Idee der Presse gebracht. „Freunde haben uns mal ein ähnliches Gerät ausgeliehen. Für das Projekt jetzt sollten wir etwas bauen“, sagt Henning im Garten seiner Eltern, wo er die Presse und weiteres Material für seinen kleinen „Saftladen“ aufgebaut hat.

Wenn jemand Lust auf naturbelassenen Fruchtsaft hat und ihn zum Beispiel den Gästen eines Kindergeburtstags mit auf den Nachhauseweg geben möchte, kann kleine oder größere Flaschen bei ihm bestellen.

Damit die Presse überhaupt erstmal gebaut werden konnte, stand dem Schüler, der im Herbst in den neunten Jahrgang wechselt, sein Großvater (81) zur Seite. „Er hat mir viel geholfen und gezeigt, wie ich vorgehen soll.“

Außerdem verfügt der Opa zu Hause in Lette über genügend Werkzeug: „Er hat zum Beispiel ein Schweißgerät, eine Flex, Hobel und eine Bandsäge“, erzählt Henning. Den Winter über sei er „bestimmt 20 mal“ dort gewesen.

„Außer bei Sachen, für die man vier Hände braucht, hat Henning fast alles selbst ge-

macht“, sagt dessen Mutter Petra Häder, die ihn zusammen mit ihrem Mann Ralf und den drei weiteren Söhnen zwecks Familienbesuchen meist begleitete.

„Weil ich mich mit den Werkzeug beschäftigt habe und wir einen Plan hatten, wusste ich nach und nach selbst, wie es geht“, so Henning. Material wurde teils alten Gegenständen entnommen: Das Stangengerüst etwa besteht aus Teilen eines alten Schweinestalls. „Da hab‘ ich gute Sachen mit der Flex rausgeschnitten.“

Die Stäbe des Behälters, in dem der Presssack mit den geschälten und im Handhäcksler zerkleinerten Früchten eingedrückt wird, entstammen einer alten Eichentür. „Ich habe sie mit einem Lochband verbunden“, erklärt Henning.

Die Idee für einen Druckstempel wiederum, der die Platte auf den Presssack drückt, kopierte der Schüler von dem einst ausgeliehenen Gerät: Es ist ein Wagenheber. Henning weiß jetzt durch sein praktisches Tun: „Er bringt fünf Tonnen Druck auf die geschredderten Äpfel.“

Für die Waldorfschule musste der 14-Jährige eine ausführliche Dokumentation erstellen: 37 Seiten umfasst sie, mit Farbfotos versehen und im Copy-Shop eingebunden.

Damit auch andere etwas von der Saftpresse haben und Henning sich länger damit beschäftigen kann, bietet er nun einen kleinen Lieferservice an. Dafür leiht ihm für solche Tage ein Fahrradgeschäft ein Lastenfahrrad. Als Gegenleistung ist er mit Werbung des Geschäfts auf dem Rad durch die Stadt unterwegs.

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Wer gepressten Saft in überschaubarem Umfang – zum Beispiel für einen Kindergeburtstag – bei Henning Häder bestellen möchte, kann über diese E-Mail-Adresse Kontakt mit ihm aufnehmen: saftpresse-muenster@gmx.de

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