Stadtbild
Die Graffiti-Szene schrumpft

Münster -

Immer mehr Graffiti, dennoch schrumpft die Sprayer-Szene. Wie passt das zusammen? Das Ordnungsamt hat eine Erklärung für das Phänomen.

Mittwoch, 07.08.2019, 16:45 Uhr aktualisiert: 07.08.2019, 18:01 Uhr
Schon seit einigen Monaten ruhen die Arbeiten am Hafencenter. Jetzt haben sich Graffiti-Sprayer die Wände des Rohbaus vorgenommen.
Schon seit einigen Monaten ruhen die Arbeiten am Hafencenter. Jetzt haben sich Graffiti-Sprayer die Wände des Rohbaus vorgenommen. Foto: Matthias Ahlke

Die Bauarbeiter sind nach dem erzwungenen Baustopp abgezogen, nun haben Graffiti-Sprayer das Hafencenter übernommen. An etliche Wänden des Rohbaus haben sie Schriftzüge angebracht – wieder mal, wie an so vielen Stellen in der Stadt. Doch der Eindruck täuscht: Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Graffiti-Schmierereien im Stadtgebiet deutlich ab, berichtet das Ordnungsamt.

2008, auf dem Höhepunkt der Graffiti-Welle, wurden 1439 Taten angezeigt – 2018 waren es nur noch 466. „Die Szene ist kleiner geworden, viele verlieren nach einiger Zeit den Spaß an diesem Hobby“, berichtet Ordnungsamt-Mitarbeiter Frank Ahlmann. Gleichzeitig nehme die Verweildauer der Sprayer in der Szene zu. „Der harte Kern ist erfahrener und älter geworden“, so Ahlmann.

Der typische Sprayer ist jung und männlich

Der „typische Sprayer“ sei männlich und zwischen 14 und 24 Jahre alt, Sprayerinnen seien die Ausnahme. Die illegale Szene wisse genau, dass sie Straftaten begeht, sie nehme die Risiken jedoch bewusst in Kauf – „weil gerade die Illegalität den Reiz erhöht“, sagt Ahlmann.

Auch wenn die Zahl der Anzeigen deutlich zurückgegangen ist, sind Graffiti in Münster omnipräsent. Dieser subjektive Eindruck ist nicht auf die Zahl neu gemalter Graffiti zurückzuführen, betont Ahlmann. „Wenn Graffiti nicht entfernt werden, wächst der Bestand an sichtbaren Farbaufträgen kontinuierlich.“ Die Stadt empfehle daher Eigentümern betroffener Flächen, die illegalen Farbaufträge zeitnah zu entfernen. Zumal Flächen, die nicht gereinigt werden, nicht selten weitere Sprayer anlocken.

Serien-Täter muss vor Gericht

Unabhängig von der Zahl der Anzeigen sind solche Schmierereien für die Betroffenen extrem ärgerlich. „Bausubstanz wird geschädigt, Kosten und Aufwand werden verursacht“, sagt der Mitarbeiter des Ordnungsamtes.

Die Strafverfolgung ist nicht einfach, viele Taten ereignen sich im Dunkeln, die Täter vermummen sich, um unerkannt zu bleiben, berichtet eine Polizei-Sprecherin. Dennoch gelang es den Beamten 2017, 96 Taten aufzuklären – und 2018 sogar 142 Taten, von denen alleine 80 Taten einem einzigen Sprayer zugeordnet werden konnten. Der 40-Jährige muss sich voraussichtlich im Herbst wegen Sachbeschädigung vor Gericht verantworten, berichtet ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zehn der 80 Taten, die der 40Jährige im gesamten Stadtgebiet begangen haben soll, seien ihm „eindeutig“ zuzuordnen.

Enge Zusammenarbeit mit Bundespolizei

Derweil arbeitet die Polizei auch mit der Bundespolizei eng zusammen, um weitere Taten aufzuklären, denn viele Taten werden auf Bahn-Gelände oder an Zügen begangen. „Zwei Mal pro Woche treffen sich Vertreter beider Behörden und tauschen Informationen über neue Graffiti aus“, so die Polizei-Sprecherin. Ziel sei es, Tatzusammenhänge herzustellen, also Schmierereien einem Tatverdächtigen zuzuordnen. „Die intensive Zusammenarbeit macht sich bezahlt“, betont die Polizei-Sprecherin. Zudem gibt es einen regelmäßigen Austausch in der Ordnungspartnerschaft Graffiti, der neben Polizei und Bundespolizei auch Stadt, Stadtwerke, Deutsche Bahn sowie Unternehmen angehören.

Gleichwohl sei auch die Unterstützung durch Zeugen extrem wichtig. Wer Spraygeräusche hört oder verdächtige Personen sieht, sollte umgehend die 110 wählen, betont die Polizei.

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