„Jagd auf Tilla Fuchs“ in der Titanickhalle
Eine Frau wird zum Tier

Münster -

Als Mann hat er keinen Namen, dafür Überzeugungen. „Tiere sind keine Menschen“ ist eine davon. „Jagen ist nicht töten“, eine andere. Beides stellt sich im Lauf der Handlung als Irrtum heraus. Dabei gab es schon vorher Zeichen, dass im Leben nichts so ist, wie es scheint. Der Türke, bei dem er seine Frau Tilla kennengelernt hat, erweist sich als Kurde. Und Tilla heißt mit Nachnamen nicht nur Fuchs, sondern verwandelt sich alsbald auch in einen solchen. Beziehungsweise in eine Füchsin.

Donnerstag, 15.08.2019, 17:10 Uhr aktualisiert: 16.08.2019, 11:10 Uhr
Zwischen Traum und Albtraum ist die Geschichte von Tilla Fuchs angesiedelt. Von links die Schauspieler Markus Seuss, Claudia Spoerri und Emilia de Fries.
Zwischen Traum und Albtraum ist die Geschichte von Tilla Fuchs angesiedelt. Von links die Schauspieler Markus Seuss, Claudia Spoerri und Emilia de Fries. Foto: Ralf Emmerich

Es ist eine merkwürdige, mitunter surreal wirkende Geschichte, die Judith Kuckhart in ihrem Stück „Jagd auf Tilla Fuchs“ in der Titanickhalle am Hawerkamp erzählt. Merkwürdig deshalb, weil die Verwandlung seiner Frau in ein Tier von dem Mann wie selbstverständlich genommen wird. Abgesehen von einem Katzenklo, das er ihr in den Flur stellt, behandelt er sie weiterhin als seine Gattin. Auch kleine Füchse gebiert sie ihm, um die er sich liebevoll kümmert. Und an seinem Eheversprechen „bis der Tod uns scheidet“ hält er ebenfalls fest. Allerdings tritt dieses Ereignis aufgrund des Jagdeifers der Menschen allzu bald ein.

Judith Kuckhart integriert Passagen aus Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht „Die Jagd“ in ihren Text. Aus dem sprachlichen Nebeneinander von 21. und 19. Jahrhundert entsteht eine ganz eigene Atmosphäre, deren Unschärfe durch Zeitangaben wie Hundstage, Eisheilige oder Raunächte noch verstärkt wird.

Diese Unschärfe spiegelt auch das Verhältnis zwischen Mann und Frau, zwischen Mensch und Tier, das hier von gegenseitigem Unverständnis geprägt ist.

Unter der Regie der Autorin agieren die Schauspieler bewusst zurückgenommen, deshalb aber nicht weniger intensiv. Emilia de Fries als Tilla Fuchs übernimmt auch die Rolle der Erzählerin, während Markus Seuss als Mann erhellende Texte zu dessen Innenleben beisteuert.

Claudia Spoerri verständigt sich als Füchsin nur singend, was zur Folge hat, dass sie von den Menschen nicht verstanden wird. Mit erläuternden Passagen bringt sich die Souffleuse Amélie Leclerc ins Spiel. Am Klavier begleitet wird die Aufführung in der Titanickhalle von Annalisa Derossi.

Ihre Kompositionen erfordern mitunter einen unkonventionellen Umgang mit dem Instrument, der die surreale Stimmung der zwischen Traum und Albtraum angesiedelten Geschichte noch verstärkt.

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