Ehemaliger Pastor ist nun Gastronom
Entschleunigung im Genuss-Bus

Münster -

Das wohl ungewöhnlichste gastronomische Angebot auf dem Stadtfest befindet sich in einem fast 60 Jahre alten Linienbus, der früher durch Berlin fuhr. „Doppellecker“ heißt die Café-Lounge am Harsewinkelplatz, um die sich ein ehemaliger evangelischer Pastor kümmert.

Sonntag, 18.08.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 18.08.2019, 10:33 Uhr
Michel Malcin hat einen Bus aus dem Jahr 1960 in eine Café-Lounge umgebaut.
Michel Malcin hat einen Bus aus dem Jahr 1960 in eine Café-Lounge umgebaut. Foto: Matthias Ahlke

Zwei, drei Treppenstufen – und man ist in einer anderen Welt. Während draußen Autoverkäufer ihre neuesten Fahrzeuge anpreisen und laute Musik die Straße beschallt, geht es in der Café-Lounge „Doppellecker“ am Harsewinkelplatz ganz entspannt zu. Aus den Boxen erklingen Klassiker aus der goldenen Zeit des Rock‘n‘Roll, Stadtfestbesucher rühren langsam ihren Kaffee um, sprechen mit gedämpfter Stimme. Der Clou: Sie befinden sich in einem umgebauten Bus, der vor knapp 60 Jahren durch Berlin fuhr. Blümchenvorhänge und Möbelstücke im Sechziger-Jahre-Look komplettieren das Retro-Ambiente.

Der Doppeldecker-Bus gehört Michel Malcin. Der war früher evangelischer Pastor, erst in Thüringen, dann in Ibbenbüren. Bis ihn ein Burn-Out heimsuchte. „Ich kannte Gott und die Welt – aber nicht mich selbst“, sagt er heute. Malcin machte eine Therapie, gab den Seelsorger-Beruf auf und entschied sich, eine etwas andere Gastronomie aufzubauen.

Malcin kaufte den Bus, restaurierte ihn, machte einen Führerschein – und ist seit 2018 Gastgeber im „Doppellecker“. Auf dem Stadtfest in Münster ist er zum ersten Mal, bei den Besuchern spricht sich schnell herum, wie gemütlich es in seinem Café zugeht, die 45 Plätze sind fast permanent belegt.

Für ihn ist sein Genussbus ein Ort der Entschleunigung, „und die ist gut für die Seele“, sagt der 39-Jährige. Wenn sich Gespräche mit den Gästen ergeben – gerne. Schöne Momente schaffen, den Gästen einen schönen Tag schenken: Das ist sein Ziel. „15 Jahre war ich gerne Pastor“, sagt er. „Jetzt begegne ich den Menschen halt in meinem Bus.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6855040?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker