Müllentsorgung
Münster bleibt Spitzenreiter bei Gebühren

Münster -

Es hat schon Tradition: Alle Jahre wieder kritisiert der Bund der Steuerzahler (BdSt) NRW, dass die Stadt Münster die höchsten Gebühren für die Müllabfallentsorgung in ganz Nordrhein-Westfalen kassiere. Auch am Dienstag heimste Münster dafür wieder die Rote Laterne ein.

Dienstag, 20.08.2019, 14:44 Uhr aktualisiert: 20.08.2019, 15:49 Uhr
Müllentsorgung: Münster bleibt Spitzenreiter bei Gebühren
Münster kassiert unter den fast 400 Kommunen in Nordrhein-Westfalen weiterhin die höchsten Gebühren für die Müllentsorgung. Foto: Klaus Meyer

In der Westfalenmetropole, so die Rechnung des Steuerzahler-Bundes, müsse ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt 564 Euro pro Jahr für die 14-tägige Leerung von 120-Liter-Tonnen Rest- und Bioabfall sowie Papierentsorgung zahlen. Dagegen seien die Gebühren in der günstigstens Kommune – der 8000-Einwohner-Gemeinde Blankenheim im Kreis Euskirchen – mit 129 Euro rund viereinhalb Mal geringer. Als Gründe für die hohen Gebühren führt der BdSt an, dass sich Münster beispielsweise elf Recyclinghöfe leistet, Düsseldorf dagegen nur drei. Auch die wöchentliche Abfuhr der Biotonnen schlage sich in den hohen Kosten nieder.

AWM lassen Kritik nicht gelten

Ebenso traditionell aber lassen die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster diese Kritik nicht gelten. „Da werden in jedem Jahr, und das sagen wir auch immer, Äpfel mit Birnen verglichen“, betont Tina Mai, die stellvertretende Pressesprecherin der AWM. Denn mit seiner Berechnungsgrundlage berücksichtige der BdSt nicht die tatsächlichen Gegenebenheiten in Münster. So reiche dem Standard-vier-Personen-Haushalt in der Westfalenmetropole eine 60-Liter-Tonne für den Restmüll im Zwei-Wochen-Turnus und eine 35-Liter-Biotonne im wöchentlichen Abfuhr-Rhythmus. Letzterer sei bewusst kürzer gewählt, um der Geruchs- und Madenbildung vorzubeugen. Eine Umfrage habe ergeben, dass die Münsteraner genau das auch wünschten, erklärt Mai. 

Monatliche Sperrgut- und Grünabfuhr unberücksichtigt

Die AWM böten ein sehr kleinteilige Tonnensystem mit Größen von 35, 60, 90, 120 und 240 Litern, „sodass man wirklich maßgeschneidert seine Tonne wählen kann“, sagt die stellvertretende Sprecherin. Das biete Anreize und Möglichkeiten, die eigenen Gebühren zu reduzieren. „Bei uns stehen die 120 Tonnen wirklich nur vor Mehrfamilienhäusern“, so Mai.

Gar nicht berücksichtige der Steuerzahlerbund in den Berechnungen die Zusatzleistungen wie die kostenlose monatliche Sperrgut- und Grünabfuhr, die kostenlose Papiertonne oder auch die kostenlose Elektroschrott-Abfuhr nach Anmeldung, kritisiert Mai. Auch das engmaschige Netz von elf Recyclinghöfen in Münster sei ein besonderer Service: „Wir  möchten, dass jeder Münsteraner im Umkreis von drei Kilometern die Möglichkeit hat, Farbstoffe, Grünabfälle, Metalle und andere Wertstoffe abzugeben.“ Kostenpflichtig sei dabei an den Recyclinghöfen lediglich die Ablieferung von Restmüll.

All das aber berücksichtige die BdSt-Berechnung nicht. „Das ist genau unsere Kritik am Bund der Steuerzahler, dass er die einzelnen Strukturen in den Kommunen nicht berücksichtigt, sondern alles über einen Kamm schert“, resümiert Mai.

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