Das älteste Bauwerk auf dem Mühlenhof
Wie das Mühlenhaus ins Museum kam

Münster -

Das Mühlenhaus ist das älteste Bauwerk auf dem Mühlenhof. Es ist jetzt 400 Jahre alt – und erlebte schon den 30-jährigen Krieg. Nach Münster kam es allerdings erst später.

Sonntag, 25.08.2019, 12:00 Uhr
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  • 400 Jahre ist es alt, vor 58 Jahren zog das Haus. Seit 56 Jahren steht sein Tragewerk auf dem Mühlenhof – dem vom früheren münsterischen Verkehrsdirektor Theo Breider kreierten Freilichtmuseum.

    Foto: Oliver Werner
  • Elke Werner, Volkskundlerin auf dem Mühlenhof, hat die Geschichte des Mühlenhauses, vor allem die des Wiederaufbaus, erforscht.

    Foto: Oliver Werner
  • Das Innere des Mühlenhauses heute: Hier werden Lesungen abgehalten, für Museumsgäste Märchen und Geschichten aus dem Münsterland erzählt.

    Foto: Oliver Werner
  • Das Fachwerk des Mühlenhauses wird auf Mühlenhof wiederaufgebaut. Die Bockwindmühlöe ist schon fertig.

    Foto: Oliver Werner
  • So sieht das wieder aufgebaute Mühlenhaus heute aus.

    Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
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Die alten Balken haben viel ausgehalten. In ihren ersten Jahren, nachdem sie aufgerichtet waren, um das Zweiständerfachwerkhaus zu tragen, lehnten sich hier Söldner an, die im Dreißigjährigen Krieg durchzogen. Mehr als 300 Jahre lebten Landarbeiter und Tiere unter dem Dach des Heuerlingshauses in der Bauerschaft Düthe bei Lathen an der Ems.

Vor 58 Jahren zog das Haus um, und seit 56 Jahren steht sein Tragewerk auf dem Mühlenhof – dem vom früheren münsterischen Verkehrsdirektor Theo Breider kreierten Freilichtmuseum.

Auf dem Originalbalken über dem Tor steht das Baujahr: 1619. Das Haus ist damit 400 Jahre alt und das älteste Gebäude auf dem Mühlenhof. Zum „Mühlenhaus“ wurde der Bau allerdings erst an seinem neuen Platz in Münster gleich neben der zwei Jahre zuvor auf dem Hügel an der Sentruper Höhe aufgebauten Bockwindmühle aus dem Jahr 1748. Sie war als Ersatz für eine im Krieg zerstörte historische Mühle aus dem Münsterland aufgebaut worden. Die beiden Zuzügler, Bockwindmühle und das zum Mühlenhaus umfunktionierte Bauernhaus, stammen beide aus dem Emsland bei Lathen. Mühlenhof-Gründer Theo Breider war der Gegend verbunden. Und auf der Suche nach einem Haus für die Bockwindmühle stieß er vor fast 60 Jahren auf das damals sehr baufällige und unbewohnte Nebengebäude auf dem damaligen Hof Schulte im emsländischen Düthen.

Das Mühlenhaus auf dem Mühlenhof wird 400 Jahre alt

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  • 400 Jahre ist es alt, vor 58 Jahren zog das Haus. Seit 56 Jahren steht sein Tragewerk auf dem Mühlenhof – dem vom früheren münsterischen Verkehrsdirektor Theo Breider kreierten Freilichtmuseum.

    Foto: Oliver Werner
  • Elke Werner, Volkskundlerin auf dem Mühlenhof, hat die Geschichte des Mühlenhauses, vor allem die des Wiederaufbaus, erforscht.

    Foto: Oliver Werner
  • Das Innere des Mühlenhauses heute: Hier werden Lesungen abgehalten, für Museumsgäste Märchen und Geschichten aus dem Münsterland erzählt.

    Foto: Oliver Werner
  • Das Fachwerk des Mühlenhauses wird auf Mühlenhof wiederaufgebaut. Die Bockwindmühlöe ist schon fertig.

    Foto: Oliver Werner
  • So sieht das wieder aufgebaute Mühlenhaus heute aus.

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„Eine Mühle macht noch kein Museum“, so lautet einer der damals von Breider überlieferten Sprüche. Und so handelte er das Haus dem damaligen Eigentümer für 1000 D-Mark ab. So erzählt Elke Berner, Volkskundlerin auf dem Mühlenhof, die überlieferte Geschichte. Sie wollte mehr über die Vergangenheit des Hauses herausfinden – und stieß vor ein paar Jahren am ursprünglichen Standort auf eine leere Ackerfläche. Vom ehemaligen Hofnachbarn des Schulte-Hofes erfuhr sie, dass der Pächter irgendwann aufgegeben habe, der ganze Bauernhof abgerissen wurde. „Historisch abgesicherte Erkenntnisse über unser Mühlenhaus werden wohl nicht mehr ans Tageslicht kommen“, bedauert die Volkskundlerin.

Original an dem Gebäude, in dem Landarbeiter des Haupthofes wohnten, ist ein großer Teil des Holzständer- Fachwerks. Wände, Fenster, Dach, all das entstand unter Theo Breiders Regie neu – und einigermaßen frei nach seinen Vorstellungen. Der Bauhistoriker und -Ingenieur Victor Schmitt, seinerzeit tätig an der Vorläufer-Schule der heutigen FH Münster, fertigte mit seinen Studenten ein Modell des Hauses an. Daran orientierten sich die Handwerker beim Wiederaufbau. „Das Modell ist leider verschollen“, bedauert Elke Berner.

Lehrlinge aus Handwerksbetrieben, Soldaten der Bundeswehr und der britischen Armee und viele Freiwillige packten an – und schon nach zwei Jahren, am 21. September 1963, wurde das Mühlenhaus auf seinem neuen Platz eingeweiht. Breider verbreitete die Geschichte, das Haus habe bereits an seinem früheren Standort als Treffpunkt und Versammlungsstätte von Nachbarn gedient – für Elke Berner eine der von Breider erschaffenen Legenden, die sehr geeignet waren, viele einflussreiche Münsteraner und Münsterländer zu Spenden für das Projekt zu veranlassen. Auf den Lehnen der Stühle der neuen rustikalen Versammlungsstätte stehen die Namen der Sponsoren, viele münsterische Unternehmer aus jener Zeit. Und das Konterfei von Pinkus Müller, der die 1000 Mark Kaufpreis für das Haus gespendet hatte, wurde sogar in einen tragenden Balken geschnitzt. Das weitere Interieur des Hauses brachten auf Breiders Bitten Menschen aus dem Emsland bereitwillig nach Münster. Alten Hausrat, Ackergeräte und historisches Werkzeug – „all das, was die Leute in den 60er-Jahren, im Zeitgeist kompromissloser Modernisierung loswerden wollten“, sagt Berner. „Gleichzeitig sehnten sich die Menschen nach Krieg und Wiederaufbau nach Nostalgie und heiler Welt – und hier traf Theo Breider mit seinem Mühlenhof den Nerv der Zeit.“

Wohnen in der Räucherkammer

Im Mühlenhaus riecht es stark nach Rauch – denn das Haus mit seiner offenen Feuerstelle hat keinen Rauchabzug. Der Rauch sammelte sich unter dem offenen Dachstuhl, wo Schinken und Würste geräuchert wurden. Der Rauch half auch, das unter dem Dach gelagerte Getreide vor Schädlingen zu schützen. Der Gesundheit der menschlichen Bewohner war der Rauch weniger zuträglich. Relativ Rauchfrei waren nur die drei abgetrennten kleinen Kammern hinter der Feuerstelle.

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