Poetry Slam beendet Kabarett-Sommer
Grandios, tiefsinnig, komisch

Münster -

Ob eine Flasche Schnaps als Gewinn so erstrebenswert wie geistreich ist, sei dahingestellt. Die Fabulierkunst der vier Poetry Slammer, ihr Wortwitz, ihre Sprachgewandtheit, ihre Vortragskunst und der Applaus des Publikums waren allemal bemerkenswert – und die Texte humorvoll und geistreich beim Finale der Kabarett-Reihe im Schlossgarten.

Sonntag, 25.08.2019, 17:56 Uhr aktualisiert: 26.08.2019, 17:52 Uhr
Die Moderatoren Andreas Weber und Andi Substanz mit Micha Ebeling, Theresa Hahl, Gewinner Florian Stein und Piet Weber (v.l.).
Die Moderatoren Andreas Weber und Andi Substanz mit Micha Ebeling, Theresa Hahl, Gewinner Florian Stein und Piet Weber (v.l.). Foto: -con-

Beim „Best of Poetry Slam“ trat Bochum gegen Berlin an. Andi Substanz und An-dreas Weber moderierten den Dichterwettstreit, bei dem die Teilnehmenden sieben Minuten Zeit für ihr Werk bekamen. Sieben gewählte Juroren aus dem Publikum vergaben Punkte , beim Finale kürte der Publikumsapplaus den Bochumer Florian Stein als Sieger.

Als Eisbrecher kredenzte Weber einen Münsterländer Lebensart-Text, nachdem DJ Anbeater schon gründlich mit seinem Sound die Atmosphäre vorgeheizt hatte. Auswendig vorgetragen begann der Wettstreit mit einem sehr unterhaltsamen, temperamentvollen, Rap-artigen Apfel-Birnen-Wettstreit, auswendig vorgetragen von Florian Stein (Bochum). Die Könige Braeburn und William resümierten, dass das, was zählt, immer unter der Schale sitzt.

Der Berliner Micha Ebeling las eine larmoyante Liebesgeschichte vor: „Wie mir mal fast was Peinliches passiert war“.

Sehr poetisch betrachtete Theresa Hahl (Bochum) mit „Gartenzwerge fein poliert“ die Rebellion gegen die Bürgerlichkeit und dass sich zufrieden zu geben eben kein Synonym für Zufriedenheit sei. Piet Weber (Berlin) erschuf verbal einen neuen Superhelden: Jürgen, den Kapitän Deutschland – eine Satire auf den Populismus („Rückschritt ist der neue Fortschritt“).

Nach der Pause startete Weber die zweite Vorrunde mit einem aberwitzigen Telefondialog wegen einer Telekomstörung. Hahl berichtete von einem letzten Date in einer lauen Sommernacht, „die alle Worte verbrauchte“, mit einer Philosophie auf Garagendächern. Der Moderator kündigte zudem eine Lyrikreihe in der kommenden Saison im Cuba mit Theresa Hahl an. Darauf können sich die Wortkunst-Fans schon freuen.

Ebeling amüsierte mit einem ostfälischen Klassentreffen, bevor Stein wortgewandt und humorvoll „Die relative Theorie von Raum und Stein“ frei vorstellte.

Im Finale bilanzierte Micha Ebeling über das „Ich kann nicht immer“ und Stein über die besondere Sportart „Lebenslauf“. Grandios, unterhaltsam, tiefsinnig, komisch.

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