Sechstes Stadtforum zum Thema Wirtschaft
Die Schwäche des Starken

Münster -

Munter ging es beim Stadtforum zum Thema „Facetten ökonomischer Stärke“ zu. Dabei war das Thema ernst – immerhin ging es um nicht weniger als die Zukunft der Stadt Münster.

Freitag, 30.08.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 01.09.2019, 16:44 Uhr
Wulf Schmiese (l.) beim Stadtforum im Gespräch mit Professor Klaus Selle.
Wulf Schmiese (l.) beim Stadtforum im Gespräch mit Professor Klaus Selle. Foto: Björn Meyer

Der Chef der ZDF-Sendung „heute-journal“, Wulf Schmiese, hatte als Moderator des sechsten Stadtforums, das unter dem Titel „Facetten ökonomischer Stärke“ firmierte, viel Lob mit nach Münster gebracht.

Eine Stadt, der es gut gehe – so etwas wie ein eigener Mikrokosmus, sei Münster, sagte Schmiese und vergaß nicht augenzwinkernd zu erzählen, wie er einst in einem Artikel über seine Geburtsstadt schrieb, dass Jagdausstatter und Juweliere hier morgens schon Kundschaft hätten. „Daniel Bahr hat mich damit immer aufgezogen.“

Differenzierter Blick auf seine Geburtsstadt

Doch Schmiese wäre nicht da, wo er heute ist, wenn er lediglich einen so einseitigen Blick auf die Dinge hätte. Das Bahnhofsprojekt sei ja nach geschätzten 30 Planungsjahren jetzt angegangen worden, die B 54 aber vermutlich immer noch dreispurig, sodass man manchmal überholen könne, manchmal aber auch nicht, sprach Schmiese vor zahlreichen Zuhörern auch die Behäbigkeit einer Stadt an, der es ja gut gehe.

In diese Kerbe schlug auch Professor Klaus Selle, Experte für Bürgerbeteiligung, der die Aussagen zahlreicher Münsteraner evaluiert hat. Möglicherweise, so stellte Selle vor prominenten Gästen wie dem Präsidenten der IHK Nord Westfalen, Dr. Benedikt Hüffer, und Oberbürgermeister Markus Lewe in den Raum, sei Münster zu saturiert und zu wenig resilient und innovativ.

Hochschule zu wenig mit Wirtschaft verzahnt

Die Hochschule sei nach Meinung einiger Bürger zwar wichtig, die Wissenschaft in der Stadt aber zu wenig mit der Wirtschaft verzahnt. Vielleicht, so Selle, habe die Stadt verlernt, wovon sie übermorgen leben könne.

Zu diesem Punkt hatte sich auch Lewe so seine Gedanken gemacht. Bilbao, so befand der Oberbürgermeister, sei ein gutes Beispiel. Dort habe man durch radikale Maßnahmen die Struktur der Stadt auf ein neues Level gehoben. Das Gegenbeispiel sei die ehemalige Automobil-Metropole Detroit.

Ökonomische Stärke ist facettenreich.

Oberbürgermeister Markus Lewe

„Ökonomische Stärke ist facettenreich“, so Lewe. Es gebe nicht nur eine Branche, und Prozesse würden sich stetig verändern. In Münster immerhin habe man mit der Batterieforschung großes Potenzial in die Stadt geholt. „Dass das ein Riesen-Ding ist, dafür sind drei jammernde Ministerpräsidenten ein guter Indikator.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6887800?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker