3000 Menschen ziehen durch die City
Christopher Street Day: Auch sie sind Münster

Münster -

1972 gab es die erste Demonstration für die Rechte von Schwulen in Münster. Damals gingen 200 Menschen auf die Straße, an diesem Samstag waren es laut Polizei beim Christopher Street Day rund 3000.

Sonntag, 01.09.2019, 16:45 Uhr aktualisiert: 04.09.2019, 09:55 Uhr
Rund 3000 Menschen zogen am Samstagnachmittag beim „Christopher Street Day“ durch die Innenstadt. Das Motto der Veranstaltung lautete „Wir sind Münster“.
Rund 3000 Menschen zogen am Samstagnachmittag beim „Christopher Street Day“ durch die Innenstadt. Das Motto der Veranstaltung lautete „Wir sind Münster“. Foto: Oliver Werner

Was 1969 in New York als Aufstand der Homosexuellen in der Bar „Stonewall“ anfing, ist heute für die Szene ein fester Termin im Jahr: der Christopher Street Day (CSD). Dabei spielt Münster für die schwul-lesbische oder queere Community eine besondere Rolle: Vor 47 Jahren fand hier die erste Demonstration für die Rechte von Schwulen statt.

Kein Wunder, dass es auch in diesem Jahr bei der Demonstration der queeren Gemeinschaft wieder bunt zuging. Dabei spielte es keine Rolle, ob Mann, Frau oder etwas dazwischen auf die Straße ging: „Wir stehen in einer Tradition, die wir mit der Demonstration ehren wollen“, betont Veranstalter Daniel Wilhelm. 1972 seien 200 Menschen auf die Straße gegangen, diesmal waren es laut Polizei rund 3000. Die Reaktionen der Passanten auf dem Prinzipalmarkt waren durchweg positiv, unabhängig vom Alter. „Das zeigt, wie bunt unsere Stadt ist“, freute sich eine Seniorin, die auf ihrem Rollator Platz genommen hatte und die bunte Demonstration genoss.

Demo 1972

Urheber der ersten Homosexuellen-Demo 1972 in Münster war die HSM, eine emanzipatorische Hochschulgruppe. Diese erste Homosexuellen-Demo wurde jedoch nicht als CSD bezeichnet, berichtet Daniel Wilhelm vom Verein CSD Münster e.V. Sie sei somit nicht als Übernahme eines amerikanischen Brauchs anzusehen, „sondern als eine dezidierte, politische Antwort auf den damaligen Aufstand, seine Folgen und die damaligen Verhältnisse in Deutschland und der Welt”. Dass eine solche Demonstration damals überhaupt möglich gewesen sei, bezeichnet Wilhelm als „Besonderheit der Stadt Münster”: „Es ist ein Grund auf seine Stadt und die damaligen Aktivisten stolz zu sein.”

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Christopher Street Day 2019

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Politik statt Parade

Dabei unterschiedet sich der CSD in Münster von Veranstaltungen anderswo: „Unser CSD ist keine Parade, wir sind sehr politisch“, so Wilhelm. Dabei lobte er die Westfalenmetropole: „Wir sehen uns in der Tradition der Protestbewegung, auch wenn es in Münster keine offene Diskriminierung gibt.“ Dennoch sei die Gleichberechtigung noch immer nicht so, wie man sie sich wünschen würde. „Es gibt noch unterschwellige Tendenzen, gerade im politischen Kontext, gegen die wir uns stellen.“ Man protestiere aber nicht um des Protestes Willen, sondern „wir wollen ins Gespräch kommen“. Dennoch betonte Wilhelm: „Münster ist der Olymp, aufgeräumt und sauber.“ Da könne man nicht meckern.

Das Motto lautete „Wir sind Münster“. Das war den Teilnehmern der Demo, die vom Aegidiimarkt über den Domplatz und den Ludgerikreisel bis zum Hafen ging, in Fleisch und Blut übergegangen. „Wir sind ein Teil der Stadt und haben auch nicht vor, im Abseits zu stehen“, so der Organisator. Dafür sprachen auch die Redner bei der Zwischenkundgebung. „Wir konnten sogar einen Aktivisten der ersten Demonstration für uns gewinnen. Das ist unser Glück, dass wir noch immer Zeitzeugen haben.“

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