SPD-Fraktionsvorsitzender kandidiert
Jung will Oberbürgermeister werden

Münster -

Ein erster Herausforderer für die Oberbürgermeisterwahl im Herbst 2020 wagt sich aus der Deckung. Der Fraktionschef im Rat, Dr. Michael Jung, möchte für die SPD antreten.

Montag, 02.09.2019, 18:30 Uhr
SPD-Fraktionsvorsitzender kandidiert: Jung will Oberbürgermeister werden
Dr. Michael Jung Foto: Oliver Werner

"Ja, wir wollen eine Alternative zu Markus Lewe formulieren, den Anspruch hat die SPD als zweistärkste Kraft im Rat.“ Diesen Satz sprach der SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung bei einem Pressegespräch am Montag quasi in eigener Sache. Denn Jung sieht sich selbst als Alternative zum CDU-Oberbürgermeister Lewe und will deshalb bei der Oberbürgermeisterwahl im Herbst 2020 gegen ihn antreten.

Ob die münsterische SPD Jung offiziell ins Rennen schickt, entscheidet eine Mitgliederversammlung am 7. Oktober. Jung erklärte, dass er den Vorstand der münsterischen SPD über seine Bewerbung informiert habe. Nach Auskunft von Katharina Biegi, Geschäftsführerin des SPD-Unterbezirks Münster, ist Michael Jung bislang der einzige Bewerber. Der Vorstand, so Biegi weiter, habe Jungs Bewerbung „positiv“ aufgenommen. Weitere Bewerbungen mit Blick auf den 7. Oktober seien gleichwohl möglich.

Der Erste, der sich traut

Jung ist bislang auch der einzige Politiker, der öffentlich bekundet hat, gegen den Amtsinhalter Lewe antreten zu wollen. Während sich die  SPD am 7. Oktober festlegen möchte, wollen Münsters Grüne bis Ende des Jahres diese Personalfrage klären. Klar sei dabei, so der Kreissprecher Stephan Orth, „dass es eine Kandidatin oder Kandidaten geben wird“.

Kommentar: Lewe bleibt nicht allein

Die Oberbürgermeisterwahl 2020 hat die Münsteraner bislang kaum interessiert. Das dürfte sich jetzt ändern, denn mit dem SPD-Fraktionschef Michael Jung hat sich ein erster Herausforderer des Amtsinhabers Markus Lewe aus der Deckung gewagt. Bereits in der Ratssitzung am 11. September stoßen beide aufeinander. Jung dürfte es nicht leicht haben, 2020 eine Wechselstimmung zu erzeugen, denn dafür bräuchte er die Unterstützung der Grünen. Die Grünen indes sind ein Bündnis mit der CDU eingegangen. Jung muss darauf setzen, dass dieses Bündnis platzt. Klaus Baumeister

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In einem Brief an den münsterischen SPD-Unterbezirksvorsitzenden Robert von Olberg erinnert Michael Jung an die Wahl von Markus Lewe vor zehn Jahren. Seinerzeit habe er ein „Wohnquartier in der Gartenstadt am Stückgutbahnhof“ sowie ein „mit Wohnungen kombiniertes neues Südbad“ versprochen. „Nichts davon war ernst gemeint, nichts davon ist bis heute umgesetzt.“

Wohnungspolitik als Wahlkampfthema

Im Falle einer Nominierung als SPD-Kandidat möchte Jung die Wohnungspolitik in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes stellen. In den vergangenen fünf Jahren seien die Mieten in Münster um durchschnittliche 24 Prozent gestiegen, so seine Kritik. Damit wolle er sich nicht zufrieden geben, zumal es inzwischen eine spürbare Abwanderung junger Familien gebe.

„Konversion und Nachverdichtung reichen nicht“, hielt Jung der Stadtverwaltung vor. In diesem Zusammenhang brachte der SPD-Fraktionschef erneut die von CDU und Grünen abgelehnte Milieuschutzsatzung ins Spiel, welche in bestimmten Quartieren die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen verhindern soll.

Arbeitgeber über Ambitionen informiert

Darüber hinaus möchte die SPD laut Jung den Nahverkehr mit neuen Busspuren einem „Bus-Abo für einen Euro pro Tag“ stärken. Im Falle einer Nominierung sieht der Sozialdemokrat, seit 2013 im Amt des Fraktionschefs, „aufregende Monate“ auf sich zu kommen. Sein Arbeitgeber (Jung arbeitet als Lehrer am Annette-Gymnasium) sei über seine Ambitionen informiert, es sei sein Ziel, sehr umfangreich durch die Stadt zu ziehen und sich den Menschen vorzustellen. „Das ist anstrengend, macht aber auch Spaß.“

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