Hilfe für die hungrigen Raupenfresser
Projekt zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners

Münster -

Die Arbeitsgemeinschaft Betriebssozialarbeit an der Nieberdingstraße in Münster setzt ein Projekt zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners um. Es werden Nistkästen für Meisen und Fledermäuse gebaut.

Mittwoch, 04.09.2019, 12:00 Uhr
Torsten Schützmann (l.) und Dirk Bechatzek stellen die Nistkästen vor, die die Klienten der Arbeitsgemeinschaft Betriebssozialarbeit in größerem Stil anfertigen möchten.
Torsten Schützmann (l.) und Dirk Bechatzek stellen die Nistkästen vor, die die Klienten der Arbeitsgemeinschaft Betriebssozialarbeit in größerem Stil anfertigen möchten. Foto: gh

Der Eichenprozessionsspinner war in diesem Jahr ein Dauergast auf dem Areal der Arbeitsgemeinschaft Betriebssozialarbeit (AG BSA) an der Nieberdingstraße in Münster. In einer riesigen Eiche vor dem Eingang waren mindestens drei Nester, erzählt Dirk Bechatzek. Einige Mitarbeiter und Klienten des Vereins, die mit den feinen Härchen der Raupen in Berührung gekommen waren, meldeten sich krank. Auch der Betriebsleiter litt unter den Folgen. Gleichzeitig kam ihm die Idee, etwas gegen den Eichenprozessionsspinner zu unternehmen.

Als eingetragener gemeinnütziger Verein mit mehr als 30-jähriger Tätigkeit für und mit Langzeitarbeitslosen in Münster setzt Dirk Bechatzek jetzt ein Projekt zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners um. „Für das kommende Jahr wollen wir jetzt auf dem eigenem Betriebsgelände möglichst viele ökologische Maßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner vorbereiten und umsetzen.“

Tischler Torsten Schützmann hat mit einigen Klienten bereits erste Nistkästen für Meisen und Fledermäuse gebaut. Meisen und Fledermäuse gelten als erfolgreiche Fressfeinde der Raupen sowie der Motten, so der Betriebsleiter. Ein großes Insektenhotel soll außerdem Insekten anlocken. In erster Linie hat es der Betriebsleiter auf die Schlupfwespe abgesehen, die als parasitärer Feind des Eichenprozessionsspinners gilt. Außerdem pflanzt der 53-Jährige jetzt Pflanzen und hofft, dass das ökologische System an der Nieberdingstraße im kommenden Jahr funktioniert.

Nistkästen sollen stadtweit eingesetzt werden

Bechatzek möchte das Projekt des Vereins, dessen Aufgabe seit rund 35 Jahren die soziale und berufliche Integration arbeitssuchender Menschen ist, gerne ausweiten. Das Projekt in den eigenen vier Wänden ist der Anfang. Der Betriebsleiter hofft, dass künftig stadtweit ihre stabilen Nistkästen eingesetzt werden. Er wirbt für die ortsnahe Produktion aus Material, das zum größten Teil sonst weggeschmissen würde.

Rund 30 Langzeitarbeitslose Klienten werden zurzeit von der AG BSA in Münster betreut. „Jeder von ihnen hat eine eigene Geschichte“, sagt der Betriebsleiter.

Einige schwärmen morgens aus, um beispielsweise Müll aufzusammeln oder Papier aufzuheben und den Kanalseitenweg zu reinigen. Über praktisches Arbeiten werden die individuelle Leistungsfähigkeit trainiert, Kenntnisse aufgefrischt und persönliche Lebenssituationen stabilisiert, erklärt Bechatzek. Einer der Auftraggeber ist etwa das Jobcenter. Ziel sei es, die Klienten in einen festen Job zu bringen oder zu qualifizieren. Alle seien froh, im Rahmen ihrer Arbeit endlich mal wieder Kollegen zu haben und Kundenaufträge erfüllen zu können.

Dirk Bechatzek, seit 2018 Betriebsleiter, ist gelernter Elektroinstallateur und Sozialarbeiter. Insgesamt beschäftigt die Arbeitsgemeinschaft zehn Mitarbeiter.

So werden Eichenprozessionsspinner bekämpft

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  • Was tun gegen die Gespinste des Eichenprozessionsspinners? So gehen Profis vor:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit Schutzanzügen bekleidet lassen sich die Schädlingsbekämpfer – hier vom Unternehmen „AstWerk“ per Hubwagen in die Baumkronen hieven.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein Haarspray kommt zur Fixierung des Gespinstes zum Einsatz.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Dann wird das Nest von Hand abgenommen...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...und in einer Plastiktüte verpackt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine weitere Möglichkeit zur Entfernung der Nester: Absaugen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit einem Industriestaubsager werden die Gespinste entfernt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Anschließend werden die betroffenen Stellen an der Eiche gründlich abgesaugt und mit einem Haarspray imprägniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 40 bis 50 Nester können von einer Kolonne am Tag beseitigt werden.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Eichenprozessionsspinner werden samt ihrer reizenden Brennhaare entsorgt.

    Foto: Matthias Ahlke
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