Sein Herz hing am Karneval
Rudi Grevsmühl im Alter von 89 Jahren gestorben

Münster -

Der bekannte münstersche Büttenredner Rudi Grevsmühl, der seit den frühen 1950er-Jahren das karnevalistische Geschehen in Münster begleitete und später auch in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens bekannt war, starb am vergangenen Montag im Alter von 89 Jahren. Ein Nachruf.

Samstag, 07.09.2019, 11:00 Uhr
Zeitweise war Rudi Grevsmühl das Gesicht des münsterländischen Karnevals. Am Montag verstarb er im Alter von 89 Jahren.
Zeitweise war Rudi Grevsmühl das Gesicht des münsterländischen Karnevals. Am Montag verstarb er im Alter von 89 Jahren. Foto: Dieter Klein

Grevsmühl wurde am 21. März 1930 in Münster geboren. Er besuchte das Hittorf-Gymnasium und legte dort das Abitur ab. Anschließend absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann und war die längste Zeit seines Berufslebens bei der „Bank für Gemeinwirtschaft“ in Münster tätig. Zuletzt arbeitete er bei der Volksbank in Nottuln.

Grevsmühls umjubelte Auftritte in der Halle Münsterland und bei zahllosen Galasitzungen sind gewiss vielen Münsteranern noch in bester Erinnerung. Der große Erfolg und die frühe Bekanntheit rührten vor allem daher, dass er in seinen Reden den hintergründigen Humor des Münsterländers mit viel Selbstironie und Bauernschläue darzustellen wusste. Das gefiel, und die Zuhörer lachten ja oftmals über sich selbst. Später kamen zeittypische Figuren wie etwa „Aushilfskellner“, „Gammler“, Gelegenheitsarbeiter“, „Straßenfeger“ und andere „Gestalten“ hinzu.

Gesicht des münsterländischen Karnevals

Humor und Alltagswitz allein, so sagte er 1967, reiche aber nicht. Er habe es sich zur Pflicht gemacht, regelmäßig lustige Begebenheiten aufzuschreiben. Und Grevsmühl wäre nicht Grevsmühl gewesen, wären ihm nicht die besten Szenen im Büro eingefallen, wie er gerne zugab.

Rundfunk und Fernsehen haben seine Karriere fraglos nachhaltig befördert, und er war wohl deshalb zeitweise auch das Gesicht des münsterländischen Karnevals. Seine ausgeprägte humoristische Ader erstreckte sich auch auf den privaten Bereich. „Rudi, erzähl mal“, hieß es so oft. Auf Stichworte hin konnte er ganze Gesellschaften unterhalten, und die Zuhörer bogen sich vor Lachen. Das machte ihn ausgesprochen sympathisch, er war außerordentlich beliebt.

Erinnerungen wachhalten

Als er nach dem Ende seines Berufslebens vermehrt als „Alleinunterhalter“ unterwegs war, konnte ihn auf einer Schiffsreise auch der Fastuntergang der „Maxim Gorki“ im Juni 1989 vor Spitzbergen nicht aus der Ruhe bringen. Obgleich es in den letzten Jahren ruhiger um ihn geworden war, hing sein Herz immer noch am Karneval. Dieser habe sich allerdings gegenüber seiner aktiven Zeit sehr verändert. Vieles war ihm zu kommerzialisiert.

Die Wiederholungen der Prunksitzungen in der Halle Münsterland, die der WDR gelegentlich sendet, werden die Erinnerungen an das Original Rudi Grevsmühl wachhalten.

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