Streitfall Musik-Campus
„Erst ist die Politik am Zuge“

Münster -

Der geplante Musik-Campus beschäftigte erneut die Freunde und Förderer des Sinfonieorchesters Münsters auf ihrer turnusmäßigen Jahresversammlung. So ganz einig ist man sich hinsichtlich des Standorts immer noch nicht. Jetzt gilt aber erst einmal die Marschroute, die Entscheidung des münsterischen Rates im Oktober abzuwarten.

Sonntag, 08.09.2019, 17:30 Uhr aktualisiert: 10.09.2019, 19:19 Uhr

„Streitet euch, aber bleibt nah beieinander“, riet ein Vereinsmitglied den Zuhörern im Saal. Denn am Ende wurde die Diskussion durchaus emotional; was nicht verwundert – sind doch seit dem Scheitern der geplanten Musikhalle mittlerweile über zehn Jahre ins Land gegangen. In der Folge entstand 2009 der Verein der Freunde und Förderer des Sinfonieorchesters Münster, der am Sonntag zur Mitgliederversammlung ins Theaterfoyer geladen hatte.

Konnte man sich zu Beginn noch über die Konzert-Highlights freuen, die Generalmusikdirektor Golo Berg für die kommende Spielzeit ankündigte, so wurde am Ende kontrovers über das Thema Musik-Campus an der Hittorfstraße diskutiert. Dieser soll die musikalischen Kräfte und Institutionen Münsters mit allen Synergie-Effekten an einem Standort bündeln und überdies als Kongress-Zentrum dienen. Dirigent und Orchester favorisieren diese Lösung eindeutig – und die Vereinsmitglieder scheinen in großer Zahl ähnlich zu denken, wenn man den langen, rauschenden Beifall für Golo Bergs „Campus-Appell“ als Indikator nimmt. Orchester-Musikerin Renate Fischer wies außerdem auf die vorzügliche Verkehrsanbindung am Coesfelder Kreuz hin.

Andere Aspekte oder auch Bedenken kamen von einigen Vereinsmitgliedern aber durchaus, und insbesondere der Vorstand wollte kein so eindeutiges Bekenntnis zum Campus-Konzept ablegen – schon gar kein „offizielles“, wie von einer Dame aus dem Verein gefordert. Der Vorsitzende Dr. Heiko Winkler bezweifelte, dass ein Saal mit Weltklasse-Akustik ähnlich wie in Dortmund auch als Kongress-Saal tauge – was vom Dirigenten entschieden zurückgewiesen wurde: „Wir haben den besten Akustiker in Deutschland planend einbezogen – ich bürge dafür, dass die Lösung unproblematisch ist.“

Prof. Klaus Anderbrügge (Musikhallen-Verfechter der ersten Stunde) mahnte zu Gelassenheit: Man habe sich zurzeit aus der Standort-Frage herausgezogen. Nun sei erst einmal die Politik am Zuge. Erst die Ratssitzung am 9. Oktober werde erweisen, ob die Politik dem ganzen Konzept seinen Segen vielleicht doch versage oder einen anderen Standort präferiere. Überdies seien weder das Trägermodell noch die Finanzierung geklärt. Seit drei Jahren sei das von Oberbürgermeister Lewe und der damaligen Uni-Rektorin Ursula Nelles vorgestellte Konzept nicht vorangekommen. Aber: „Das Thema ist hoffentlich nicht mehr vom Tisch zu bekommen.“ Anderbrügge riet zur Gelassenheit.

Zuvor war Dr. Susanne Schulte für ihre zehn engagierten Jahre im Vorstand – den sie nun verlässt – mit einem Blumenstrauß gedankt worden. Dankbare Worte fand Golo Berg ebenfalls für sein Orchester: „Wir sind zu einer Einheit zusammengewachsen.“ Gleichwohl müsse das Orchester „nahbarer“ werden. Denn die Gefahr, als Hüter eines geistigen Erbes elitär zu wirken, sei stets gegeben.

Die Spielzeit 2019/20 wird teilweise noch im Zeichen der Jubiläen und der münsterschen Komponisten stehen, darunter der legendäre, Jazz-affine Kauz „Moondog“, der in Münster begraben ist. Aber auch das Beethoven-Jahr 2020 wird Konzert-Höhepunkte zu Ehren des „Titanen“ zu bieten haben.

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