Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern
Urteil könnte früher fallen

Münster -

Eine angeklagte Tat weniger, ein überraschender Zeuge, weitere Ermittlungen – auch wenn der Prozess gegen drei Männer, denen schwerer sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen wird, weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, brachte auch der dritte Verhandlungstag neue Erkenntnisse.

Dienstag, 10.09.2019, 17:53 Uhr aktualisiert: 10.09.2019, 18:13 Uhr
Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern: Urteil könnte früher fallen
Vor dem Landgericht fand am Dienstag der dritte Verhandlungstag im Prozess um schweren sexuellen Missbrauch von Kindern statt. Foto: Rieke Tombült

Immer wieder wischt sich Johannes J. in den wenigen Momenten, in denen am Dienstag der dritte Verhandlungstag am Landgericht öffentlich ist, Tränen aus den Augen. J. ist der Hauptangeklagte im Prozess gegen drei Männer, denen die Staatsanwaltschaft Münster schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vorwirft.

Über seine Anwältin lässt der Münsteraner der Vertreterin der vier Nebenkläger mitteilen, dass der Junge, der am Vortag in den Zeugenstand musste, keinen Grund habe, Angst vor wie auch immer gearteten Folgen seiner Aussage haben zu müssen. Diese Angst hatte das mutmaßliche Opfer am Vortag demzufolge geäußert.

Mitangeklagte bestreiten Taten weiterhin

Während der geständige Hauptangeklagte scheinbar Reue empfindet, streiten die Mitangeklagten aus Münster und Everswinkel weiterhin die eine ihnen jeweils vorgeworfene Tat ab. Bei denen, die dem Prozess beiwohnen, sorgt das merklich für Unverständnis. Zumal sich offenbar auch die Aussagen der Zeugen mit denen des geständigen Hauptangeklagten übereinbringen lassen. Die Verteidigung will sich dazu nicht äußern.

Zudem wird am Dienstag ein 19-Jähriger in den Zeugenstand gerufen. Auch er könnte sexuellen Kontakt zu den Angeklagten gehabt haben, formuliert die Richterin, bevor die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird – wohlgemerkt: „zu den Angeklagten“. Die Vorfälle sollen bereits einige Jahre zurückliegen, also weit früher als die angeklagten Taten stattgefunden haben. Gegenstand einer Anklage sind die Vorfälle nicht, da offenbar nicht festgestellt werden kann, wie alt der junge Mann zu dem fraglichen Zeitpunkt war. Ob 13 oder 14 Jahre alt, die Grenze zwischen Kind und Jugendlichem, macht einen gewaltigen Unterschied. Sex mit unter 14-Jährigen ist nach deutschem Recht stets strafbar.

Ein Tatvorwurf herausgelöst

Ob diese Altersgrenze überschritten war, ist offenbar auch bei einer der angeklagten Taten nicht eindeutig. Diese, die im Zusammenhang mit Johannes J. steht, wurde daher aus der Anklage herausgelöst und das Verfahren vorläufig eingestellt.

Weiter ermittelt wird dagegen im Fall eines vierten Verdächtigen, der bei der Stadt Münster beschäftigt war. Zudem werden die Rechner der Angeklagten nach belastendem Material durchsucht.

Derweil drückt die Kammer aufs Gaspedal. Gut möglich, dass die Vernehmungen zweier Polizistinnen auf den kommenden Termin am 18. September vorgezogen werden. Möglich, weil keine weiteren Jungen vernommen werden sollen. Das Verfahren könne eventuell gestrafft werden, so die Vorsitzende Richterin. Neben dem 18. wurden ursprünglich Termine für den 23., 25. und 26. September angesetzt.

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