Städtisches Umweltprojekt
Familie Radefeld im Urlaub

Münster -

Die vier Kinder der Radefelds lassen sich vom klimaschonenderen Alltag immer mehr überzeugen. Es gibt allerdings auch Bereiche, da sieht die Familie, die an einem städtischen Pilotprojekt teilnimmt, noch viel Arbeit auf die Politik zukommen, damit ein klimaschonendes Verhalten überhaupt praktikabel wird.

Samstag, 14.09.2019, 19:00 Uhr
Im neuen Hochbeet im Garten der Radefelds, hier (v.l.) Mutter Sibylle, Tochter Leni und Vater Jürgen, soll ab dem kommenden Jahr das eigene Gemüse sprießen.
Im neuen Hochbeet im Garten der Radefelds, hier (v.l.) Mutter Sibylle, Tochter Leni und Vater Jürgen, soll ab dem kommenden Jahr das eigene Gemüse sprießen. Foto: Björn Meyer

Seit rund neun Monaten läuft das städtische Projekt „Reallabor klimafreundliche Entscheidungen“ nun. Haushalte konnten sich im Vorfeld melden und bekommen nun, wenn ausgewählt, von lokalen Anbietern stetig Angebote über möglichst klimafreundliche Lösungen für ihren Alltag.

Bei Familie Radefeld aus Mecklenbeck hat sich in diesem Zeitraum viel getan. Mehr Fahrrad, weniger Verpackungen, weniger Fleisch. Vor allem diese drei Punkte haben Jürgen und Sibylle Radefeld mehr und mehr in ihren Alttag integriert – und damit mittlerweile auch die zu Beginn skeptischen Kinder weitgehend überzeugt. Teenager-Tochter Lotta, Schülerin der Friedensschule, möchte sich etwa für weniger Fleisch in ihrer Schulkantine einsetzen. „Dass Lotta, die am Anfang ja kritisch war, sich der Sache öffnet, finde ich richtig klasse“, ist Mutter Sibylle hörbar stolz.

Umweltfreundliche Ernährung

Weniger Freude hat den Radefelds bislang ihre neue Photovoltaik-Anlage auf dem Dach gemacht – allerdings vor allem, weil die noch nicht so schnell in Betrieb genommen werden konnte, wie erhofft. Dieser Tage soll sie nun endlich laufen und dafür sorgen, dass der Stromzähler im Stillstand verharrt.

Doch zurück zum Alltag – wiederverwendbare Brotbeutel und Fahrradfahren gehören bei den Radefelds längst zum Standard. Doch über die vergangenen Monate ist eine weitere Erkenntnis gereift: „Ich dachte immer, Autofahren ist im Alltag das Schlimmste für das Klima. Aber noch viel entscheidender ist der Aspekt Ernährung“, sagt Sibylle Radefeld.

Urlaub in Frankreich

Aufschlussreich sei für die sechsköpfige Familie auch der gemeinsame Urlaub in Frankreich gewesen. Zunächst einmal ging es natürlich um die Reise dorthin. Man habe geschaut, wie man mit dem Zug das Ziel erreiche. Doch letztlich wäre die Unternehmung auf diesem Wege so kompliziert gewesen, „dass wir dann doch mit dem Auto hingefahren sind und vor Ort natürlich auch Ausflüge damit gemacht haben“, gesteht Sibylle Radefeld.

Während ihres Aufenthalts bekamen die Radefelds dann vor Augen geführt, worin die Franzosen den Deutschen weit voraus sind. Vor allem was Verpackungsmaterial angehen würde, gebe es auch in großen Supermärkten viele unverpackte Waren. „Da sind die wirklich gut aufgestellt“, sagt Sibylle Radefeld. Andererseits gebe es für Flaschen kein Mehrwegsystem, und das Wasser aus dem Hahn wiederum habe in der Bretagne chlorhaltig geschmeckt.

Arbeit für die Politik

Auffällig zudem: „Die Franzosen fahren kleinere Autos. Da ist uns noch mal aufgefallen, wie wichtig uns das Auto in Deutschland als Statussymbol ist.“ Auch das Tempolimit auf der Autobahn habe zu einem entspannten Reisen geführt.

Wieder zurück in Deutschland geht es für die Radefelds weiter um das Verstetigen eines klimaschonenderen Alltags. Das, so Sibylle Radefeld, sei manchmal mühselig – nicht zuletzt auch, weil die Politik mit ihren Konzepten häufig nicht weit genug vorne ansetze. „Dabei“, sagt Tochter Lotta, „geht es doch um meine Zukunft.“

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