Mieterinnen drohte Zwangsräumung
Mordkommission ermittelt nach Gasexplosion in Wohnhaus

Münster -

Bei einer Gasexplosion in einem Wohnhaus an der Straße Am-Max-Klemens-Kanal sind am Mittwochmorgen nach Polizeiangaben insgesamt fünf Personen verletzt worden, zwei Pferde wurden getötet. In dem Gebäude war eine Zwangsräumung geplant. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Bewohnerinnen die Explosion absichtlich herbeigeführt haben.

Mittwoch, 18.09.2019, 18:40 Uhr aktualisiert: 18.09.2019, 18:46 Uhr
Mieterinnen drohte Zwangsräumung: Mordkommission ermittelt nach Gasexplosion in Wohnhaus
In diesem Wohnhaus hat es am Mittwochmorgen eine Explosion gegeben. Foto: Helmut P. Etzkorn

Weil die Mietschulden hoch waren, musste als letztes Mittel die Zwangsräumung vollstreckt werden. Als die Gerichtsvollzieherin am Mittwoch gegen 9.30 Uhr in Begleitung von drei Polizisten auf das schmucke, allein stehende  Fachwerkhaus mit kleinem Reitstall nebenan an der Straße Am Max-Klemens-Kanal zwischen Kinderhaus und Sprakel zugeht, kommt es plötzlich zu einer ohrenbetäubenden Explosion mit einer enormen Druckwelle.

Scheiben klirren, Teile der Fassade brechen ein, und der Dachstuhl steht in Flammen. Die Gerichtsvollzieherin bleibt zum Glück unverletzt, und auch ihre drei uniformierten Begleiter kommen mit leichten Blessuren davon. Schlimmer steht es um die beiden 67 und 38 Jahre alten Mieterinnen, die offenbar beim Eintreffen der Beamten im Gebäude mehrere Proplanglasflaschen entzündeten und sich so das Leben nehmen wollten. Sie erleiden bei dem heftigen Feuer schwere Brandverletzungen, der Zustand der jüngeren Frau soll nach Angaben eines Feuerwehrarztes vor Ort kritisch sein.

Streit zwischen Vermieter und den Frauen

Es soll seit längerer Zeit Streit zwischen dem Vermieter und den beiden Frauen gegeben haben. Schließlich setzte der Gläubiger per Gerichtsbeschluss die Zwangsräumung durch. Das bestätigte der stellvertretende Leiter des Amtsgerichts Münster, Matthias Bieling, auf Anfrage dieser Zeitung.

Die Feuerwehr und die Einsatzleitung von Dr. Jürgen Langenberg rückt mit fünf Löschzügen und rund 80 Helfern an, kann aber zunächst das brennende Gebäude nur aus sicherer Entfernung beobachten. Zu groß ist die Gefahr, dass es zu weiteren Explosionen kommt, weil immer noch Gas ausströmt.

Zwei Pferde eingeschläfert

Die beiden Frauen werden schließlich von den Einsatzkräften gerettet und durch Notärzte betreut. Zwei Pferde, die bei der Explosion in der Nähe gestanden haben, müssen von einem Amtstierarzt eingeschläfert werden.

Weil die Wasserversorgung an dem frei stehenden und von Bäumen umsäumten Gebäude schwierig ist, werden lange Schlauchleitungen bis zu einem  Hy­dranten an der Sandruper Straße gelegt.   

Straße lange gesperrt

Die Polizei sperrt die Straße bis zum Abend komplett, weil zahlreiche Löschfahrzeuge dort in Bereitschaft stehen. Noch am Mittag wird eine durch die Polizei eine Mordkommission unter Leitung von Joachim Poll eingesetzt. „Es gibt Hinweise darauf, dass die Bewohnerinnen die Explosion absichtlich herbeigeführt haben“, so Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. Ermittelt wird deshalb wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit dem Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und versuchter Todesfolge.  Weil die Frauen aktuell nicht vernehmungsfähig sind, müssen die Ermittler auf weitere Hinweise und die endgültige Motivlage noch warten.

Die Feuerwehr kann bis zum Mittag ein halbes Dutzend Gasflaschen aus dem Haus holen und somit weitere Explosionen verhindern. Um die schwer zugänglichen Glutnester im Dach zu ersticken, wird mit Schaum gelöscht. Am Nachmittag beginnt ein Bagger damit, die Reste des Gebäudes abzubrechen. Neben der Ruine liegt ein haushoher Schuttberg. Mehr bleibt nicht übrig.

Hinweis:

Ursprünglich wurde von drei Verletzten berichtet. Die Feuerwehr hatte angegeben, dass nur ein Polizeibeamter bei der Zwangsräumung anwesend war und verletzt wurde.

Der Pressekodex sieht vor, dass über Suizide oder Suizidversuche zurückhaltend berichtet wird. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände. Grund für die Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Selbsttötungen. Daher halten wir uns mit Details über den Vorfall zurück.

Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge . Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten. Ergänzend können Sie das Angebot der Krisenhilfe Münster  (0251-519005) in Anspruch nehmen und dort bis zu zehn kostenlose persönliche Beratungstermine vereinbaren.

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