Pumpenhaus-Festival „Chinese Reflections“ mit „Destination“ eröffnet
Körperlichkeit als Kommunikationsmittel

Münster -

Gibt es eine universelle Ästhetik, oder ist sie kulturell vermittelt? Dieser Frage widmet sich der chinesische Choreograf Yang Zhen in seinem Tanzstück „Destination“, das am Wochenende im Pumpenhaus zu sehen war.

Sonntag, 22.09.2019, 15:20 Uhr aktualisiert: 28.09.2019, 15:12 Uhr
Szene aus Yang Zhens Tanzstück „Destination“
Szene aus Yang Zhens Tanzstück „Destination“ Foto: Guo Yufeng

Den Fokus legt er dabei auf den Körper und seine Ausdrucksformen. Als Setting wählt er eine Schwulenbar, in der sich vier Tänzer körperbetont und offensiv präsentieren. Herausgekommen ist eine abwechslungsreiche, tänzerisch beeindruckende und mitunter witzige Vorstellung, die nicht nur die Frage nach der Ästhetik reflektiert, sondern auch, was es bedeutet, schwul zu sein.

Zwei der Tänzer kommen aus China, die anderen beiden aus dem Westen. Man sieht es ihnen an, und man merkt es zunächst auch an ihren Bewegungen. Es gibt machohafte Gebärden, aber auch zierliches, barock anmutendes Getänzel. Manche Figuren erinnern an Hip-Hop, andere an asiatische Gottheiten.

Allen gemeinsam ist aber ein deutliches Posieren, das darauf ausgerichtet ist, Aufmerksamkeit zu erregen. Körperlichkeit wird hier zu einem Mittel der Kommunikation, zu einer Art Kontaktaufnahme, die noch vor der verbalen Ansprache erfolgt. Oder diese ersetzt.

Was an den Bewegungen der Tänzer auffällt, ist eine enge Verzahnung von Impuls und Berechnung. Es sind schwule Codes, die hier zelebriert werden und die gleichermaßen absichtsvoll wie verinnerlicht wirken.

Ein Tänzer macht bewusst auf kess, gerät dann in ein selbstvergessenes Solo mit schwingenden Armen und stampfenden Beinen und setzt in seinem Überschwang sogar noch eine Pirouette drauf.

Später will er seine Kollegen anleiten. Sie tun es ihn nach, mixen dabei aber ihre jeweils eigenen Stile hinein, sodass aus der Vermischung von Fremdartigem und Vertrautem etwas Neues, Eigenständiges entsteht.

Dies sei der Kunst zu verdanken, wie ein anderer Tänzer in einer kurzen Ansprache erklärt. Er spricht von ihrer Macht und verfällt dabei unmerklich in den Verkündigungston eines Predigers.

Dieses Pathos nimmt sein Kollege auf, indem er mit dramatischen Posen zu einer nicht weniger dramatischen Opernarie tanzt. Dass er das mit heruntergelassenen Hosen macht, trübt den Gesamteindruck allerdings ein bisschen, passt aber zum Charakter des Stücks, das eher darauf ausgerichtet scheint, Frage aufzuwerfen als sie zu beantworten.

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