Atheater eröffnet Spielzeit mit „Frauheit“
Verletzlich und stark zugleich

Münster -

An einem Küchentisch finden sich am Premierenabend im ATheater drei junge Frauen zusammen. Im Geiste teilen sie ihren Platz mit der gesamten weiblichen Weltbevölkerung: Die Erzählungen über Gewalt und Repression, zu denen sie anheben, sind Zitate aus Gesprächen mit Frauen aus aller Welt, welche die aus Syrien stammende Schauspielerin Meghrig Aro geführt und zu einem 60-minütigen Theaterstück aufbereitet hat.

Sonntag, 22.09.2019, 15:20 Uhr aktualisiert: 28.09.2019, 15:12 Uhr
Meghrig Aro (Mitte) und ihre Mitspielerinnen Lea Harmel (l.) und Marianna Togias beim Schlussapplaus
Meghrig Aro (Mitte) und ihre Mitspielerinnen Lea Harmel (l.) und Marianna Togias beim Schlussapplaus Foto: Heidelbach

An der Seite ihrer Spielpartnerinnen Lea Harmel und Marianna Togias taucht Aro in ihre Schicksale ein, streift sich wahlweise traditionelle, verschleiernde Gewänder über, oder zeigt sich als femme fatale im Nachthemd.

Trotz des rasanten Wechsels von Szenen, Requisiten und Narrativen gelingt hierbei Erstaunliches: Ein inte-grer und einfühlsamer Umgang mit den dargestellten Lebensgeschichten, die zwar die Erfahrung patriarchalischer Gewalt teilen, in ihren jeweiligen Voraussetzungen aber durchaus variieren.

Gerade diese kulturelle Bedingtheit ist es, welcher Aros besondere Faszination gilt: So begleitet die in zwei Kulturen aufgewachsene Schauspielerin seit jeher die Frage, warum etwa manche Frauen arbeiten dürfen, andere jedoch nicht, und warum für manche das Urteil ihres Vaters entscheidet, wie sie sich kleiden, während andere anziehen, was sie wollen.

Um dies auf der Bühne darstellbar zu machen, genügt der Originalton der gesammelten Interviews vollkommen: Erwartungen und Vorurteile über das erzählende Ich trägt der Zuschauer von ganz allein heran, und so werden sie zugleich spielerisch entlarvt.

Das erklärte Ziel der Inszenierung, welche den Auftakt zur Spielzeit des noch jungen ATheaters bildet und durch die Frauenberatungsstelle Münster unterstützt wurde, ist jedoch nicht nur ein Moralisches oder Aktivistisches: Vielmehr erfüllt die nuancierte Spielweise der Akteure den Anspruch, ein (dreisprachiges) Manifest zur Wertschätzung der Frau und ihrer „Frauheit“ zu zelebrieren. Ob dieser versöhnliche Schluss im Sinne einer „work-in-progress“-Geschichte angezeigt ist, durfte in einer abschließenden Diskussion mit dem Publikum erörtert werden.

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