Friedrich Liechtenstein Trio in der Friedenskapelle
Mit der Seelenruhe der Selbstgewissheit

Münster -

Friedrich Liechtenstein, das ist die Lichtgestalt nebulöser Andeutung, der Wanderer zwischen den Zwischenwelten und Menschenfreund für jedermann. In der Friedenskapelle zelebrierte er seinen Auftritt in knallig-rotem Anzug mit der Seelenruhe unumstößlicher Selbstgewissheit. Er trat mit zwei Musikern auf die Bühne, um dann, während Arnold Kasar am Flügel einige Schmuseakkorde anschlug und Sebastian Borkowski auf der Querflöte narkotische Panflöten-Weisen imitierte, gemessenen Schrittes durch den Mittelgang Richtung Ausgang zu flanieren – und kurz vorm Verschwinden in hohepriesterlichem Wiegeschritt feierlich zurückzukehren. Dann intonierte Liechtenstein mit Kaminfeuerbariton sein „Bettina, we try this together“, das bei ersten Zuhörern ein wissendes Fan-Lächeln aufs Gesicht zauberte.

Montag, 23.09.2019, 17:58 Uhr aktualisiert: 28.09.2019, 15:12 Uhr
Friedrich Liechtenstein mit seinen beiden Musikern in der voll besetzten Friedenskapelle: links am Flügel Arnold Kasar, rechts am Saxofon Sebastian Borkowski.
Friedrich Liechtenstein mit seinen beiden Musikern in der voll besetzten Friedenskapelle: links am Flügel Arnold Kasar, rechts am Saxofon Sebastian Borkowski. Foto: Moseler

Im Hintergrund flimmerte ein Soundtrack wie akustischer Meerschaum. Bald schnalzte und krächzte Liechtenstein wie einst der Wunderdelphin „Flipper“, sang „Under the Stars“, hatte aber kleine Prisen Subversives in den Text gemischt: „Waren auch ein paar versaute Gedanken dabei“, gestand er. Lebensfreude und Sexus würden sich im Verlauf dieses Abends ewige Treue schwören.

Biografische Anteile an Songtexten verbarg Liechtenstein keine Sekunde lang, gebrummte Hinweise auf Künstlerfreunde, Bekanntschaften mit belgischen Tänzerinnen („Nancy, Doro. Louise!“) waren obligat. Er posierte: „Friedrich Liechtenstein war mein zweiter großer Lebensentwurf“, kündigte „Die Geschichte eines peinlichen Waldsees“ an, stieß ein kurzes Wolfsgeheul aus, suchte mit „der Taschenlampe Regenwürmer im Dunkeln“ und sah eine „Nackte Freundin im Schilf“. Er schwirrte vom Englischen ins Deutsche und vom Gespräch zum Gesang, als seien Hin- und Rückweg zu Beginn leitmotivisch zu verstehen gewesen. Damit man Liechtensteins Dada-Abrakadabra-Ironie nicht missverstand, versicherte der Meister von Zeit zu Zeit: „Ich mache mir schon Gedanken!“.

Die raueren Töne mied Liechtenstein meist. Die kleine Band lieferte diskrete Choreographien, wie auch Liechtenstein einen minimalen Aktionsradius pflegte. Einmal tänzelte er an die rechts und links außen positionierten Lautsprecherboxen, kehrte dem Publikum den Rücken zu und wackelte charmant mit den Pobacken – das Publikum geriet außer sich, als hätte Adonis alle Hüllen fallen lassen. Es war, als hätte ein Medium den Auftakt zu ewiger Glückseligkeit gegeben und singsangte Liechtenstein ein „Remember me, I‘m your lover“ hinterher. Unmöglich, ihn zu vergessen. Restlose Begeisterung.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6954024?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker