Missbrauchsprozess gegen drei Männer
Spät und tränenreich: Die Einsicht eines Täters

Münster -

Nach dem 38-jährigen Hauptangeklagten hat auch ein Mitangeklagter ein Vergehen eingeräumt. Unter Tränen gab er am siebten Verhandlungstag intime Details preis.

Donnerstag, 26.09.2019, 16:30 Uhr aktualisiert: 26.09.2019, 18:06 Uhr
 
Einer der drei Angeklagten, denen die Staatsanwaltschaft Münster schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vorwirft, gab am siebten Prozesstag intime Details preis. Zudem räumte er öffentlich eine Schuld ein. Foto: Oliver Werner

„Leute, die so etwas machen wie ich, sind im Gefängnis nicht . . .“, sagt der Angeklagte und stockt. Er muss nicht weitersprechen, alle im Gerichtssaal wissen, was er sagen möchte. Unter Tränen ist der 52-Jährige aus Everswinkel, einer von drei Männern, denen die Staatsanwaltschaft schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vorwirft, am Donnerstag auf die Vorwürfe gegen ihn sowie seine Situation eingegangen. Was die Zuhörer zu hören bekommen, ist nach allem, was bislang vom Prozess an die Öffentlichkeit gedrungen ist, geprägt von überraschender Einsicht.

Tätigkeit bei Feuerwehr und Hilfsorganisation

Das zu seiner Person vorgetragene Gutachten „war gut, dafür danke“, sagt der untersetzte Mann mit heiserer Stimme. Nur Details seiner Tätigkeit bei der Feuerwehr und einer Hilfsorganisation ergänzt er.

Danach eröffnet er dem Gericht sowie den Zuschauern, unter denen sich auch seine Ehefrau befindet, intime Details. Seine Familie, so sagt er, habe er über sein Ehrenamt vernachlässigt. Irgendwann habe seine Frau mitbekommen, dass er in ihrer Beziehung „nicht ehrlich gewesen“ sei. Nicht geschlossene Chats, Nachrichten auf seinem Mobiltelefon – weil die Ehefrau merkte, dass er sexuelle Kontakte zu Männern pflegte, habe man sich getrennt, und „wieder zusammengerauft“. Doch auch in der Folge habe er sich mit Männern getroffen – „leider“, schiebt er nach.

„Irgendwie wiedergutmachen“

Unter Tränen berichtet der Mann danach, wie die Familie zu ihm stehe. Besonders schwer sei die Sache für seinen Sohn. Dann kommt er auf die ihm vorgeworfene Tat im Zusammenhang mit einem Jungen zu sprechen. Nicht im Detail, doch für jeden im Saal wird deutlich, dass der Mann sich schuldig gemacht hat. Zu sehen, wie die Jungen hier gesessen hätten, die hasserfüllten Blicke der Väter – und vor allem die Aussage einer Mutter, das hätte ihn sehr mitgenommen, sagt er. Er wolle sich aufrichtig entschuldigen und es „irgendwie wiedergutmachen“, wie auch immer das gehen möge, formuliert er schluchzend.

Angeklager hofft auf Bewährungsstrafe

Sachlicher wird er, als es um seine persönliche Zukunft geht: „Beruf weg, Pensionsansprüche weg, Zukunft weg“, fasst er zusammen, „aber ich muss dazu stehen“. Er bringt seine Hoffnung auf eine Bewährungsstrafe zum Ausdruck. Nicht zuletzt weil seine Situation im Gefängnis von Angst geprägt sei, da sich herumgesprochen habe, warum er dort sei. „Ich verlasse meine Zelle nicht“, sagt er.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6959776?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker