„1648 – Dialoge zum Frieden“
Experten wagen den Blick in die Seele des Landes

Münster -

In den Friedensverhandlungen anno 1648 wurde die aus den Fugen geratene Welt wieder geradegerückt. Wäre das heute wieder nötig? Im Rathaus diskutierten Experten über den Zustand der deutschen Gesellschaft.

Dienstag, 01.10.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 02.10.2019, 18:32 Uhr
Wie geht es uns Deutschen? Darüber diskutierten (v.l.) Moderatorin Dr. Franziska Augstein, Prof. Dr. Ulrich Herbert, Prof. Dr. Susanne Schröter und Christian Schüle zwei Stunden lang sehr angeregt.
Wie geht es uns Deutschen? Darüber diskutierten (v.l.) Moderatorin Dr. Franziska Augstein, Prof. Dr. Ulrich Herbert, Prof. Dr. Susanne Schröter und Christian Schüle zwei Stunden lang sehr angeregt. Foto: Maria Conlan

Zwei Stunden für den Blick in die „Seele“ unseres Landes – das ist etwas zu kurz für Publizisten und Wissenschaftler, die viel zu diesem Thema zu sagen haben. Im gut gefüllten Rathausfestsaal teilten sich Prof. Dr. Susanne Schröter (Ethnologin, Anthropologin), der Historiker Prof. Dr. Ulrich Herbert sowie der Literat und Journalist Christian Schüle am Montagabend das Podium. „In welcher Verfassung sind wir?“ lautete der Titel ihrer Diskussion im Rahmen der Reihe „1648 – Dialoge zum Frieden“.

Moderatorin Dr. Franziska Augstein lobte zu Beginn Münster als Stadt, die den Titel Friedensstadt verdiene und eine ausgezeichnete Lokalpolitik vorweisen könne. Wachsender und schärferer Rassismus und Nationalismus bestimmten thematisch den Diskussionsbeginn. Ulrich Herbert betonte, dass 80 Prozent der Wähler nicht die AfD gewählt hätten und der Abstieg der Sozialdemokratie weltweit zu beobachten sei. Das Gefühl vieler Wähler, mental abgehängt zu sein, sei Ursache dafür, dass die Volksparteien Stimmen verlören, ergänzte Susanne Schröter. Christian Schüle hob hervor, dass Verlustängste auf Migranten projiziert würden. Schröter mahnte in diesem Zusammenhang, dass es an Wissen und Differenzierung mangele, gerade was den Islam betreffe.

Die Schnelligkeit der Medienkommunikation sei nicht gerade förderlich für fundierte Meinungsbildung und ausgewogene Streitkultur, da war sich das Podium einig. Ulrich Herbert meinte, dass gegen die wachsende soziale Schere etwas unternommen werden müsse und ernsthafte Probleme auch von den Parteien in den Vordergrund gestellt werden sollten, statt sich auf wenige Themenbereiche zu begrenzen. Austausch in heterogenen Gruppen sei hilfreich, hieß es.

Christian Schüle erinnerte in seinem Schlusswort daran, dass die frühkindliche Bildung enorm wichtig sei und Deutschland hier nicht genug Geld investiere. Das Ziel solle Chancengleichheit sein – nicht materiell, sondern als Perspektive gegen Extreme und Radikalisierung.

Dass auch die schulische Bildung nicht auf der Höhe der Zeit sei, ergänzte Susanne Schröter. Fehlende Chancengleichheit sei eine schlechte Voraussetzung für eine Gesellschaft, die wieder zusammen finden müsse.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6972730?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker