Oberbürgermeister-Kandidatur
Michael Jung fordert Lewe heraus

Münster -

Michael Jung will Oberbürgermeister von Münster werden. Die SPD-Mitglieder stellten den 43-jährigen Gymnasiallehrer am Montagabend als Kandidaten auf. Jung hat klare Vorstellungen davon, was sich in Münster ändern muss.

Montag, 07.10.2019, 21:56 Uhr aktualisiert: 07.10.2019, 21:58 Uhr
Blumen für den frisch gekürten OB-Kandidaten: Die frühere Oberbürgermeisterin Marion Tüns (l.), Bundesumweltministerin Svenja Schulze (2.v.l.) und SPD-Unterbezirksvorsitzender Robert von Olberg (r.) gratulieren Dr. Michael Jung.
Blumen für den frisch gekürten OB-Kandidaten: Die frühere Oberbürgermeisterin Marion Tüns (l.), Bundesumweltministerin Svenja Schulze (2.v.l.) und SPD-Unterbezirksvorsitzender Robert von Olberg (r.) gratulieren Dr. Michael Jung. Foto: Matthias Ahlke

Die Planung eines neuen Stadtteils für Münster, Busfahren für täglich einen Euro auf konsequent umgesetzten Busvorrangspuren, Vorrang für den Radverkehr und eine faire Prüfung eines Kultur- und Bildungsforums samt Volkshochschule auf dem Hörster Parkplatz: Der am Montagabend von der Parteibasis nominierte SPD-Kandidat für das Oberbürgermeisteramt, Dr. Michael Jung (43), setzt sich für neue Wege in der Wohnungspolitik, eine Verkehrswende und ein kommunales Investitionsprogramm ein. „Die Zeit ist reif für einen Wechsel. Dafür möchte ich kandidieren“, rief Jung den Mitgliedern zu, unter ihnen auch Marion Tüns, die vor 25 Jahren Münsters erste SPD-Oberbürgermeisterin wurde.

Auf den 124 gültigen Stimmzetteln hatten 109 Genossen mit Ja für eine Kandidatur von Jung für Münsters kommunales Spitzenamt 2020 gestimmt, elf votierten mit Nein, vier hatten sich enthalten. „Ich hoffe auf einen spannenden Wahlkampf, mit dem wir gemeinsam diese Stadt rocken wollen“, bedankte er sich für das Vertrauen. Jung war der einzige Bewerber um die SPD-Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters.

Ein Politikwechsel nach vier Jahren Stillstand durch CDU und Grüne gehe nur mit der SPD, sagte Jung. „Die Mieten sind gestiegen, die Staus werden immer länger, und auf das Südbad warten wir immer noch. Zeit, dass sich was ändert“, forderte er.

Oberbürgermeister-Wahl: Dr. Michael Jung tritt gegen Markus Lewe an

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Der Spitzenkandidat setzt auf neue Wege in der Wohnungspolitik. Eine Milieuschutzsatzung soll das massenhafte Umwandeln von Mietwohnungen in teure Eigentumswohnungen stoppen, ein zusätzlicher Stadtteil bezahlbares Wohnen und moderne Mobilität ermöglichen. Die Gründung einer Stadtentwicklungsgesellschaft soll Bodenspekulationen in Münster wirksam bekämpfen. Sie soll den neuen Stadtteil entwickeln, sozial bauen und Wohnen bezahlbar machen. „Was bei Windrädern funktioniert, klappt auch bei Wohnungen. Der freie Markt wird keine bezahlbaren Wohnungen schaffen“, sagte Jung.

Damit Münster nicht weiter im Stau erstickt, sollen die Straßen mit Busvorrangspuren umgebaut werden. Das Busfahren soll im Jahresabo nicht mehr als einen Euro am Tag kosten. „Ein vierspurige Ausbau des Kolde-Rings kommt auf keinen Fall mehr in Frage“, rief Jung den applaudierenden Mitgliedern zu. Zum Klimaschutzpaket des Kandidaten zählt auch, dass städtische Gebäude Vorbild in Sachen Klimaschutz werden.

 

 

Das ist der OB-Kandidat

Dr. Michael Jung ist gebürtiger Münsteraner und seit dem Jahr 2013 der Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtrat. Der 43-Jährige ist Lehrer für Latein und Geschichte am Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium, ledig und wohnt im Erphoviertel. Schon früh ist er nach eigenen Angaben zur Kommunalpolitik gekommen, seit 1997 ist Jung Mitglied der SPD. Bei der letzten Kommunalwahl im Jahr 2014 hatte er sein Ratsmandat im Wahlbezirk Pluggendorf direkt geholt.

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Jung fordert ein kommunales Investitionsprogramm für Münster, seit einer Generation seien keine größeren kommunalen Investitionen in der Altstadt mehr erfolgt. Er plädiert für einen Ort der Bildung mit der Volkshochschule und möglicherweise der Musikschule auf dem Hörster Parkplatz, was kon­trär zu den Plänen eines Musik-Campus an der Hittorfstraße steht. Jung forderte das Familienschwimmbad im Westen der Stadt ein und Investitionen in die digitale Zukunft. Neue Stadtteilzen­tren sollen Orte des Zusammenhalts sein. Symbol des Stillstands sei die Stadthalle Hiltrup, über deren Sanierung seit zwölf Jahren nur gesprochen werde.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze und SPD-Unterbezirksvorsitzender Robert von Olberg unterstützen die Kandidatur. „Münster braucht ein anderes Stadtoberhaupt: einen OB, mit dem man mehr machen kann als Bierchen trinken“, so die Ministerin. Auch von Olberg sieht Münster „unter Wert regiert“. Schwarz-Grün falle vor allem mit Dissens auf.  

Kommentar: SPD hat keine Wahl

Natürlich wäre Bundesumweltministerin Svenja Schulze das prominentere Aushängeschild. Natürlich wäre Münsters SPD-Parteichef Robert von Olberg, der im Bundestagswahlkampf überraschte, der smartere Kandidat. Fakt ist allerdings auch, dass die Partei mit dem Fraktionsvorsitzenden Dr. Michael Jung ihren in kommunalpolitischen Fragen stärksten Mann ins Rennen um das Oberbürgermeisteramt schickt. Anders als Amtsinhaber Lewe fliegen dem privat eher zurückhaltenden Jung nicht die Herzen zu. Um so mehr weiß der Gymnasiallehrer, der seine Fraktion mit harter Hand führt, schonungslos den Finger in politische Wunden zu legen. Seine Reden im Rat sind messerscharf. Schulze bleibt lieber in Berlin, von Olberg möchte unbedingt nach Berlin – die SPD muss vor Ort auf Jung setzen, dem selbst mindestens der repräsentative Teil des OB-Amtes nicht behagen dürfte. Zur Wahrheit gehört: Die Partei hat gar keinen anderen ernsthaften Kandidaten. Und auch Jung wird gegen Lewe, mit Blick auf jetzige Umfragewerte, nicht gewinnen können. Aber er wird ihm das Leben im Wahlkampf schwer machen. (Ralf Repöhler)

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