Freudloser „Konzeptbeschluss“ zum Musik-Campus im Rat
Standort weiter offen

Münster -

Die ersten Hürde hat der Musik-Campus am Mittwochabend im Rat genommen. Dabei zeigten sich aber grundlegend unterschiedliche Positionen der beiden Bündnispartner CDU und Grüne in der Angelegenheit.

Donnerstag, 10.10.2019, 06:30 Uhr
Ausgiebig wurde im Rat über den Musik-Campus diskutiert.
Ausgiebig wurde im Rat über den Musik-Campus diskutiert. Foto: Matthias Ahlke

Als sich die Oppositionsparteien allzu ausgiebig mit dem „Siechtum des grün-schwarzen Ratsbündnisses“ beschäftigt hatten, um eine Formulierung des FDP-Fraktionschefs Jörg Berens aufzugreifen, da sah sich GAL-Fraktionschef Otto Reiners genötigt, Klartext zu reden.

„Ich bin noch nicht beim Standort, ich bin noch nicht beim Geld“, sagte Reiners im Hinblick auf den mit den Stimmen von CDU und Grünen gefassten Beschluss zum Musik-Campus – bei Gegenstimmen aller anderen Parteien und einer Enthaltung des Linken Rüdiger Sagel.

Dass sich CDU und Grüne bei diesem Projekt nur auf einen Minimalkonsens einigen konnten, wurde bereits im Titel des Ratspapiers deutlich. Aus dem von Oberbürgermeister Markus Lewe angekündigten „Grundsatzbeschluss“ wurde ein schlichter „Beschluss“, Lewe selbst sprach sodann von einem „Konzeptbeschluss“.

Er sieht vor, dass die Westfälische Schule für Musik, die Musikhochschule der Universität und das städtische Sinfonieorchester räumlich zusammen geführt werden – und der geplante Campus um einen Konzertsaal ergänzt wird.

Standort-Option am Stadthafen 2 

Die CDU leitete daraus ein Bekenntnis zu dem von Lewe und dem Uni-Rektor Prof. Johannes Wessels erarbeiteten Plänen einschließlich der Festlegung auf den Standort Hittorfstraße ab. „Wer immer nur prüfen will, der blockiert“, so der CDU-Fraktionschef Stefan Weber.

Ganz anders sein Kollege Reiners, der sogar sagte, dass er sich den Musik-Campus auch am Stadthafen 2 vorstellen könne. Eine „vertiefende Standortuntersuchung“ stehe noch aus. Gleichwohl trage seine Fraktion, so Reiners, den Beschluss mit, um zu verhindern, „dass wir dem Uni-Rektor vor den Kopf stoßen“.

SPD und Linke zeigten sehr viel Sympathie für eine engere Zusammenarbeit der drei Kultur-Institutionen, ließen zugleich aber kein gute Haar an dem von der Stadtspitze vorgelegten Beschlusspapier, das zudem unmittelbar vor der Ratssitzung am Mittwochabend verändert wurde. Die SPD-Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson beklagte, dass viele „Fragen noch offen“ seien, der SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung meinte: „Es fehlt eine faire Prüfung aller vorliegenden Vorschläge.“

Begeisterung bleibt aus

Ohne auf die Kritik inhaltlich einzugehen, versuchte Lewe am Schluss, die bis dahin ausgebliebene Begeisterung zu entfachen: „Wir müssen mal wieder zeigen, dass wir etwas können.“

Für viele Ratsmitglieder gehört dazu offenbar auch die Erstellung vernünftiger Beschlusspapiere. „Eine substanzielle Beratung ist nicht möglich“, so Berens. Dem hielt CDU-Ratsherr Dr. Dietmar Erber entgegen: „Wenn der Campus nicht kommt, kommt auch nicht der Musiksaal.“

Kommentar

Immerhin ein „Ja, aber“

Wer ein beherztes Ja zu dem zukunftsweisenden Musik-Campus von Stadt und Universität, wo Musiker jeden Alters und jeder Professionalität lernen und spielen sollen, von Münsters Rat erwartet hatte, sah sich getäuscht. Zu viele große Fragen rund um das Millionenprojekt, vor allem die nach den Kosten, ließ die Verwaltung vor dem ersten Beschluss unbeantwortet, zu holprig war der Beratungsgang, inhaltlich zu dünn die Sitzungsvorlage. Das war fahrlässig.

Immerhin kam durch eine dieses Mal disziplinierte schwarz-grünen Mehrheit ein ausreichendes „Ja, aber“ zur Prüfung des deutschlandweit einzigartigen Zusammenspiels von Wissenschaft und Kultur heraus. Sonst wäre Münsters größtes Leuchtturmprojekt der letzten Jahrzehnte geplatzt, bevor es geplant worden wäre.

Das Signal an die Uni, die seit Langem bereit steht, und das Land NRW, das die Millioneninvestition größtenteils trägt, wäre fatal gewesen. Seit Jahren gibt es den Traum vom Musik-Campus. Höchste Zeit, dass die Stadt die Kosten ermittelt, die Finanzierung klärt, ein Träger- und Betreibermodell entwickelt. Und mit Fakten die Politik überzeugt.

Der Musik-Campus benötigt eine breite Mehrheit  – zumal CDU und Grüne, vor allem in der Standortfrage, noch großen Klärungsbedarf haben.

von Ralf Repöhler

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