Erster Schritt zum Musikcampus
Knapper Sieg über Zauderer

Münster -

Die erste Hürde für den Musikcampus hat der Rat der Stadt Münster knapp überwunden. Jetzt sind das Land NRW und die Universität am Zuge, dieses Signal aus Münster aufzunehmen. Das könnte ein spannender Planungsprozess werden. Vor allem: Endlich haben bei einem Großprojekt in Münster nicht die Zögerer und Zauderer das letzte Wort.

Donnerstag, 10.10.2019, 17:08 Uhr aktualisiert: 13.10.2019, 16:00 Uhr
Uni-Rektor Johannes Wessels wirbt für den Campus.
Uni-Rektor Johannes Wessels wirbt für den Campus. Foto: WWU Peter Wattendorff

Es war „Prime Time“ in Münsters Rat. Punkt 20.15 Uhr setzte die schwarz-grüne Mehrheit am Mittwochabend ein erstes Ausrufezeichen hinter den seit drei Jahren debattierten Musikcampus und eine jahrzehntelange Musikhallen-Diskussion. Vielleicht wird dieser Ratsbeschluss in vier, fünf Jahren in ein Leuchtturmprojekt münden, dann wird man sich auf die Schultern klopfen und diesen Tag in Münsters kulturpolitischer Geschichte nachträglich rot im Kalender markieren. Mal schauen.

So ganz nach schwergewichtiger Historie sah es im Rathaus noch nicht aus. Zumal die Vorlage vor diesem Entscheid kurzfristig noch einmal „abgespeckt“ und von einem Grundsatzbeschluss zu einem „Beschluss“ heruntergestuft worden war. Das sah nach Kosmetik und Taktik aus, um auch noch letzte Zweifler zum ersten Schritt zu ermutigen. Immerhin hieß es bei den Grünen, die trotz teils ätzender Kritik der Linken und der SPD durchhielten, dass das Ja zum Campus ein Ja zur Kooperation von Musikschule, Musikhochschule, Sinfonieorchester und freier Musikszene sei, damit aber noch kein Standort präjudiziert werde.

Am Ende sah sich Oberbürgermeister Markus Lewe, der das Projekt zuletzt mit Universitäts-Rektor Prof. Johannes Wessels stark vorangetrieben hatte, genötigt, noch einmal in die Bütt zu gehen, sprach von „kostbarer Allianz“, von der Strahlkraft und den Potenzialen der Hochschule, die für die Stadt nutzbar gemacht werden müssten, und wetterte gegen die „kleinkarierte Debatte“. In dieser taten sich kurioserweise SPD, FDP, Linke und AfD, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven zusammen. Die SPD, weil sie das Projekt, „zum jetzigen Zeitpunkt“ als vage und nicht beschlussreif betrachtete und eine realistische Finanzplanung vermisst, die FDP aus Sorgen um den Schuldenberg der Stadt, die Linke, weil sie das Projekt als „Lewe-Philharmonie“ wegpolemisieren wollte. Von CDU und Grünen kamen die Argumente „pro campo“: Die reichten von Synergieeffekten und Exzellenzpotenzialen eines solchen Musik-Zentrums bis hin zu dem jetzt in Düsseldorf erwarteten Signal: Münster will endlich!

Freilich: Die Beschlussvorlage enthielt immer noch viele „Sowohl-als-auch-Momente“ in Richtung Schlossplatz und Hörster Parkplatz. Doch selbst wenn der Standort noch nicht fest umrissen ist, kann sich jeder einen Reim darauf machen, dass Universität und Land kaum auf die Nutzung des eigenen Großgeländes an der Hittorfstraße verzichten würden. Ein knapper Sieg gegen das in Münster übliche Zaudern bei Großprojekten. Die Probleme kommen freilich noch. Von Kosten in der Höhe von 200 Millionen Euro ist die Rede, 60 bis 80 hätte die Stadt zu schultern. Standortfragen, Architekturwettbewerb, Betreiber- und Nutzungsmodelle: Es gibt noch viel zu tun.

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