13-jähriger Münsteraner will zur Trampolin-WM nach Tokio
Crowdfunding für große Sprünge

Münster -

Adrian Thomson hat sich mit 13 Jahren für die Jugend-Weltmeisterschaft im Trampolinturnen qualifiziert. Haken an der Sache: Die WM findet in Tokio statt. Damit der Münsteraner teilnehmen kann, fehlen 4000 Euro, die jetzt über Spenden zusammen kommen sollen.

Montag, 14.10.2019, 13:02 Uhr
13-jähriger Münsteraner will zur Trampolin-WM nach Tokio: Crowdfunding für große Sprünge
Foto: Stephen Thomson

Das Sprungtuch katapultiert Adrian Thomson meterhoch in die Luft. Unter dem Hallendach macht er eine Drehung, die für den Laien waghalsig aussieht, dem 13-Jährigen aber souverän gelingt. „Adrian ist mit dem Trampolin aufgewachsen“, erklärt sein Vater, Stephen Thomson, während des Trainings. Überall, wo die Familie lebte, habe es eins im Garten gegeben. Vor fünf Jahren meldeten ihn seine Eltern im Verein TG Münster an, wo sein Talent schnell erkannt wurde. 

Die WM-Chance ist zum Greifen nah

In diesem Jahr qualifizierte sich der Teenager, der sonst die achte Klasse des Annette-Gymnasiums besucht, für die Jugend-Weltmeisterschaft im Trampolinturnen. Ein großer Erfolg und eine noch größere Chance für den jungen Sportler, für seine Familie aber ist das neben aller Freude auch eine finanzielle Herausforderung. Denn die Kosten, um in Tokio dabei sein zu können, übernimmt der Deutsche Turnerbund (DTB) nur teilweise. 4000 Euro bleiben offen, um die elftägigen Reise für Adrian und seine Trainerin, Anmeldegebühren und Equipment zu bezahlen.

Familie Thomson setzt jetzt auf die Unterstützung der Öffentlichkeit. Mit einem Crowdfunding über die Online-Plattform fairplaid sammelt sie vom 14. Oktober bis zum 11. November Spenden für das Projekt „Adrian 2 Tokio“. Dann heißt es: Alles oder nichts. Nur wenn das Ziel von 4000 Euro komplett erreicht wird, erhält Adrian den Zuschlag, der ihn nach Tokio befördert. Bleibe die Spendensumme darunter, gebe es nichts und die Einzelbeträge würden an die Spender zurückgehen, erklärt Adrians Vater.

Erfahrungen sammeln und eine gute Leistung abliefern

Vergangenes Jahr hat Adrian erstmalig WM-Luft in Russland geschnuppert. „Die Halle war riesig, ich war sehr aufgeregt“, erinnert sich der junge Sportler. Mit dem Deutschen Bundeskader und Trainerin Sina Klabunde reiste er nach St. Petersburg, um sich in zwei Trampolindisziplinen dem internationalen Vergleich zu stellen. „Ich bin zufrieden mit meinem Ergebnis“, bewertet der Sportler seine 13. und 22. Platzierung. Klabunde ergänzt, „er hat seine beste Pflicht überhaupt geturnt“.

Die Chancen für Tokio schätzen Adrian und seine Trainerin realistisch ein: In der Altersgruppe der 13- und 14-jährigen gehöre Adrian zu den jüngeren, das sei ein Nachteil. Es gehe also vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln und eine gute Leistung abzuliefern.

„Es hat mich einfach gepackt“

Um dieses Ziel zu erreichen wird Adrian weiterhin bis zu fünfmal in der Woche trainieren und sich in luftige Höhen begeben. Ursprünglich habe er nicht öfter als zweimal wöchentlich Training haben wollen, lacht Adrian. „Aber nach einem Trainingslager, in dem ich in kurzer Zeit neue Sprünge geknackt habe, hatte es mich einfach gepackt, ich war im Flow und wollte weitermachen.“ Schwierig sei nicht das Springen selbst, sondern die Angst vor dem Sprung zu überwinden.

Trampolin-Talent Adrian Thomson

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  • Der 13-jährige Münsteraner Adrian Thomson will hoch hinaus.

    Foto: Stephen Thomson
  • Auf dem Trampolin vollführt er akrobatische Kunststücke.

    Foto: Stephen Thomson
  • Bis zu fünfmal in der Woche geht es mit Trainerin Sina Klabunde in die Halle.

    Foto: Stephen Thomson
  • Beim Dehnen stellt Adrian seine Beweglichkeit unter Beweis.

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  • Erfolgs-Duo: 2018 schaffte es Adrian zur Jugend-WM nach St. Petersburg.

    Foto: Stephen Thomson
  • Im Sommer 2019 schaffte Adrian die Qualifikation für die Jugend-WM in Tokio.

    Foto: Stephen Thomson
  • Um die kostspielige Reise zu finanzieren, sammelt Adrian Spenden.

    Foto: Stephen Thomson
  • Das besondere an Adrians Leistung: Er schaffte es in den Bundeskader, obwohl er nicht in einem Leistungszentrum, sondern in einem normalen Turnverein (TG Münster) trainiert.

    Foto: Stephen Thomson
  • „Trampolin ist wie ein zweites Leben für mich, wo ich einfach immer frei bin”, sagt der Schüler des Annette-Gymnasiums.

    Foto: Stephen Thomson
  • Sein langfristiges Ziel: einmal bei Olympia dabei sein.

    Foto: Stephen Thomson

Das Trampolinturnen werde immer ein wichtiger Teil seines Lebens bleiben, schätzt der Gymnasiast, „das will ich machen solange es geht“. Geld verdienen könne man mit dem Sport aber nicht, merkt Adrians Vater an. Darum will der 13-Jährige neben dem Sport sein Abitur in Münster abschließen, was danach kommt, wisse er noch nicht genau: „Vielleicht irgendetwas mit Aktien?“, verrät er. Aber jetzt stehen erst einmal die Vorbereitungen für die Jugend-Weltmeisterschaft im Trampolinturnen an und das Fiebern auf ein Ticket nach Tokio.

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