Landgericht Münster
Betrugsprozess: Zu viel Bargeld ist verdächtig

Münster -

Häuser und Gehälter in bar bezahlen? Wer sich wegen Betrugs vor Gericht zu verantworten hat, darf sich nicht wundern, wenn es kritische Nachfragen dazu gibt.

Dienstag, 15.10.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 15.10.2019, 16:12 Uhr
 
  Foto: dpa

„Zäh wie Kaugummi“, so bezeichnete die Vertreterin der Staatsanwaltschaft das Strafverfahren gegen einen 68 Jahre alten Mann aus Ascheberg, einen 38-jährigen Mann aus Münster sowie einen 65 Jahre alten Mann aus Rumänien, die sich seit Anfang Juni vor der 12. Großen Strafkammer des Landgerichts wegen Untreue und Betrugs verantworten müssen.

Auch der jüngste Sitzungstermin war nicht von langer Dauer – und wurde bald auf kommenden Freitag vertagt. Zunächst hatte eine 38-jährige Zeugin ausgesagt, die mit ihrer Familie im Mai 2018 das Haus des Angeklagten in Drensteinfurt kaufen wollte. Allerdings habe sie davon Abstand genommen – weil der Angeklagte ihr aufgetragen hatte die Hälfte des Kaufpreises in Höhe von 320.000 Euro in bar zu bezahlen.

57.000 Euro in bar?

Im Anschluss wurden dem 68-Jährigen vom Gericht Bargeldzahlungen in Höhe von etwa 57.000 Euro vorgehalten, die er laut Polizeiermittlungen in den Jahren 2014 bis 2016 seiner damaligen Ehefrau habe zukommen lassen.

Es stand die Vermutung im Raum, dass die Frau – als Geschäftsführerin seiner Firma eingetragen, aber gleichzeitig mit einer Ausbildung zur Dolmetscherin befasst – nur als Strohfrau fungierte.

Bitte selber lesen

Als der Ascheberger die Bargeldzahlungen bestritt, verwies die Kammer auf einen Chat zwischen dem Angeklagten und seiner Ex-Frau, in dessen Verlauf vermutlich über diese Zahlungen gesprochen wurden. Da der Vorsitzende dieses private Gespräch nicht als Urkundsbeweis in die Verhandlung einführen wollte, bat er den 68-jährigen und seinen Pflichtverteidiger, den entsprechenden Teil der Akten selbst zu lesen und sich nach einer Unterbrechung dazu einzulassen. „Das gehört nicht in die Wirtschaftskammer“, so der vorsitzende Richter.

Gegen den Vorschlag wehrte sich jedoch der Pflichtverteidiger, der das Mandat erst seit Kurzem von seinem mittlerweile im Ruhestand befindlichen Vorgänger übernommen hat. Außerdem wunderte sich dieser über die Eile des Gerichts, da der Prozessverlauf ohnehin bereits sehr langwierig sei und außerdem noch auf ein Sachverständigengutachten gewartet werden müsse.

Der Vorsitzende entgegnete darauf, dass der langwierige Prozessverlauf auf das Verhalten des Angeklagten zurückzuführen sei.

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