Hawerkamp-Stipendiatin Vivian Malloy stellt aus: „süß – sauer“
Faszination der Abneigung

Münster -

Es gibt kein Oben ohne das Unten. Kein Licht ohne die Dunkelheit. Keine Zuneigung ohne Abneigung. Das ist Logik. Menschlich ist, nur das Schöne sehen zu wollen. Doch wer verdrängt, dämonisiert das Unschöne. Vivian Malloy schaut hin.

Donnerstag, 17.10.2019, 20:17 Uhr aktualisiert: 17.10.2019, 20:20 Uhr
Die Malerin, Zeichnerin und Fotografin Vivian Malloy zeigt in der Ausstellungshalle aktuelle Arbeiten, die im Rahmen ihres einjährigen Hawer­kamp-Stipendiums entstanden sind.
Die Malerin, Zeichnerin und Fotografin Vivian Malloy zeigt in der Ausstellungshalle aktuelle Arbeiten, die im Rahmen ihres einjährigen Hawer­kamp-Stipendiums entstanden sind. Foto: Gerhard H. Kock

Es gibt kein Oben ohne das Unten. Kein Licht ohne die Dunkelheit. Keine Zuneigung ohne Abneigung. Das ist Logik. Menschlich ist, nur das Schöne sehen zu wollen. Doch wer verdrängt, dämonisiert das Unschöne. Vivian Malloy schaut hin. Und bringt die Wahrnehmung aus den Tiefen ihrer Intuition auf die Leinwand. Die Hawerkamp-Stipendiatin zeigt in der Ausstellungshalle, was sie aus den beiden Triebkräften ihrer Kreativität geschöpft hat, dem unstillbaren Drang zu Malen und der Faszination für Empfinden von Abneigung in sich.

Stipendiatin Vivian Malloy stellt aus

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  • Foto: Gerhard H. Kock
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Dabei verblüfft Malloy gleich dreifach: durch ihre Bildfindung, ihre Technik und die schwer fassbare Ausdruckskraft ihrer Figuren. Die Künstlerin ist fasziniert vom menschlichen Körper mit all seinen Makeln, vom Menschen mit seinen schlechten Manieren, überhaupt für alles, was nicht perfekt ist: schiefe und kleine Zähne, Speckröllchen, Körperhaare allüberall, Pickel gelegentlich. Malloy ist es wichtig, den Betrachter an seine Gefühle und Empfindungen zu bringen. Das gelingt. Und sei es nur, dass ihn Widerwillen, Abscheu oder Ekel anfällt.

Das Geschlechtliche tritt natürlich immer wieder in den Vordergrund und verweist auf die Unergründlichkeit menschlichen Daseins. Vor einem Stern aus Jungenblau und Mädchenrosa betet eine Art Hermaphrodit. Aus dem Bauch hängt die Nabelschnur, bis sie sich in den Schamhaaren verliert, auf der Stirn des knabenhaften Antlitzes ist ein vulvaformiges drittes Auge. Rührt diese Figur an eine tiefe, existenzielle Zerrissenheit, lässt das Mädchen mit den Zöpfen Betrachter schmunzeln. Mit ausgestreckter Zunge empört sich hier ein Wesen in einem bürgerlichen Punktekleid mit aller selbstgefälligen Trotzigkeit – eine Wohlstandsgöre. Die Künstlerin indes gibt ihren Bildern keine Titel.

Das Foto einer toten Taube zeigt, dass Vivian Malloy nicht nur innere Bilder (nach einer ersten groben Zeichnung) auf die Leinwand bringt, sondern mit wachen Augen Motive ihrer Bildwelt auch im Außen findet. Wie dieser Vogel auf dem Rücken liegt, gleichen seine Flügel denen von Engeln. Der Kopf des Vogels ist rabenschwarz, weil er im Dunkel liegt. Hier verbinden sich Morbidität und Schönheit in einem Zufallsfund.

Neben den gezeichneten und kolorierten Bildern stellt Malloy ein Projekt vor: Bildelemente aus einem Porno-Heft der 70er Jahre (nackte Körper noch ohne Photo­shop) ausgeschnitten dienen als Ausgangspunkt für entlarvende bis humorvolle Figuren und Szenen.

Vivian Malloy zeichnet, seit sie sich erinnern kann, und hat das Jahresstipendium am Hawerkamp genutzt, um sich weiterzuentwickeln. Die klug gehängte Ausstellung zeigt, wie. Und es sei ein Faszinosum nicht vergessen: ihre Technik. Mit einem ordinären Kugelschreiber (!) vermag Vivian Malloy mit Sorgfalt, Präzision und Geduld Effekte aufs Papier zu bringen, die kaum von Aquatinta-Radierungen zu unterscheiden sind.

Zum Thema

Die Vernissage ist am Freitag (18. Oktober) um 19 Uhr in der Ausstellungshalle Hawerkamp 31. Die Ausstellung „süß – sauer“ ist bis zum 27. Oktober zu sehen. Es spricht Christiane Schöpper.

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