Esper Postma in der Ausstellungsreihe „Radar“
„Ich will den Kopf ...“

Münster -

Um die schöne Salome und Johannes den Täufer geht es in der aktuellen „Radar“-Ausstellung mit einer Installation von Esper Postma.

Freitag, 18.10.2019, 17:18 Uhr aktualisiert: 25.10.2019, 15:27 Uhr
Diese „Johannesschüssel“-Skulptur aus Eichenholz entstand um 1400.
Diese „Johannesschüssel“-Skulptur aus Eichenholz entstand um 1400. Foto: Hanna Neander

Den „Tanz der sieben Schleier“ nutzt die biblische Salome, um ihrem Stiefvater Herodes den Kopf zu verdrehen und dann etwas schier Unmögliches von ihm zu fordern: „Ich will den Kopf des Joachanaan!“, sagt sie und setzt durch, dass der gefangene Prophet – im Neuen Testament ist es Johannes der Täufer – enthauptet wird.

Der junge niederländische Künstler Esper Postma nimmt in seinem „Salome“-Beitrag zur Ausstellungsreihe „Radar“ (zwischen Landesmuseum und Westfälischem Kunstverein) Bezug zu filmischen Darstellungen aus dem 20. Jahrhundert von Regisseuren wie Pier Paolo Pasolini, die sich zum Teil auf Oscar Wildes oben zitierte Theaterversion beziehen: Das fünfminütige Video „Dance of the Seven Veils“ aus sieben Schichten, analog zu Salomes Schleiern, läuft auf der einen Seite des Raumes. Auf der anderen Seite taucht Postma tief ins Mittelalter ein: Eine Holzskulptur aus dem Museumsdepot, die er ans Licht des Ausstellungsraumes holte, zeigt den Kopf des Täufers auf der Schüssel, die bei Oscar Wilde und in der Oper von Richard Strauss geschmäcklerisch „eine Silberschüssel“ war. Das uralte Kunstwerk fand ursprünglich in Mysterienspielen Verwendung.

Es sind die unterschiedlichen Zeitschichten, die den Künstler interessieren, es mag auch der Perspektivwechsel vom Bibel-Blick auf den mutigen Propheten, der die Ehe von Salomes Mutter mit ihrem Schwager anklagt, zu den Wolllüsten des Herodes und seiner Stieftochter sein. Den Verbindungsweg zwischen Zeiten und Blickwinkeln markiert ein längliches skulpturales Etwas, das den Raum durchzieht: Esper Postma hat seine eigene Halswirbelsäule abgeformt und daraus einen Porzellanstrang „Glossolalia“ entwickelt, der immer wieder den Adamsapfel sichtbar werden lässt – und dessen einzelne Teile wie voneinander abgeschnitten aussehen.

Zum Thema

Esper Postma: „Salome“ im Rahmen der Kooperation „Radar“ von LWL-Landesmuseum und Westfälischem Kunstverein. Bis 19. Januar dienstags bis sonntags 11-19 Uhr

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