Gast von den Malediven bei Studentenverbindung
Ahmed Latheef: Botschafter  des  bedrohten  Paradieses

Münster -

Kaum ein Land ist vom Klimawandel so bedroht wie die Malediven. Der Botschafter des Inselstaates wirbt auch deshalb unverdrossen für seine Heimat.

Sonntag, 20.10.2019, 16:00 Uhr
Der Botschafter der Malediven in Berlin, Ahmed Latheef (M.), trug sich am Donnerstag ins Goldene Buch der Stadt ein. Empfangen wurde er von Ratsherr Hans Varnhagen (r.) Die Studentenverbindung Corps Rheno-Guestphalia hatte Latheef eingeladen.
Der Botschafter der Malediven in Berlin, Ahmed Latheef (M.), trug sich am Donnerstag ins Goldene Buch der Stadt ein. Empfangen wurde er von Ratsherr Hans Varnhagen (r.) Die Studentenverbindung Corps Rheno-Guestphalia hatte Latheef eingeladen. Foto: Oliver Werner

Ein Ort mit türkis schimmerndem Wasser, weißen Stränden, exotischer Natur und warmen Temperaturen – das ist die Inselgruppe Malediven, für Europäer ein Urlaubsparadies. Doch wegen ihrer Durchschnittshöhe von 1,5 Metern über dem Meeresspiegel sind die Malediven eine Region der Welt, die im Zuge des Klimawandels als erste regelrecht „untergehen“ könnte.

Von dieser Bedrohung sprach am Donnerstagabend der Botschafter des 500 000-Einwohner-Staates im Indischen Ozean, Ahmed Latheef, bei der Studentenverbindung „Corps Rheno-Guestphalia“. Latheef war der 23. Gast der Reihe „Münsteraner Botschaftergespräch“. Die Verbindung hatte ihn zu einem dreitägigen Besuch eingeladen.

Ökologisch bedroht

Die Höhe ihrer Inseln mache die Malediven „extrem verletzlich gegenüber Erderwärmung und Klimawandel“, erklärte Latheef in englischer Sprache. Der Botschafter referierte über Geschichte und Entwicklung seiner Heimat: „In den frühen 1970er-Jahren kamen knapp 100 Touristen zu uns. Im vergangenen Jahr waren es 1,4 Millionen.“ Was die wirtschaftliche Lage betreffe, sei die ehemalige britische Kolonie eine Nation „mittleren wirtschaftlichen Einkommens mit starken ökonomischen, sozialen und für die menschliche Entwicklung wichtigen Indikatoren“.

Latheef erklärte einerseits, dass die Malediven ökologisch bedroht seien. Andererseits warb er mit touristischen und ökonomischen Vorteilen um Investitionen, die „Menschen aus Deutschland und aus Münster“ tätigen könnten, wie er sagte, und sein Land voranbringen würden. Sinnbildlich ließ er als Teil seines Vortrags einen kommentarlosen touristischen Werbefilm abspielen.

Klimawandel sehr real

Auf Frage eines der rund 30 Teilnehmer im Saal, was die Malediven täten, um den Folgen des Klimawandels für sie zu begegnen, sagte Latheef: „Wir sind aufmerksam, bei allem, was wir tun, zum Beispiel beim Bau von Häusern. Und wir versuchen, uns in den internationalen Gremien mehr Gehör zu verschaffen. Wir sind optimistisch, dass die globale Gemeinschaft uns nicht alleine lassen wird“, so Latheef. „Im Notfall wäre es nicht so schwer, 500 000 Menschen umzusiedeln. Australien zum Beispiel hat noch viel Platz.“

Was für die Zuhörer etwas zynisch klingen konnte, erklärte sich in Latheefs Vortrag auch durch andere Aussagen: „Traurigerweise gibt es Menschen in der Welt, die sagen, der Klimawandel sei ein Scherz. Aber für uns auf den Malediven ist er sehr real. Wir erfahren ihn jeden Tag. Für uns ist er eine existenzielle Bedrohung“, so der Botschafter

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7009086?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker