Tagung zu Bildungschancen
Armer Stadtteil, schlechte Noten?

Münster -

Hat die Wohnlage in Münster Auswirkungen auf die Bildungschancen? 70 Fachkräfte aus der Sozial-, Bildungs- und Erziehungsarbeit haben sich mit dieser Frage im Begegnungszentrum Meerwiese auseinandergesetzt. Und kamen zu interessanten Ergebnissen.

Montag, 21.10.2019, 14:45 Uhr aktualisiert: 21.10.2019, 14:54 Uhr
Die Vorträge bei der Tagung zu Bildungschancen lösten lebhafte Diskussionen aus.
Die Vorträge bei der Tagung zu Bildungschancen lösten lebhafte Diskussionen aus. Foto: pd

Wie kann für Kinder aus Familien in schwierigen Lebensverhältnissen der Start in die Bildungslaufbahn gelingen? Was ist zu tun, damit sie zum Beispiel regelmäßig die Kita besuchen und die Chance auf Bildung nicht schon im Kindesalter verspielt wird? Mit diesen Fragen setzten sich im Begegnungszentrum Meerwiese 70 Fachkräfte aus der Sozial-, Bildungs- und Erziehungsarbeit auseinander.

Dr. Sebastian Kurtenbach (FH Münster) und Dr. Markus End (Gesellschaft für Antiziganismusforschung, TU Berlin) lösten mit einführenden Vorträgen eine lebhafte Diskussion aus, heißt es in einer städtischen Pressemitteilung.

Es braucht Startchancen

Bildungschancen hängen demnach nicht allein vom Einkommen der Eltern ab, sondern ebenso vom Lebensumfeld im Wohnquartier, so Kurtenbach in seinem Vortrag „Armer Stadtteil, schlechte Noten?“. Je länger Menschen in einem ausgegrenzten, „marginalisierten“ Wohngebiet lebten, umso eher fänden sie sich damit ab und arrangierten sich damit, dass etwa auch Bildung nicht ihre Sache sei.

Deshalb, so der Titel der Veranstaltung, braucht es für gute Startchancen „den ganzen Stadtteil“.

Dezidierte Position

Auch Angehörige der Bevölkerungsgruppen der Roma und der Sinti leben nicht selten unter prekären Verhältnissen in marginalisierten Wohngebieten. Wie kann die Sozialarbeit diese unterstützen, damit ihre Kinder Bildungschancen wahrnehmen? Markus End vertrat dazu eine dezidierte Position: Es gebe keine speziellen Probleme der Sinti- oder der Roma-Bevölkerungsgruppe. Wer davon spreche, „ethnisiere“ deren soziale Problemlage und bestätige alte Vorurteile.

Sozialarbeit solle sich nicht mit eigenen Programmen an Sinti oder an Roma wenden und sie damit erneut ausgrenzen. Fachkräfte sollten ihre Annahmen hinterfragen und die Lebenswirklichkeit im Wohnquartier berücksichtigen.

Nächste Diskussionstermin steht fest

Die Veranstaltung wurde vom städtischen Kommunalen Integrationszentrum in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe durchgeführt und vom Projekt „Einwanderung gestalten NRW“ mitfinanziert. Als Partner beteiligten sich städtische Ämter, Träger, Bildungseinrichtungen und der Stadtteilarbeitskreis Coerde. Die Diskussion wird am 18. März 2020 unter der Leitfrage „Wie viel Bildung braucht das Leben?“ fortgeführt.

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