Themenabend im Stadtarchiv
Von Unfreien und Leibeigenen

Münster -

In der heutigen aufgeklärten Gesellschaft mag man sich gar nicht vorstellen, dass der Großteil der Menschen in früheren Jahrhunderten nicht frei über sein Leben entscheiden konnte. Leibeigenschaft war dabei auch in der fürstbischöflichen Residenzstadt Münster üblich – wie ein Themenabend im Stadtarchiv am Donnerstag (24. Oktober) zeigt.

Dienstag, 22.10.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 22.10.2019, 19:52 Uhr
Dieser Brief entlässt Catharinen Ewerding in die Freiheit. Sie wird mit dem Schriftstück der Adligen von Berswordt  aus der Leibeigenschaft entlassen.
Dieser Brief entlässt Catharinen Ewerding in die Freiheit. Sie wird mit dem Schriftstück der Adligen von Berswordt  aus der Leibeigenschaft entlassen. Foto: Stadt Münster

Heiraten oder gar wegziehen ohne die Zustimmung des Leibherrn? Das war vor 200 Jahren der einfachen Bevölkerung auf dem Land schlichtweg verboten.

Bauern und Bäuerinnen mit ihren Familien, Knechte, Mägde, Tagelöhner gehörten als Eigentum einem anderen, zumeist dem Adel oder dem Klerus. Und doch schien das zunächst nicht entwürdigend – waren doch fast alle unfrei.  

(Un-)Freiheit spielte auch in Münster eine Rolle

Ein bisher wenig in der westfälischen Geschichte beleuchtetes Kapitel schlägt Dr. Hannes Lambacher beim Themenabend des Stadtarchivs auf. Der ehemalige Archivleiter schaut dabei auch auf die fürstliche Residenzstadt Münster.

Denn auch hier wie in der benachbarten Reichsstadt Dortmund galt: Wer Bürger werden wollte, musste persönlich frei sein. Wer ein ehrbares Handwerk ausüben wollte, musste frei sein. Und doch gibt es im Stadtarchiv Münster eine große Anzahl von Dokumenten und Urkunden, die von der Leibeigenschaft zeugen. Wie ist das zu erklären?

Ende der Leibeigenschaft erst 1808

Der Historiker skizziert ihre Entstehung, schildert die Folgen für das alltägliche Leben. An Beispielen wird deutlich, dass die Leibeigenschaft die Menschen eben doch belastete wie Zeitgenossen, auch Bürger oder aufgeklärte Staatsmänner, urteilten.

Hannes Lambacher nimmt nicht zuletzt das mühsame Ende der Leibeigenschaft bis 1808 in Münster und Westfalen in den Blick und ihre Umwandlung in die heute so selbstverständliche Freiheit mit den Menschen- und Bürgerrechten.

Zum Thema

Der Themenabend beginnt am Donnerstag (24. Oktober) um 18 Uhr im Stadtarchiv, An den Speichern 8. Die Moderation übernimmt Anja Gussek, stellvertretende Leiterin des Stadtarchivs. Der Vortrag ist kostenfrei. Um Anmeldung wird jedoch gebeten – per E-Mail an archiv@stadt-muenster.de oder unter ' 4 92 47 01.

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