Studie der Fachhochschule
Wie wirksam sind Stottertherapien?

Münster -

40.000 Grundschulkinder in ganz Deutschland stottern. Die Folge: Sie leiden zum Teil schon in frühen Jahren unter sozialer Isolation, Mobbing und Benachteiligungen. Eine Stottertherapie hilft, die Symptome zu verringern.

Montag, 21.10.2019, 19:30 Uhr
Prof. Dr. Anke Kohmäscher (kleines Bild) erforscht die Wirksamkeit von Stottertherapien bei Kindern.
Prof. Dr. Anke Kohmäscher (kleines Bild) erforscht die Wirksamkeit von Stottertherapien bei Kindern. Foto: Bundesverband für Logopädie

In der Therapie ist das Verfahren „Kinder dürfen Stottern“ (KIDS) ein weit verbreiteter Ansatz, doch wissenschaftliche Nachweise zur Wirksamkeit fehlen. Das zu ändern, haben sich Prof. Dr. Anke Kohmäscher von der Fachhochschule Münster und Prof. Dr. Stefan Heim vom Universitätsklinikum Aachen zum Ziel gesetzt. In ihrem Forschungsprojekt untersuchen sie unter Alltagsbedingungen, wie sich die Therapie KIDS bei stotternden Grundschulkindern zwischen sieben und elf Jahren auf das Befinden und das Sprechen auswirkt. Seit Oktober 2018 arbeiten sie daran.

„Wir überprüfen zu verschiedenen Zeitpunkten die Veränderungen, die sich durch die Therapie ergeben – zuerst, bevor sie beginnt, dann nach drei Monaten, nach sechs und nach zwölf Monaten“, sagt Kohmäscher. Alle Untersuchungen sind identisch und finden in der Einrichtung statt, in der das Kind behandelt wird.

Schweregrad einschätzen

„Wir führen mit jedem Kind ein zehn- bis fünfzehnminütiges Gespräch, das wir auf Video aufzeichnen. Kann das Kind schon lesen, liest es zusätzlich einen circa einseitigen Text vor. Beide Sprechproben werten wir aus und erfassen die Erfahrungen der kleinen Patienten durch einen Fragebogen.

Abschließend bitten wir die Eltern, den aktuellen Schweregrad des Stotterns ihres Kindes einzuschätzen.“ Stottersymptome können sowohl zeitlich als auch situativ sehr unterschiedlich ausgeprägt auftreten, so die Wissenschaftlerin. „Daher bitten wir die Eltern, zu jedem Messzeitpunkt das Sprechen ihres Sohnes oder ihrer Tochter im Alltag aufzuzeichnen: einmal in einem Gespräch mit den Eltern zu Hause und einmal in einem Gespräch mit einem nichtverwandten Erwachsenen an einem anderen Ort.“

Teilnahme an der Studie möglich

32 erfahrene Sprachtherapeuten aus ganz Deutschland ermöglichen es den Wissenschaftlern, ihre Stottertherapien zu evaluieren.

Stotternde Grundschulkinder, die bald eine logopädische Therapie beginnen möchten, können noch bis Ende Januar 2020 an der Studie teilnehmen. Welche Therapeuten beteiligt sind, ist unter www.pms-kids.de/therapeuten abrufbar. Infos zur Studie gibt es hier .

Zum Thema

Das Forschungsprojekt von Prof. Dr. Anke Kohmäscher und Prof. Dr. Stefan Heim heißt PMS KIDS – das steht für prospektive multizentrische Studie zur Wirksamkeit ambulanter Stottertherapie nach dem Stottermodifikationsansatz KIDS. Die Studie wird über den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) finanziert, und der Förderzeitraum geht über drei Jahre, von Oktober 2018 bis September 2021.

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